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MS Deutschland : Ein Handwerker auf Piratenjagd

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Offene Rechnung: Ein Flensburger Elektrobetrieb fordert 16 000 Euro vom Geschäftsführer der Traumschiff-Deutschland-Betreibergesellschaft.

Flensburg | Es erinnert ein wenig an das aus dem Kino-Blockbuster „Fluch der Karibik“ bekannte Motto von Captain Jack Sparrow: „Nimm, was du kriegen kannst – und rück’ nichts wieder raus! “ Vor einem Jahr rettete der Flensburger Elektromaschinen-Spezialist Holtegel das Traumschiff „Deutschland“ mit einer Express-Lieferung im Wert von 15 000 Euro vor der Sofort-Pleite, zum „Dank“ gingen die Auftraggeber aus Neustadt ebenfalls im Expresstempo auf Tauchstation. Hans Köster, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht, sieht aber Chancen, dass Betriebsinhaber Helmut Wolter doch noch an sein Geld kommt. Die Kanzlei und der Handwerksbetrieb rüsten sich für die Piratenjagd auf Traumschiff Deutschland.

Wie berichtet, hatte Wolter am 9. Oktober vergangenen Jahres mit der Lieferung einer Hochleistungspumpe die Reparatur einer wichtigen technischen Komponente ermöglicht. Die „Deutschland“ lag in Lissabon fest und konnte für bereits gebuchte Fahrten nicht mehr auslaufen, weil die gesamte Frisch- und Brauchwasseranlage des Schiffes außer Betrieb war. Wolter half schnell, unbürokratisch – und guckte in die Röhre. Die Rechnung wurde von der Betreibergesellschaft konsequent ignoriert, drei Wochen später eröffnete das Amtsgericht Eutin das vorläufige Insolvenzverfahren, Wolter sah sein sauer verdientes Geld in über 50 Millionen Euro Traumschiff-Schulden untergehen. Hoffnungslos, oder?

Hans Köster will über das Gesellschaftsrecht einen Bypass legen. Die Geschäftsführung der Beteiligungsgesellschaft könnte nach dem GmbH-Recht zur Zahlung aus ihrem Privatvermögen gezwungen werden, wenn der Nachweis gelingt, dass ihr die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens hätte bewusst sein müssen, als sie in Flensburg bestellte. Dafür spricht einiges, findet der Flensburger Anwalt. Laut Jahresabschluss sei die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft GmbH bereits Ende 2013 mit 15 Millionen Euro unterkapitalisiert gewesen. Bedeutsam vor diesem Hintergrund ist ein Termin im Jahr 2014. Am 8. Oktober – einen Tag vor der Expressbestellung in Flensburg – platzte mangels Interesse eine Gläubigerversammlung, die durch Forderungsverzicht der Anteilseigner das Schiff wieder flott machen sollte. „Diese Versammlung war eine der wesentlichen Säulen im Sanierungskonzept“, so Köster. „Da kann man sich schon fragen, ob die Gesellschaft überhaupt noch überlebensfähig war. Den Betrieb konnte sie offenbar nicht mehr sicherstellen.“ Die Frage, ob die Geschäftsführung einen Tag später in diesem Wissen billigend in Kauf genommen hat, dass die Rechnung unbezahlt bleiben würde, sei durchaus berechtigt. „Fest stand zu diesem Zeitpunkt: Die Gesellschaft war am 9. Oktober 2014 bilanziell überschuldet und das Sanierungskonzept war gescheitert.“ Informationen, so Köster, die für kleine Betriebe kaum abrufbar sind. „Wir hatten drei Stunden zwischen Bestellung und Lieferung“, sagt Wolter. Die über Auskunfteien verfügbaren Daten hingegen, so Köster, seien in aller Regel sechs bis zehn Monate alt. „Natürlich lässt sich auch über so extrem kurzfristige Lieferungen Vorkasse machen, aber ansonsten sind die Schutzmöglichkeiten für Betriebe eher gering.“

Helmut Wolters Weg dürfte jetzt am Insolvenzverfahren vorbei direkt zum letzten Geschäftsführer der MS Deutschland GmbH führen, per Inrechnungstellung der mittlerweile auf 16 000 Euro gewachsenen Forderung mit wahrscheinlich anschließendem gerichtlichen Mahnverfahren. Auch dies, so Köster, eine spannende Sache, weil der am 7. März 2014 bestellte Geschäftsführer gar nicht der im Handelsregister eingetragene Geschäftsführer ist. Auch dies vielleicht ein Hinweis auf die finanziellen Probleme. „Vielleicht hat das Geld für den Notar nicht mehr gereicht. Zur Sicherheit sollte man einfach beiden eine Rechnung schicken.“

 

 

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erstellt am 21.Okt.2015 | 08:00 Uhr

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