Jugendliche auf Prügeltour in Flensburg : Ein gewaltbereiter Flashmob

Prävention am Reismühlenhof: Polizeibeamte gingen gestern auf Nummer Sicher.
Prävention am Reismühlenhof: Polizeibeamte gingen gestern auf Nummer Sicher.

Festnahmen, Pöbeleien, Prügel: Polizei zieht Bilanz der Auseinandersetzungen am Montag in der Innenstadt und verstärkt ihre Präsenz

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21. März 2018, 07:00 Uhr

Was war da los am Montagabend in der Innenstadt? Ein großes Polizeiaufgebot versuchte eine noch größere aggressiv aufgeladene Gruppe junger Leute auszubremsen. Die Flensburger Polizei hat diese Leute, die den öffentlichen Raum für gewaltsame Auseinandersetzungen suchen, seit einiger Zeit im Blick. Dieser jüngste Auftritt war allerdings der mit Abstand größte, sagt Polizeisprecherin Sandra Otte.

Passanten, die auf den Mob stießen, reagierten aufgeschreckt. Sie berichteten von einer weithin hörbaren, lautstarken Kulisse, handfesten Auseinandersetzungen, Grabschern, pöbelnden Jungs, weinenden Mädchen, hämischen Gesichtern, Posing vor der Polizei. „Das war ganz schön heftig“, berichtet eine Geschäftsfrau aus der Nikolaistraße. Eine andere Frau – in der Flüchtlingshilfe tätig – sah viele muslimische Jugendliche, Iraker und Afghanen, vor Ort. Die seien nach polizeilichen Beobachtungen zwar fleißig mit dabei, aber für das Geschehen nicht bestimmend gewesen.

„Wir hatten es mit gut 50 Personen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren zu tun – und da waren viele der in Flensburg lebenden Nationen vertreten“, sagt die Pressesprecherin. Seit einiger Zeit gebe es um den ZOB herum Auseinandersetzungen gewaltbereiter rivalisierender Jugendgruppen, die sich über soziale Medien schnell organisieren. Die Motive der Prügeleien sind weitgehend unbekannt.

Am Montag konnten sich die Ordnungshüter dank eines Tipps frühzeitig vorbereiten. Gegen 16.40 trafen die Beamten auf etwa 30 junge Leute in der Flensburg-Galerie, die Stimmung innerhalb der Gruppe sei latent aggressiv gewesen, so Otte. Die jungen Leute hätten die Passage dann verlassen, seien an verschiedenen Orten wieder aufeinander getroffen. Am Reismühlenhof seien die Beamten dem Hinweis auf eine Waffe nachgegangen, bei einem 21-Jährigen fanden sie eine Spielzeugpistole. Bei der Sicherstellung habe sich der Deutsche widersetzt und wurde in Gewahrsam genommen; ein 14-Jähriger, der zur Hilfe kam, wurde wegen seiner Aggressivität ebenfalls vorläufig festgenommen.

Auch in der Nikolaistraße, wo sich gegen 17.45 Uhr rund 50 Leute gegenüber standen, knisterte die Luft. Ein Zeuge will gesehen haben, dass sich eine Beteiligte mit einer Eisenstange bewaffnete. Zwei andere Mädchen – 14 und 16 Jahre alt – hetzten die Menge auf, gegen die Polizisten vorzugehen, auch sie landeten im Gewahrsam, bis 21 Uhr waren das fünf Personen – 21, 17 und 16 Jahre alt, dazu zwei 14-jährige Mädchen, alles Deutsche. Die nationale Zugehörigkeit spiele für die Gewaltbereitschaft nicht die große Rolle, glaubt Otte. „Das ist ein Jugendphänomen. Ein Flashmob. Nur mit viel Gewaltbereitschaft!“ Nach dem Einsatz sei noch ein Körperverletzungsdelikt angezeigt worden, bei dem ein 14-jähriges Mädchen geschlagen wurde. Der Tatverdächtige soll bekannt sein.

Die Polizei kündigte an, ihre Präsenz deutlich zu verstärken. Ziel sei es, Rädelsführer zu identifizieren und Mitläufer aus der Anonymität zu holen. Polizei und Jugendbehörde stünden im engen Austausch, so Otte. Von der Flensburger Jugendbehörde war gestern allerdings ganztägig keine Auskunft zu bekommen.

Gestern Nachmittag waren Beamte mit Polizeihund zwischen Holmpassage und Flensburg-Galerie präventiv im Einsatz. Bis auf ein paar versprengte Gestalten bekamen sie nicht viel zu Gesicht. „Alles ruhig“, meinte ein gut ausgerüsteter Polizist. „Wir gehen davon aus, dass die jetzt etwas eingeschüchtert sind.“

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