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Bürgerwette : Ein großes Zeichen der Solidarität

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Noch haben die Flensburger über zwei Wochen Zeit, einen Euro pro Einwohner zu spenden

Diese Wette ist einmalig. Die Stadt Flensburg, vertreten durch Oberbürgermeister Simon Faber und Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar, setzt darauf, dass bis zum 30. September durch zahlreiche lokale Aktionen und Initiativen 90 777 Euro gesammelt werden. Das Geld soll in den Bürgerfonds fließen, der Menschen in Notlagen schnell und unbürokratisch hilft. Die avisierte Summe entspricht exakt der Einwohnerzahl Flensburgs; theoretisch müsste also jeder einen einzigen Euro geben, um das Ziel zu erreichen. Krönender Abschluss dieser Spendenaktion soll ein Bürgerfest auf dem Südermarkt am 5. Oktober dieses werden.

Das Engagement ist beachtlich. Bislang sind nach knapp zwei Wochen auf dem Sonderkonto des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg 20 000 Euro an Spenden – zumeist kleinere Einzelbeträge – eingegangen. Mindestens die gleiche Summe dürfte derzeit in Umlauf sein.

Die jüngste Initiative hat der Runde Tisch Integration gestartet. Menschen aus rund 130 verschiedenen Nationen nennen Flensburg ihre Heimat. Für ihre Belange setzen sich die rund 50 Vertreter ein, die sich regelmäßig für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im Rathaus treffen. Bei der jüngsten Zusammenkunft standen auch vier Spendendosen für den Bürgerfonds auf den Tischen. „Im Gesundheitsausschuss ist neulich über die Bürgerwette berichtet worden, und ich finde die Aktion sehr gut“, sagt Bobby Winkler, Vorsitzende des Runden Tisches, „vor allem, weil den Menschen, die hier leben, unbürokratisch geholfen wird.“ Den Mitgliedern lägen alle Flensburger am Herzen, deshalb setzten sie sich auch für den Bürgerfonds ein. Bobby Winkler ist sich ganz sicher, dass die angepeilten 90 777 Euro für die Wette zusammenkommen. „Und natürlich ist jeder Euro, der dazu kommt, ein Gewinn für die Menschen in Flensburg.“

Hinter jedem dieser Menschen steckt ein Schicksal. Eine ganz individuelle Notlage. Das Ehepaar W. etwa lebt mit seinen beiden Kindern von ALG II. Die zehnjährige Tochter ist an Rheuma erkrankt. Die Familie kann die Fahrten zu den notwendigen ärztlichen Behandlungen nach Kiel, Bad Bramstedt und Hamburg nicht bezahlen. Die Krankenkasse verweigert eine Kostenübernahme. Der Bürgerfonds hilft.

Eine weitere Familie, die auf Sozialleistungen angewiesen ist, hat ein profan erscheinendes Problem. Der neunjährige Sohn braucht aufgrund eines starken Sehfehlers eine Brille mit dünnen Gläsern. Auch hier hat die Krankenkasse abgewunken. Benötigt werden lediglich 147 Euro. Der Bürgerfonds hilft.

Und noch ein exemplarischer Fall: Die ehemals fünfköpfige Familie A. muss den Suizid ihres ältesten Kindes verarbeiten. Der jüngere Bruder hat, möglicherweise auf Grund des tragischen Vorfalls, große Probleme in der Schule. Seine Leistungen fallen rapide ab, sein Sozialverhalten ist auffällig. Als von einigen Schulsozialarbeiterinnen eine Ferienfreizeit angeboten wird, ist dies eine große Chance für die beiden verbliebenen Brüder, sich für einige Zeit in entspannter Atmosphäre zu bewegen, mit anderen Kindern in positiven Kontakt zu treten und eine Auszeit vom häuslichen Umfeld zu bekommen. Doch das Geld dafür ist nicht vorhanden. Die Mutter hat zwar einen Putzjob angenommen, ansonsten lebt die Familie von Hartz IV. Es geht um fehlende 180 Euro. Der Bürgerfonds hilft.

 

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erstellt am 13.Sep.2014 | 12:11 Uhr

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