Rum-Regatta : Ein Fest für Gaffler und Gaffer

Gaffler mit Kurs Flensburg: Bis Freitag sollen 120 Traditionsschiffe zur Rum-Regatta im Hafen festgemacht haben.
Gaffler mit Kurs Flensburg: Bis Freitag sollen 120 Traditionsschiffe zur Rum-Regatta im Hafen festgemacht haben.

Am Donnerstag startet die 36. Rum-Regatta. Der Museumshafen erwartet 120 Schiffe und Tausende von Besuchern.

shz.de von
13. Mai 2015, 11:30 Uhr

Flensburg | Am Freitag geht’s los: traditionell eröffnet die Rum-Regatta in Flensburg den Reigen der maritimen Flensburger Feste. Die jüngste Auflage des familiären Gaffelseglertreffens beginnt am Freitag mit der Zubringer-Wettfahrt der skandinavischen Teilnehmer in Sonderburg. Höhepunkt ist traditionell die eigentliche Rum-Regatta am Sonnabend, die während der drei Feiertage am Bohlwerk von einem großen maritimen Markt flankiert wird.

Als die Urväter dieses mittlerweile größten nordeuropäischen Gaffelsegler-Treffens 1980 die Traditionsveranstaltung aus der Taufe hoben, waren gerade 27 klassische Yachten und Gaffel-getakelte Arbeits- und Dienstschiffe dabei. Im Zuge der Renaissance alter Segelfahrzeuge hat sich deren Zahl seit 1980 kräftig vermehrt. Martin Schulz, Geschäftsführer des Museumshafens, rechnet erneut mit über 120 teilnehmenden Fahrzeugen – ohne die Eigner klassischer Segelyachten, die längst eigene Feste feiern.

Aber immer noch ist keines so groß, so konstant und so gut besucht wie die Flensburger Rum-Regatta. Schipper und Mannschaften freuen sich aufs jährliche Wiedersehen und natürlich auch auf die Wettfahrt am Sonnabend. Auf dem Weg zur Tonne 13 vor Glücksburg-Schausende ist gebremster Ehrgeiz traditionell das Gebot der Stunde. Nur, wer umsichtig fährt und Rasern und Rüpeln im Feld nachsichtig den Vortritt lässt, darf auf der hörenswerten Preisvergeudung samstags ab 18.30 Uhr auf einen angemessene Belohnung hoffen. Traditionell werden letztere mit Spott und Schmähpreisen (es herrscht Preisannahmepflicht) bedacht, während die zweiten Sieger veritable Rum-Gebinde in Empfang nehmen dürfen. Nicht ohne Grund heißt die Fahranleitung daher: „Lieber heil und Zweiter, als kaputt und breiter“.

Fürs Landvolk ist während der Feiertage der Gaffelmarkt erfunden worden. Hier gibt es Traditionshandwerk mit Knotenmacher, Sailer, Schmied, Buddelschiffbauer, Drechselworkshop, Musikinstrumentenbauer und Scherenschleifer und allerlei Bastelstationen für die Kleinen. Wie immer laufen Kapellen auf dem Markt tagsüber herum und machen handgemachte Musik mit reiner Sangeskraft: unverstärkt, ohne Lautsprechertürme, ohne Lightshow und ohne Helene Fischer. Rustikale Schlemmer- und Erfrischungsstände ergänzen den Gaffelmarkt, der bereits am Donnerstag um 10 eröffnet wird. Ruder- und Segelboote der historischen Lüttfischer-Fraktion tragen ebenfalls recht ehrgeizige Wettkämpfe (Fischerei-Dreikampf) am Freitag ab 12 Uhr im Innenhafen aus.

Gaffelsegler müssen nicht nur segeln, sie müssen auch singen und Instrumente bedienen können. Zu hören im Rahmen einer öffentlichen Probe des Je(der)Ka(nn)Mi(tmachen)-Orchesters am Sonnabend, 19.45 Uhr, im Gaffelzelt. Der große Auftritt des Orchesters leitet schließlich um 21 Uhr die Gaffelparty ein, die freilich nur den Regatta-Teilnehmern vorbehalten ist. Für die Besucher der maritimen Meile spielt dann die Gruppe „Tüdelband“.

Die RumRegatta ist auch Kunst. Der Künstler Harry Morrison hat im letzten Jahr auf verschiedenen Schiffen während der Regatten Skizzen gemacht und über den Winter davon Holzschnitte und Linolschnitte angefertigt. Die Ausstellung dazu findet ab Freitag, 15. Mai im Schifffahrtsmuseum statt – es wird auch live gedruckt und signierte Drucke können erworben werden. Wer mitsegeln will, kann sich über www.rumregatta.de anmelden, telefonisch unter 0461 18291801 im Büro des Historischen Hafens. Mitsegelpreis: 75 Euro pro Person.

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