Diamant-Hochzeit in Flensburg : Ein glückliches Paar

Diamantene Hochzeit in Weiche: Gertrud und Manfred Werner sind bis heute unzertrennlich.
Diamantene Hochzeit in Weiche: Gertrud und Manfred Werner sind bis heute unzertrennlich.

Gertrud und Manfred Werner sind morgen 60 Jahre verheiratet / Es begann auf einem Sportlerfest

shz.de von
14. Februar 2018, 08:16 Uhr

„Sie sind hier bei einem glücklichen Ehepaar.“ Und da Manfred und Gertrud Werner die starken Worte nicht lieben, schränken sie ein: „Bei einem zufriedenen Ehepaar.“ Aber bei dem Rückblick auf 60 Jahre Ehe, auf ein gemeinsames Leben, wählt der Zuhörer von selbst das Attribut „glücklich“. Und dieses Glück wird morgen gefeiert – mit der Diamantenen Hochzeit. In Flensburg-Weiche – wo sonst. Der Stadtteil war und ist der Lebensmittelpunkt der Familie Werner.

Das große Glück dieser Ehe beginnt schon in den Wirren des Zweiten Weltkrieges. Vor der russischen Armee mussten Manfred Werner und seine Eltern aus Danzig nach Westen fliehen. Mit der Erinnerung an das grausige Schicksal der „Wilhelm Gustloff“, die von einem russischen U-Boot versenkt wurde und mehr als 9000 Menschen in den Tod riss, wollte Werners Mutter nicht per Schiff flüchten. Doch ihr Mann beharrte: „Das ist die letzte Chance.“ Es kam wie befürchtet. Der Frachter „Moltkefels“ wurde von russischen Flugzeugen angegriffen, 500 Menschen starben. Doch bevor sie dem Schiff den Todesstoß versetzten, drehten die Maschinen ab. So blieb die Möglichkeit, die Überlebenden auf vier kleinere Schiffe überzusetzen. Das Schiff mit den Werners an Bord war das einzige, das sich nach Rostock retten konnte. Von dort ging es per Zug nach Flensburg.

Die erste Unterkunft war ein Güterwagen im Flensburger Bahnhof, dem das Dach fehlte – „und das im April“. Dann kam die Einquartierung mit über 20 Schicksalsgenossen in ein Klassenzimmer der Pestalozzischule in der Waitzstraße. Der großen Umquartierung der Flüchtlinge in Barackenlager entging die Familie, weil Manfred Werners Vater eine Firmenbaracke auf dem Güterbahnhof in Weiche kaufen konnte. Eine Toilette gab es nicht, einen Wasserhahn in einem 70 Meter über die Gleise gelegenen Verwaltungsgebäude. Die Werners wurden dann in ein kleines Haus an der Fuchskuhle einquartiert. Neubauten am Nane-Jürgensen-Weg sollten ein neues Heim bieten, doch die Wohnungen wurden nicht rechtzeitig fertig. Und so wurde tatsächlich der leer stehende Lokomotivschuppen im Gleisdreieck zum Übergangsquartier.

Gertrud Werner wuchs auf Jürgensby auf. Mit Freundinnen verabredete sie sich zu einem Sommerfest, das einer der Sportvereine in Weiche organisierte. Dort lernte sie ihren künftigen Mann kennen, räumt allerdings ein, dass damals der Funke nicht sofort zündete. Die Dominanz, mit der der junge Mann damals auftrat, passte nicht zur ihrer Vorstellung von Selbstständigkeit. Aber das ruckelte sich zurecht: 1958 gaben sich die beiden in der Heilandskapelle in Weiche das Ja-Wort. Zwei Jahre zuvor hatte Manfred Werner als Personalsachbearbeiter bei der Norddeutschen Papierfabrik (sie gehörte zur Feldmühle) angefangen: Mit 23 Jahren war er Personalchef von rund 600 Mitarbeitern, später aus sozialer Verantwortung auch Betriebsrat. Schließlich war er auf deutscher und europäischer Ebene als Arbeitnehmervertreter zuständig für mehrere Zehntausend Mitarbeiter, schloss in Aufsichtsräten Kontakte und Freundschaften zu führenden Köpfen der deutschen Wirtschaft. Gertrud Werner hielt die Familie zusammen, brachte drei Töchter erfolgreich durch Jugend und Schulzeit bis ins Studium. Manfred Werner: „Man sagt mir nach, ich sei ein Macher. Das mag ja für den Beruf und den Sport gelten – aber nicht für die Familie. Hier gebühren meiner Frau alle Verdienste.“ Der Sport, natürlich. Manfred Werner war begeisterter Fußballspieler, seit dem zehnten Lebensjahr. Mit 20 übernahm er den ersten Vorstandsposten. Immer wieder war er dabei, aus benachbarten Mannschaften neue, schlagkräftige Truppen zu schmieden. So entstand 1972 aus dem Eisenbahner-Sportverein (ESV) und dem von Flüchtlingen gegründeten Verein „Weiche West“ der Eisenbahner- Turn- und Sportverein (ETSV), dessen Vorsitzender er 40 Jahre bis 2002 war. Die Benennung der Sportanlage an der Bredstedter Straße in Weiche in Manfred-Werner-Stadion ist Dank für dieses Engagement. Die Verdienste Werners um die SG Flensburg-Handewitt sind legendär, beginnend mit ihrer Gründung. Gertrud Werner, selbst über Jahrzehnte begeisterte Turnerin, bringt es auf den Punkt: „Wie du neben der großen Belastung durch den Beruf auch noch so viel für den Sport leisten konntest – ich verstehe es bis heute nicht!“

Und nun also Diamantene Hochzeit! Die wird nicht im gemütlichen Haus im Hintergrund der Husumer Straße gefeiert. Mit der Familie immer verbunden war der „Historische Krug“ in Oeversee, und da steigt auch morgen die Fete. Das Fest beginnt mit einer Andacht in der Friedenskirche in Weiche, nicht in der Heilandskapelle, wo einst die Ehe geschlossen wurde. Die ist für Familie, Freunde und Wegbegleiter zu klein geworden. Auch Ausdruck eines glücklichen Lebens.

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