Kirchen-Jubiläum : Ein Festjahr im Zeichen der Ökumene

Segen beim Festhochamt am 28. September zum 150. Gemeindejubiläum der Katholischen Kirchengemeinde „Schmerzhafte Mutter“ durch Diözesanadministator Ansgar Thim.
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Segen beim Festhochamt am 28. September zum 150. Gemeindejubiläum der Katholischen Kirchengemeinde „Schmerzhafte Mutter“ durch Diözesanadministator Ansgar Thim.

150 Jahre katholische Kirchengemeinde St. Marien: Feierlichkeiten begleitet von der evangelischen, dänischen, jüdischen und polnischen Gemeinde

shz.de von
01. Dezember 2014, 10:00 Uhr

Vom Ökumenischen Wandelkonzert bis hin zum Festhochamt: Die katholische Gemeinde Flensburg blickt nicht nur auf eine wechselvolle Geschichte, sondern auch auf ein ereignisreiches Jahr zurück – und das war vorrangig durch Jubiläumsfeierlichkeiten geprägt. Die Pfarrgemeinde wurde in diesem Jahr stolze 150 Jahre alt.

Aus Anlass dieses Geburtstages wurde ein Flyer erstellt, der gespickt ist mit Fotos und Diagrammen und bis ins Jahr 1100 zurückreicht. Darin wird eindrucksvoll die gesamte Kirchengeschichte rund um Flensburg dokumentiert. Es finden sich darin die Gründung des Franziskanerklosters um 1240 genauso wie die dortige Vertreibung der Mönche 1528 oder die Gründung der katholischen Schule an der Marienstraße 1867 (Sie wurde 1938 von den Nationalsozialisten stillgelegt). Ein Jahr zuvor feierte man am 29. März Einweihung der ersten kleinen katholische Kapelle in Nachbarschaft der dänischen Mädchenschule am Nordergraben. Grundsteinlegung der neuen Kirche, die zum Jubiläum ein neues Dach erhielt, war im März 1899, der Neubau des St. Franziskus Hospitals an der Dorotheenstraße erfolgte im Jahr 1902.

Historische Grundlage des Jubiläums ist die Chronik der Pfarrgemeinde, deren erster Teil bis 1929 von Kaplan Josef Klecker zusammengestellt wurde, während die Zeit bis 1957 von Pfarrer Joseph Hellmann rekonstruiert wurde. Dem jetzigen stellvertretenden Kirchenvorsteher Bertram Frick und dem langjährigen Gemeindemitglied Klaus Emeis ist es zu verdanken, dass die handschriftlichen Originale übertragen und mit Bildern sowie Anmerkungen versehen wurden. Eine Fleißarbeit ohnegleichen. „Durch die Sütterlin-Schrift musste ich mich regelrecht durchkämpfen“, sagt der 77-jährige Frick, der extra dafür einen Kursus belegte. Aber die Mühen haben sich gelohnt. „Für viele ist erst dadurch der Verlauf der Gemeindegeschichte nachvollziehbar“, betont Pfarrer Stefan Krinke (53).

Erster Höhepunkt des Jubiläumsjahres, in dem auch das 50-jährige Kirchweihfest von St. Martin, Tarp, und St. Laurentius, Glücksburg, begangen wurde, war das Ökumenische Wandelkonzert im September, das in der dänischen Heiliggeistkirche begann und in der Kirche St. Marien „Schmerzhafte Mutter“ seinen Abschluss fand. „Die Wahl der dänischen Kirche geht auf die Tatsache zurück, dass in der ersten Zeit nach dem Krieg 1864 die eben erst gegründete katholische Gemeinde hier ihre Gottesdienste abhalten durfte“, erklärt Bertram Frick. Als sehr bewegend haben er und Stefan Krinke die zweisprachige Verlesung des Briefverkehrs zwischen dem an den Düppeler Schanzen kämpfenden dänischen Soldaten Niels Christian Larsen und dessen schwangerer Frau in Erinnerung.

Am 28. September schließlich wurde die Heilige Messe als Festhochamt begangen. Auch hier wurde dem ökumenischen Gedanken ein besonderer Stellenwert eingeräumt. Neben katholischen Geistlichen wie dem in Flensburg geborenen emeritierten Erzabt von Beuron Hieronymus Nietz und Diözesanadministrator Ansgar Thiem war unter anderem die evangelische Pröpstin Carmen Rahlf eingeladen. Als guter Nachbar kam der dänische Generalkonsul Henrik Becker-Christiansen. Als Vertreterin der jüdischen Gemeinde war Elena Sokolovsky anwesend; die polnische Gemeinde schließlich trat in Gestalt ihres Chores „Polcanto“ in Erscheinung, der den Gottesdienst zusammen mit dem Gemeindechor musikalisch ausgestaltete.

Ein ganz besonderes Erlebnis war für Kirchenvorstand Bertram Frick auch der Empfang in der Aula des städtischen Museums, bei dem er einen Rückblick auf die vergangenen 150 Jahre gab. Dabei würdigte er alle Geistlichen, die sich aufopfernd für die wachsende Gemeinde eingesetzt haben – sie zählt inzwischen mehr als 9000 Mitglieder.

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