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Skulptur für Flensburg : Ein Geschenk aus Eiche: Der Junge und das Meer

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die russische Studentin Natalia Arsenteva schenkt der Stadt aus Liebe zu Flensburg und Kindern eine Skulptur.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Als Schulkind habe sie etwas über Kinder in Heimen gelesen, lief zu ihrer Mutter und wollte helfen. Diese wies die Kleine daraufhin, dass sie doch selbst noch ein Kind sei und erst mal erwachsen werden müsse. Das ist Natalia Arsenteva inzwischen, nämlich 32, und kümmert sich tatsächlich um Kinder. Bevor die russische Studentin Flensburg verlässt, widmet sie der Stadt, die sie so mag, ihre Abschlussarbeit: einen Jungen aus Eichenholz mit Schiffchen im Arm.

Die Skulptur ist Teil ihrer Bachelorarbeit und soll in den nächsten Tagen fertig werden. Arsenteva hat einen Nebenjob und erwartet ein Kind – sie muss sich ihre Kräfte einteilen.

In ihrer Heimatstadt Sankt Petersburg hat die Russin Sonderpädagogik studiert und für den Verein „Perspektivy“ gearbeitet, der sich um Menschen mit Behinderungen kümmert. Nach einem freiwilligen sozialen Jahr in Hamburg und weiterer Berufserfahrung wollte sie sich einen weiteren Kindheitstraum verwirklichen, berichtet sie, und suchte in Norddeutschland einen Studiengang, der Kunst und Sonderpädagogik verbindet. In Flensburg wurde sie fündig.

Ein bemerkenswerter Zufall hatte ihr „gute Erinnerungen“ an die Stadt beschert: ein 40-Tage-Trip im Jahr 2006 mit der Fregatte „Shtandart“. Sie hatte ein Plakat gesehen in Sankt Petersburg, sagt Natalia Arsenteva und meldete sich an. Der Törn führte auch nach Flensburg. „Wow, ein schönes Städtchen, klein und süß“, habe sie damals gedacht, schwärmt sie. Die Eindrücke festigten sich bei nächtlichen Spaziergängen durch die Gassen mit netten Leuten der Crew. Die Architektur der Häuser am Hafen, die Szenerie erschien ihr „wie aus einer anderen Zeit“. Lieblingsplätze wie die Museumswerft weckten Erinnerungen an ihre Kindheit und inspirierten sie, als sie nach einem Projekt für ihre Bachelor-Abschlussarbeit forschte. Aus Holz sollte es sein und mit dem Meer zu tun haben. Die Idee des kleinen Schiffbauers war geboren, der angezogen vom Tuten der Alexandra runter zum Hafen läuft, sein selbst gemachtes Schiffchen trägt, um es aufs Meer zu entlassen.

Ein Praktikum bei den Holzbildhauern half Natalia Arsenteva, den Holzklotz seit Februar so zu bearbeiten, dass er heute das Sympathische eines kleinen Jungen trägt, der das Meer liebt.

Die Skulptur mitnehmen, könne sie nicht, sagt Arsenteva, und „weil ich schöne Gefühle zur Stadt habe“, wird die 32-Jährige ihr Werk Flensburg schenken. Heute spielen nicht mehr so viele Kinder auf der Straße, beobachtet die Studentin mit Bedauern und möchte auch deshalb, dass Erwachsene beim Anblick von Jaschka, wie sie den Jungen getauft hat, darüber nachdenken. Außerdem gebe es keine Denkmäler für Kinder – jetzt schon.

Sie sei in den Dialog mit der Stadt getreten und bei Swetlana Krätzschmar auf offene Ohren gestoßen. Die Stadtpräsidentin sagt, „jugendliches Engagement“ sei zu unterstützen, und berief die Kunstkommission ein, der sie vorsitzt. Der Beschluss sei einstimmig gewesen, sagt Krätzschmar und, dass die Stadt das Geschenk annehmen werde. Wo der Junge auf dem Bohlwerk einen Platz finden wird, werde demnächst entschieden; am liebsten dort, wo er aufs Meer gucken kann, wünscht sich die Schöpferin.

Arsenteva wird demnächst ihrem Freund nach Brandenburg folgen, der dort studiert, und ihr Kind soll im November zur Welt kommen. „Einen kleinen Bruder hat es schon“, sagt sie.

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