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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 11:57 Uhr

Pilotprojekt : Ein Hort für Soldatenkinder

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburg in der Vorreiterrolle: Ab 2016 werden die ersten fünf Kinder von Lehrgangsteilnehmern in der Kita „Kiwi“ betreut.

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erstellt am 19.Nov.2015 | 19:22 Uhr

Flensburg | Eine echte Bundespremiere: Flensburg und Glücksburg bilden den ersten Bundeswehrstandort überhaupt, der über Belegplätze für den Nachwuchs von Stammsoldaten und Lehrgangsteilnehmern verfügt. Gestern wurde der Vertrag mit den Kinder- und Jugenddiensten Adelby  1 in der Kita „Kiwi“ unterzeichnet – bereits in zwei Wochen werden die ersten beiden Kinder erwartet. Eine vorgezogene Maßnahme, denn eigentlich tritt die Vereinbarung erst Anfang 2016 in Kraft.

Es war ein langer Weg, in dessen Verlauf Flensburg nach anfänglicher Schleichfahrt auf die Überholspur geriet. „Eigentlich waren wir schon aus dem Rennen“, sagt Oberstleutnant Manfred Saust. Doch dann wendete sich das Blatt.

Im letzten Jahr hatte die Beauftragte für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Bundeswehr eine Erhebung zur Situation der Kinderbetreuung in Gang gesetzt. Sieben Standorte gaben einen entsprechenden Bedarf an.

Doch das Stammpersonal reichte zahlenmäßig nicht aus: Lediglich 267 von insgesamt 1150 in Flensburg und Glücksburg stationierten Bundeswehrangehörigen haben hier auch ihren Wohnort. Konsequenz: Eine geplante Info-Veranstaltung wurde zunächst abgesagt.

Doch dann kamen die vielen (kontinuierlich etwa 2000 ) Lehrgangsteilnehmer an der Schule für Strategische Aufklärung und der Marineschule ins Spiel. Sie verbringen hier eine Zeit von drei Wochen bis zu zwei Jahren.

Standortältester Manfred Saust stellte die Lage gegenüber dem Bundesamt für Personalwesen eindringlich dar. Mit Erfolg: Am 1.  Juni wurde Flensburg als Pilotstandort für die Kinderbetreuung von Lehrgangsteilnehmern ausgewählt. Fünf Plätze stehen zur Verfügung, weitere fünf sind für Stammsoldaten vorgesehen. Für Heiko Frost, Geschäftsführer von Adelby1, bedeutet das Belegplatz-Modell ein hohes Maß an Planungssicherheit, denn es wird auch dann Geld vom Bund fließen, wenn nicht alle Plätze besetzt sind.

„Kinder für beschränkte Zeit aufzunehmen, ist in einem gewöhnlichen Kita-Alltag nicht vorgesehen“, sagt er. Die Betriebs-Kita „Kiwi“ können allerdings ein hohes Maß an Flexibilität bieten. „Öffnungszeiten von 24 Stunden wären möglich.“ Er freue sich darauf, etwas Neues auszuprobieren. Personal müsse nicht zusätzlich akquiriert werden. Eine Folge aber ist, dass eine Naturgruppe eingerichtet wird, um dem Platzbedarf gerecht zu werden. Frost kann sich nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass der Regelbereich bei den freien Trägern nicht ausreichend finanziert sei. Insofern sehe er auch mit Sorge in die Zukunft. „Die Politik sollte sich zu einer vielfältigen Kita-Landschaft bekennen. Oder aber die Stadt muss sagen, ob sie künftig nur noch selber die Einrichtungen betreiben will.“

Wolfgang Schlieker, Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums Husum, gab seiner Hoffnung Ausdruck, das neue Projekt möge bundesweite Strahlkraft entwickeln. Es gebe schon jetzt eine Reihe von Anfragen für Kinder zwischen eins und fünf Jahren. „Wir wollen“, so Schlieker, „ein gutes Signal in die Republik senden.“

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