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Flensburger Tageblatt

19. November 2017 | 19:05 Uhr

Ein Flachdach als Aufreger

vom

Architektin plant am Reutergang ein dreistöckiges Wohnhaus - ohne Satteldach keine Genehmigung

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Flensburg | Wenn es um Architektur geht, kennen einige Politiker keinen Spaß und keine Kompromisse mehr. Ohne ein richtiges Dach werde seine Fraktion diesem Bauvorhaben nicht zustimmen, machte Arne Rüstemeier, CDU, unmissverständlich klar. Auch Glenn Dierking (SSW) bezog Stellung: "Da muss ein Dach drauf!", forderte er. Und Ron Jeromin (WiF) teilte ebenfalls die Einwände des CDU-Vertreters.

Es geht um ein Haus am Reutergang, einer kleinen Gasse oberhalb des Nikolaikirchhofes. Hier plant die Architektin Kristin Latours ein dreistöckiges Wohnhaus in einer modernen Formensprache - mit Flachdach! Wenn man den Reutergang bis zur Reepschlägerbahn und dann rechts Richtung Stuhrsallee geht, kommt man in der Linkskurve zu einem weißen, nagelneuen Mehrfamilienhaus, das kurz vor der Fertigstellung steht. Es hat - ein Flachdach. Die beiden Häuser rechts und links der Baulücke haben ortstypische Satteldächer. Arne Rüstemeier schlägt eine Ortsbesichtigung vor und sieht die Altstadt-Satzung auf seiner Seite. Die sieht für die Altstadt zwingend Satteldächer vor und hat Ortsrecht-Charakter.

Planungschef Peter Schroeders hingegen wird vom Gestaltungsbeirat und den Denkmalschützern unterstützt. "Eiko Wenzel und ich wollen dieses Projekt weiter eng begleiten", versprach er im Umwelt- und Planungsausschuss. Latours Entwurf sei "mutige, moderne Architektur. Ich glaube, dass sie das beherrscht. Das Gebäude könnte eine echte Bereicherung für die Nachbarschaft werden."

Der Gestaltungsbeirat, ein gestrenges, fachkundiges Gremium externer Experten zu allen Fragen der Architektur, hat seinen Segen erteilt. Es wurden einige Punkte zur Überarbeitung empfohlen, die seien befolgt worden. Und mit dem Flachdach haben die Gestaltungsberater kein Problem.

CDU, SSW und WiF hingegen schon. Ohne Satteldach werde man das Vorhaben auch in vier Wochen ablehnen, kündigte Rüstemeier vorsorglich an. Liberal gab sich hingegen FDP-Mann Matthias Maul-Nielsen: "Architektur ist hauptsächlich eine Geschmackssache." Und Ausschussvorsitzender Axel Kohrt, SPD, berief sich auf den Gestaltungsbeirat und sah das Ganze zudem pragmatisch: "Das Dach sieht man nicht vom Reutergang und auch nicht vom Nikolaikirchhof aus. Das Dach sieht man höchstens vom Arbeitsplatz des Herrn Kienaß aus." Ratsherr Stephan Kienaß, SPD, arbeitet in der JVA, ein wenig oberhalb der Baulücke Reutergang 7.

Der Vertreter der Linken, Gerd Christophersen, verhinderte am Ende, dass schon jetzt endgültig über das Gemeindliche Einvernehmen abgestimmt wird; vermutlich hätte es kein Grünes Licht gegeben. So muss das Haus ohne richtiges Dach jetzt zunächst einmal der Öffentlichkeit vorgestellt werden, bevor es am 3. September erneut im Planungsausschuss zur Abstimmung steht. Vor der Entscheidung wird der Öffentlichkeit Gelegenheit gegeben, bis 29. August Anregungen und Einwände zu dem Vorhaben einzubringen. Informationen gibt es nur im Internet unter www.flensburg.de, unter Aktuelle Bauanfragen, oder direkt bei der Stadtplanung im Technischen Rathaus.

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