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Flensburgs Schleichwege : Ein Hauch von Sommer am Ostseebad

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Spaziergang mit der Flensburger Schauspielerin und Autorin Renate Delfs vom Friedrichstal bis zum Seglerhafen nach Wassersleben. Die dritte Folge unserer Serie Schleichwege in Flensburg.

Flensburg | Viele Wege führen in die Flensburger Innenstadt. Doch welche wählen Fußgänger und Radfahrer, wenn sie dorthin gelangen wollen? Die Tageblatt-Redaktion hat sich auf die Suche gemacht und einige Verbindungen ausprobiert. Oder Lieblingswege von Flensburgern ausfindig gemacht. Heute: Das Wäldchen und der Strand am Ostseebad.

Der Spaziergang beginnt unter einem blühenden Birnbaum. Im Garten von Renate Delfs, wo der Flensburger Norden sich von seiner schönsten Seite zu zeigen beginnt. Hier startet die naturverbundene Schauspielerin ihre täglichen Streifzüge – noch vor dem Frühstück. Immer dabei: die treue Münsterländer-Dame „Wumba“.

Es zieht sie ans Wasser. Trotz ihrer 89 Jahre wirkt Renate Delfs unermüdlich; stehen bleibt sie nur, wenn ihr Blick gefesselt wird; etwa von einem kläglichen Baumstumpf, der abgestorben scheint, aus dem dennoch zartes Grün hervorsprießt – das unvergleichlich schöne Buchengrün im Mai. Oder wenn sie eine winzige Feldblume entdeckt, die sonst kaum jemand wahrnehmen würde.

Der Weg führt über die Straße Im Tal entlang mächtiger Eichen, die Orkan „Christian“ nicht zu Fall gebracht hat. Es ist menschenleer hier, der blaue, wolkenlose Himmel legt eine friedvolle Stimmung über die Landschaft. Ein geschwungener Trampelpfad führt zum Ostseebad. Im Park standen einst Skulpturen, kreativ bearbeitete Relikte der vielen vom Schlauchpilz befallenen Ulmen. „Wurzeln und Freiheit“ nannte sich damals das Projekt, von dem heute nicht mehr viel zu sehen ist.

Dafür aber erschließt sich auf einer kleinen Anhöhe ein herrlicher Blick auf das Meer und die sich majestätisch erhebende Marineschule vis à vis.

Dann geht es wieder bergab. Vorbei am Wasserwerk und dem Ruderklub Flensburg. Kinder lachen und kreischen vergnügt – der Spielplatz ist dicht bevölkert. Und schon ist man am Strand, spürt feinen weißen Sand unter den Sohlen. Einige Gäste genießen ein Sonnenbad, einen Hauch von Sommer. Das Wasser ist kristallklar bis auf den Grund, doch noch traut sich niemand in die 12 Grad kalte Ostsee.

Rechter Hand die Werft, links wandert der Blick bis zur dänischen Küste mit dem Kollunder Forst, weit hinten die Ochseninseln. Der Weg entlang sanft plätschernder Wellen führt bis zur Badebrücke. Die kennt Renate Delfs, die in der Apenrader Straße groß geworden ist, seit über 80 Jahren. „Damals gab es ein Geländer in der Mitte, dass Männlein und Weiblein züchtig voneinander getrennt hat“, erinnert sie sich. Am Kopf der Brücke gab es abschließbare Umkleidekabinen. Jetzt ist der Unterstand mit bunten Graffiti sowie Liebeserklärungen übersät. Auf einer Schiefertafel mit Kreide gekritzelt die Wassertemperatur, und „Luft 7 Grad“.

Unzählige Kinder haben am Ostseebad unter Aufsicht gestrenger Bademeister das Schwimmen erlernt. „Ein wunderbarer Strand“, entfährt es Renate Delfs. Sie schwimmt hier, seit sie denken kann. Von Mai bis Oktober nahezu täglich. „Frische Luft und das tägliche Bad halten mich jung.“ Das ist das einfache Geheimnis der Flensburgerin, die erst vor zwei Tagen in der Kriminalserie „Donna Leon“ zu sehen war.

Gegenüber der Brücke mündet der Lachsbach in die Förde, der Wanderweg am Hang des Wäldchens führt über das Domizil der Paddelfreunde und des Roklub Flensborg bis nach Wassersleben. Immer wieder ist der Weg durchfeuchtet, obwohl es seit Tagen nicht geregnet hat. Der Hang rutscht, kleine Bächlein haben sich im Lauf der Jahrzehnte gebildet. Bäume mussten gefällt, Erde und Geröll abgefahren werden. Die Erosion, so scheint es, ist nicht aufzuhalten.

Wer will, kann vom Seglerhafen weiterlaufen bis zum Übergang Schusterkate – und darüber hinaus. „Einem Spaziergänger“, sagt Renate Delfs, „sind keine Grenzen gesetzt.“

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