Grundhof : Ein Haus für äthiopische Straßenkinder

Die Vorsitzende des Vereins „Let me be a child“, Etagegne Girma-Bierig, mit Ehemann und Vorstandsmitglied Marius Bierig.
Die Vorsitzende des Vereins „Let me be a child“, Etagegne Girma-Bierig, mit Ehemann und Vorstandsmitglied Marius Bierig.

Verein „Let me be a child“ errichtet Neubau in Addis Abeba. Für 35 Euro im Monat erhalten Kinder Verpflegung und können zur Schule gehen.

shz.de von
26. September 2017, 15:16 Uhr

Die hohe Inflation in Äthiopien erschwert dem als gemeinnützig anerkannten Verein „Let me be a child“ die Arbeit. Er betreut dort tagsüber etwa 100 Straßenkinder und ist gerade dabei, in der Hauptstadt Addis Abeba ein neues Gebäude für die Kinder zu bauen. Auf der Jahresversammlung im Bürgerhaus in Grundhof teilte Vorstandsmitglied Marius Bierig mit, dass der Wechselkurs innerhalb der letzten fünf Jahre von einem Euro zu 17 Birr, der äthiopischen Währung, auf 1:25 gestiegen sei, die Preise für Löhne und Lebensmittel aber erheblich mehr zugelegt hätten, bei Beton und Stahl teilweise um das Zwei- bis Dreifache. Nach mehreren Umplanungen sei das Bauvorhaben jetzt größer als zunächst vorgesehen. „In Kürze beginnt der Innenausbau, und die Inbetriebnahme erwarte ich für das späte Frühjahr 2018“, sagte Bierig.

Die aus Äthiopien stammende Vereinsvorsitzende Etagegne Girma-Bierig berichtete über hervorragende schulische Leistungen der betreuten Kinder und Jugendlichen. Von den Schützlingen der Anfangszeit hätten 15 eine Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen und sofort Arbeit gefunden. Elf weitere studierten an Colleges (Bachelor) oder Universitäten (Master). Die 23-jährige Biruktayit Nehuria, ein Kind der Startphase, habe als Erste ihr Studium mit einem Master in Finanzwirtschaft abgeschlossen. Die Arbeit des Vereins erfolge zwar in kleinen Schritten, „aber es lohnt sich“, so Etagegne Girma-Bierig. Am zweiten Standort im ländlichen Doyogena mit 55 Kindern könne die Raumkapazität aber nicht ausgenutzt werden, dafür reiche das Geld nicht aus.

Kassenwartin Brigitte Ingermann zeigte, dass die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Patenschaften 2016 rund 104 000 Euro betragen haben. Bei 80  000 Euro Ausgaben verbleibe ein Überschuss von rund 20  000 Euro. Er gehe auf das Festgeldkonto, das Ende 2016 rund 120  000 Euro aufgewiesen habe, von dem aber die laufenden Bauarbeiten bezahlt würden, in diesem Jahr bereits 30  000 Euro. Ein Betrag in derselben Höhe stehe demnächst an.

An den beiden Standorten beschäftigt der 2004 gegründete Verein 42 Mitarbeiter. Mit durchschnittlich 35 Euro pro Monat und Kind sorgt er für eine Basisversorgung mit ausreichender Verpflegung, medizinischer Betreuung und regelmäßigem Schulbesuch. Weiterhin kümmert sich der Verein vor Ort um handwerkliche Anleitung und berufliche Ausbildung. Die monatlichen Betriebskosten belaufen sich auf etwa 5000 Euro.

Mit eigener Bäckerei und landwirtschaftlicher Produktion wird in kleinem Rahmen ein eigenes Einkommen erwirtschaftet. Das soll durch einen Gästebereich ausgeweitet werden. Problematisch sind nach Bierigs Aussage Strom- und Wasserversorgung in Doyogena. Mit einem durch Spenden finanzierten Generator möchte er dort Abhilfe schaffen.

Ziel von „Let me be a child“ ist es, verwahrloste Straßenkinder zu selbstbewussten und eigenverantwortlichen Menschen heranwachsen zu lassen, die in ihrem Heimatland für sich und ihre Familien sorgen können.
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Näheres zu dem Verein auf www.direkte-kinderhilfe.de

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