Steinbergkirche : Ein ganzes Dorf wird zur Bühne

Mit Hingabe und Engagement setzt sich das Querner Theaterensemble für die Wiederbelebung der kleinen Dörfer ein.
Mit Hingabe und Engagement setzt sich das Querner Theaterensemble für die Wiederbelebung der kleinen Dörfer ein.

In einem Theaterstück einer deutsch-dänischen Gruppe geht es um die Zukunft der kleinen Orte. Aufführungen finden in Quern am Freitag, Sonnabend und Sonntag statt.

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23. August 2017, 13:00 Uhr

Steinbergkirche | Nur für drei Tage – ab Freitag dieser Woche – wird die ehemalige Gemeinde Quern wieder eigenständig und damit ein kommunales Oberhaupt haben. Als Bürgermeisterin fungiert die Flensburger Schauspielerin Saskia Behrmann. Sie gehört zur Künstlergruppe „Institut für theatrale Angelegenheiten“, die gemeinsam mit dem jungen Nachwuchsensemble „theatervision 2.0“ an einem besonderen deutsch-dänischen Projekt arbeitet. Mitten in Groß-Quern auf dem Platz zwischen Kirche und dem evangelischen Gemeindehaus laufen gegenwärtig die letzten Proben für das Theaterspiel „Das Dorf“, eine Uraufführung.

Regisseur Folke Witten-Nierade, seines Zeichens auch Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft „Spiel in Schleswig-Holstein“, hat gemeinsam mit dem dänischen Künstler Rick Towle das Handlungs-Konzept entwickelt und dafür gesorgt, dass die überwiegend durch Improvisation entstandenen Texte zu Papier gebracht wurden. „Wir befassen uns in diesem Stück mit der Geschichte, der Gegenwart und der Zukunft der Dörfer und haben dafür exemplarisch das Dorf Quern ausgewählt“, erläutert der Spielleiter. Im Mittelpunkt steht die Frage: „Wovon träumt das Dorf ?“ Enstanden sind Szenen, die sich fließend vom Realem ins Imaginäre, vom Absurden und Rätselhaften bis in Dramatische wandeln. Das Dorf ist heutzutage wahrlich kein Paradies, sondern steckt in einer Krise.

In dem Stück wird deutlich: Ein rasanter gesellschaftlicher Wandel hat das Dorfleben erfasst. Auch in Quern gibt es keine Schule mehr und keine Einkaufsmöglichkeit. Witten-Nierade bedauert: „Tatsache ist doch, dass in manchen Dörfern keine Kinder mehr auf den Straßen zu sehen sind und viele Dörfer zersiedelt werden.“

Zur Sprache gebracht wird auch dies: Ackerflächen gelten als ein inzwischen begehrtes Investitionsobjekt, bei denen das Land mit riesigen und in Zukunft automatisierten Maschinenparks bewirtschaftet wird. Für Pflanzen und Tiere gehen wertvolle Lebensräume verloren. Als Bürgermeisterin setzt sich Saskia Behrmann, die laut „Drehbuch“ um ihre kommunalpolitische Wiederwahl kämpft, zum Ziel, der Verödung ihres Dorfes entgegenwirken – mit neuen Ideen und Plänen. Dazu zählt auch die Veranstaltung von Jazz-Konzerten und die Vorbereitung eines Dorffestes. Dänische Musiker sind mit im Einsatz.

Die Inszenierung sieht unter anderem die Einrichtung einer Bushaltestelle, den Auftritt eines „Paradiesvogels“ aus Kalleby mit seinem Trecker-Oldie und eine Andacht in der Kirche vor. In dem aus Flensburg eingesetzten Shuttle-Bus wird auf dem Weg zum Open-Air-Theater Quern ein extra produziertes Hörspiel geboten – als Einstimmung in die Dorf-Thematik. Klar ist den Veranstaltern, dass sie „Das Dorf“ mit ihrem von der Landesregierung geförderten Projekt nicht wiederbeleben werden. „Aber wir können damit zum Nachdenken anregen“, sagt Folke Witten-Nierade.

> Die Vorstellungen beginnen am Freitag, Sonnabend und Sonntag jeweils um 20 Uhr auf dem Querner Kirchplatz. Karten an der Abendkasse gibt es für 13 Euro, ermäßigt 8 Euro, Vorbstellungen per E-Mail an tv2@gmx.de

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