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Integration in Flensburg : Ein Flüchtling will Bodenleger werden

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Asat Ghukasyan begann in der Teppichstraße mit einem einwöchigen Praktikum – jetzt winkt ihm ab August ein Ausbildungsplatz

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2017 | 07:59 Uhr

Die erste Hürde hat Asat Ghukasyan (35) mit Bravour gemeistert. Im November vermittelte ihn die Arbeitsagentur zunächst unverbindlich zum Praktikum in die Teppichstraße, nachdem der Flüchtling aus Armenien Interesse am Bodenlegerhandwerk bekundet hatte. Ganz ungeschickt kann er sich nicht angestellt haben: Seit 1. Januar ist der 35-Jährige fest angestellt im Hause Teppichstraße. Perspektive: Ab August soll er das Bodenlegerhandwerk als Azubi von der Pike auf lernen: Teppichböden, Parkett oder Hartbeläge wie Vinylplatten verlegen.

Britta Müller leitet den Betrieb mit zehn Mitarbeitern. Sie räumt offen ein, dass sie anfangs selbst nicht ganz vorurteilsfrei gewesen sei. Sie ließ sich aber schnell vom Gegenteil überzeugen. Dass der Armenier handwerklich geschickt ist, merkte die Chefin sehr schnell – und auch als pünktlich, engagiert und freundlich fiel der neueste Mitarbeiter im Team auf.

Seit April 2014 lebt der Armenier mit seiner Frau und zwei kleinen Söhnen in Deutschland. Der Jüngste ist erst ein Jahr alt – ein gebürtiger Flensburger. Deutsch lernt Ghukasyan mit dem Meister auf der Baustelle: „Verstehen geht schon gut, viel besser als sprechen“, erklärt er. Dass er seine Deutschkenntnisse weiter verbessern muss, weiß er selbst. Sein Meister Harald Johannsen beschreibt ihn als „ganz pfiffig. Ich hoffe, dass er es in der Schule packt.“

Hans-Werner Zilm vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur ist ganz auf diese Zielgruppe spezialisiert. Er weiß genau, bei welchem Betrieb er es mit welchem seiner Schützlinge versuchen kann. Die ersten 100 Flüchtlinge hat er bereits hinter sich. „Man kann nicht bei jedem Lebensläufe und Bewerbungszeugnisse erwarten“, sagt er.

Doch seine Bilanz nach 100 Vermittlungsversuchen ist ganz erstaunlich: 20 Flüchtlinge habe er in einen Job vermittelt, weitere 20 in eine Lehre und nochmal 15 in ein Langzeitpraktikum – also mehr als die Hälfte fest in einem Betrieb untergebracht. „Ich arbeite gern mit diesem Personenkreis“, erklärt Zilm. Sechs Monate müsse ein Geflüchteter schon meist begleitet werden.

Die Erwartungen dürften am Anfang nicht zu hoch angesetzt werden. Auch Asat Ghukasyan habe zunächst mit einer Woche Praktikum begonnen und dann verlängert. Der Armenier hat nach Schule und Armee schon im Kfz-Gewerbe und als Schweißer gearbeitet. Jetzt hofft er ab August an der Husumer Straße auf den Ausbildungsplatz.

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