Ein Hauch Geschichte: Namensrätsel am Bau

Das Haus „Devonhurst“ (Wrangelstraße) ist eines von etwa zwei Dutzend Flensburger Häusern, deren Fassade ein Name ziert. Foto: dewanger
Das Haus „Devonhurst“ (Wrangelstraße) ist eines von etwa zwei Dutzend Flensburger Häusern, deren Fassade ein Name ziert. Foto: dewanger

Rund zwei Dutzend Flensburger Häuser tragen einen Namen / Hochzeit im 19. und 20. Jahrhundert

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21. April 2011, 06:46 Uhr

flensburg | Das rosa Haus in der Wrangelstraße fällt nicht nur durch seinen Anstrich ins Auge. Bei genauerem Hinsehen liest der Betrachter den angeschlagenen Namen "Devonhurst". Es findet sich kein geführtes Verzeichnis, in dem die ganze Geschichte der Benennung nachzulesen ist, erzählt Eiko Wenzel, Leiter der städtischen Bauordnung. Dennoch weiß er: "Das Haus ,Devonhurst hat ein Marineoffizier aus Liebe zu seinem gleichnamigen Schiff so benannt." Heute beherbergt das rosa Haus den Dänischen Schulverein für Südschleswig - die Ehrung des Schiffes ist noch immer an ihrem Platz.

Wenzel schätzt die Anzahl der benannten Häuser im Stadtgebiet auf rund zwei Dutzend. Im Gegensatz zur Hausnummer wurden die Namen nicht durch die Behörden zugeteilt. Sie sind von jeher lediglich ein Zusatz zu den aus Gründen der steuermäßigen oder postalischen Zuordnung angebrachten Hausnummern. Häufig sei die Ehrung eines Familienmitgliedes oder die Lage des Anwesens namensgebend gewesen, so Wenzel.

Hochzeit hatte die Namensgebung im 19. und 20. Jahrhundert. Beginnend mit dem Einsetzen der Industrialisierung wurde vorwiegend Häusern von Familien des Bürgertums die Ehre der Benennung zuteil. So lässt sich heute noch nachvollziehen, in welchen Gegenden gut situierte Familien wohnten. Gehäuft findet sich dieses Phänomen dort, wo ab dem späten 19. Jahrhundert die Villenbebauung begann, wie beispielsweise auf der Westlichen Höhe.

Nicht nur Wenzel, auch die Interessengemeinschaft Alt-Engelsby hat sich mit diesem Thema beschäftigt: Bei den "Engelsbyer Spaziergängen" trugen in Engelsby-Dorf Geborene und Aufgewachsene zusammen, was sie über Erbauung, ehemalige Bewohner und - wenn vorhanden - über die Herkunft des Namens wussten. Christel Münchow - selbst seit den 60er Jahren Engelsbyerin - freut sich über das Engagement, die Erinnerung zu erhalten: "Wer hat schon ein Dorf im Stadtgebiet?"

Drei Häuser hat die Gemeinschaft ausmachen können, die noch heute namentlich gekennzeichnet sind: "Villa Minna", nach der Ehefrau des Besitzers Bahnsen benannt, "Catharinenhöh", erhielt vermutlich als Hinweis auf die Lage den Namen, und "Daheim", über dessen Benennung Münchow nur Vermutungen anstellen kann. Ein viertes Haus gibt Anlass zum Rätseln: Die "Villa Paula". Ob das Haus wirklich so hieß und woher die Bezeichnung kommt - das konnten die engagierten Alt-Engelsbyer nicht klar festmachen: "Vermutlich wurde die Tafel bei Umbauarbeiten verdeckt oder abgerissen", meint Münchow.

Dass diese Tradition auch in der Geschichte nur über einen gewissen Zeitraum gelebt wurde, sei eine Frage der Kultur, erklärt Wenzel, und heute einfach nicht mehr in Mode. Verboten sei eine solche Aktion aber nicht: "Jeder kann mit seinem Eigentum machen, was er will."Wer Informationen über ein benanntes Haus in Flensburg hat, kann sich unter anj@shz.de an das Tageblatt wenden. In einer der nächsten Ausgaben wird der Name des "Margarethenhof" Thema sein.

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