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Flüchtlinge in Flensburger Schulen : Ein Erfolgsmodell baut Brücken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Deutsch als Zweitsprache: Individuell angepasster Unterricht ebnet Kindern von Zuwanderern aus aller Welt den Weg zur Bildung

Flensburg | Die Ferien sind zu Ende – und in allen Flensburger Schulen geht der Unterricht wieder los. Auch die Kinder von Zugewanderten, die in der Fördestadt leben oder hinzugezogen sind, haben ihre Taschen gepackt. Noch gehen sie nicht mit den Deutschen in dieselbe Klasse, sondern nehmen am DaZ-Unterricht (Deutsch als Zweitsprache) in einem der vier DaZ-Zentren in der Stadt teil. Sobald sie gut genug Deutsch können, werden sie in den Regelunterricht aufgenommen. Dann stehen bei ihnen Fächer wie Mathematik, Englisch, Sport, Kunst oder Musik auf dem Plan.

Die geflohenen Kinder und Jugendlichen sind seit ihrem ersten Tag in der neuen Heimat schulpflichtig. Deshalb werden sie nach ihrer Ankunft beim Schulamt gemeldet und danach an die DaZ–Zentren an der Comenius-Schule (Sekundarstufe I), dem Alten Gymnasium, der Grund- und Gemeinschaftsschule Fruerlund sowie der Grundschule Ramsharde vermittelt. Vor Ort erfolgt die Erstaufnahme der Neuankömmlinge. Die Kinder und Jugendlichen werden nach ihren Sprachkenntnissen in den Unterricht eingegliedert. Einige von ihnen haben bereits in ihrem Heimatland Deutsch gelernt, für den Großteil ist die Sprache aber komplett neu. Diese werden dann in den Basisunterricht eingestuft und fünf Stunden täglich betreut. „Wir versuchen, die Flüchtlinge schnell zu integrieren“, sagt Schulrat Hans Stäcker. Das Schulamt habe die Erfahrung gemacht, dass die Jugendlichen ein Jahr in den DaZ-Zentren bleiben und dann in den Regelunterricht gehen. Pauschalisieren könne man das Stäcker zufolge aber nicht. „Jeder braucht eine andere Unterstützung, der eine intensiv, der andere weniger intensiv“, erklärt der Schulrat.

Die jungen Leute haben zudem verschiedene Bildungshintergründe. Einige seien Stäcker zufolge noch nie zur Schule gegangen. Diese müssen dann zuerst das Alphabet lernen, um schreiben und lesen zu können. „Jedes Kind bekommt seinen individuellen Stundenplan und sein eigenes Lernmaterial“, sagt Kreisfachberaterin Susanne Yalim. Ziel des DaZ-Unterrichts ist, dass die Schüler ihr Sprachendiplom mit dem Kompetenzniveau B1 machen – was ihnen den selbstständigen Sprachgebrauch bescheinigt. Dies ist ein wichtiges Zertifikat auf dem Weg zu einem höheren Schulabschluss. „Die Schüler sollen früh am Bildungssystem teilhaben“, sagt Yalim.

Neben dem Regelunterricht haben die Schüler weiterhin DaZ-Unterricht. Durch die Teilintegration knüpfen sie Kontakte zu gleichaltrigen Kindern, lernen von ihnen die deutsche Sprache und nehmen an der Klassengemeinschaft teil.

Ob ein Kind auf ein Gymnasium gehen kann, wird bei der Erstaufnahme in den DaZ-Zentren abgewogen. Christoph Kindl, Schulleiter des Alten Gyms, erklärt, dass die Leistungen der Schüler in ihren Heimatländern betrachtet werden, bevor die Entscheidung für eine Schulform fällt. „Ein Mädchen war in Syrien zum Beispiel in der 8. Klasse und wird hier in die 7. Klasse eingestuft“, sagt er. Im DaZ-Zentrum an seiner Schule arbeiten insgesamt vier Lehrkräfte, zwei Teilzeitkräfte von der Comenius-Schule und zwei Fachlehrer vom Alten Gym. Sie betreuen Schüler aus aller Welt. 18 Schüler sind am Alten Gym bereits zum Teil oder komplett integriert. Sie kommen aus Polen, der Ukraine, dem Iran, Spanien, Grenada, den USA, Uganda, Afghanistan, Lettland, Litauen, Bulgarien und Syrien. „Für 15- bis 17-jährige Schüler ist die Integration nicht so leicht wie für die jüngeren, weil sie Goethe oder Shakespeare lesen müssen“, erzählt Kindl.

Steigt die Zahl der jungen Geflohenen, die in Flensburg zur Schule gehen müssen, werden mehr Lehrkräfte in den DaZ-Zentren benötigt. Zwei Stellen sind bereits für das neue Schuljahr geschaffen worden, insgesamt arbeiten 13 Lehrkräfte in den vier DaZ-Zentren. Wenn die Erstaufnahme-Einrichtung in Eggebek fertig ist, unterrichten Flensburger DaZ-Lehrer die Schüler, erklärt Yalim.

Kindl sieht die neuen Schüler als eine Bereicherung. „Wir sehen es als Chance, tolerant zu sein und von den verschiedenen Kulturen zu profitieren.“ Zum Erfolgsmodell DaZ sagt er: „Man hat das Gefühl, dass man den Flüchtlingen eine Brücke baut.“ Schülerzahlen im Überblick S. 10

 

 

 


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erstellt am 31.Aug.2015 | 05:45 Uhr

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