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Flensburger Hofkultur : Ein echter Klassiker: Spaceman Spiff begeistert mit Poesie

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2015 | 12:30 Uhr

Wenn der Protagonist eines Konzertes 29 Jahre jung ist und seine Texte ihre Kraft aus einer zunächst (noch) unverstellten, gleichwohl kritischen Sicht der Weltläufe ziehen, sprechen diese naturgemäß ein jugendliches Publikum an. Das war auf dem jüngsten Event der Hofkultur in erfreulichem Maße der Fall. Aber auch erwachsene Besucher bis hin zu Best Agern waren zum Konzert in den kühlen Käte-Lassen-Hof gekommen, sicher um Kultur pur zu genießen. Vielleicht aber auch, weil sie sich von den Themen in der erfrischenden Federkraft von Spaceman Spiff angesprochen fühlen – wie war das nochmal mit dem „Fänger im Roggen“?

Hinter dem Künstlernamen verbirgt sich der Würzburger Hannes Wittmer (Jahrgang 1986), der sich seit etwa zehn Jahren als Singer/Songwriter einen Namen macht. Begleitet wurde er von der Cellistin Clara Jochum, die in seiner kleinen Band, mit der er sonst tourt, mit Bravour ein Praxissemester absolviert hat. Beide Künstler beherrschen virtuos ihre Instrumente (Spaceman Spiff die akustische Gitarre mit zugeklebtem Schallloch), harmonieren perfekt im Zusammenspiel und ergänzen sich auch gesangsmäßig.

Und die Texte? Sie brillieren mit fabelhafter Poesie, zum Beispiel in der dritten Zugabe „Nach Hause“: In ihm hinterfragt Spaceman Spiff seine Orientierung in der Welt, in der er „nur die Kunst und die Angst im Gepäck“ hat. Sein Appell: „Was braucht es mehr als Mut und Herz und Verstand und ’ner Gitarre in der Hand!“ Im Weiteren mag sich auch manch Besucher wiedergefunden haben in dem Refrain „Bring mich nach Hause bis zum Anfang der Welt, jeder bekommt den Rock n’Roll, den er verdient, jeder kriegt das, was er bestellt.“ Solch gekonnt geschmiedete Verse bekamen die gut 120 Besucher auch in den anderen 20 Songs zu hören, zum Beispiel in dem lyrischen „Egal“: „Vernunft kann so kalt sein, die Wahl zwischen Kant und Peter Pan, ich lass’ die beiden allein und sag’ wir verschwinden in Musik, wir verstecken uns dort, wo die Zukunft uns nicht findet…“. Besingt Spaceman Spiff damit die echte Welt? Oder die leider begründete Skepsis gegenüber etablierter Systeme aus adoleszenter Sicht?

Verwöhnt wurden die Zuhörerohren mit ausgezeichneter Musikalität, mal leise-sentimental, mal in schriller akustischer Heftigkeit, immer aber mit mitnehmender Präsenz. Dazu trug auch der entspannt-humorvolle Plauderton des Sängers bei, der für viel Heiterkeit sorgte. Alles sehr professionell, insbesondere wenn man bedenkt, dass die beiden an diesem Tag bereits einen Auftritt auf dem Skandalös-Festival im nordfriesischen Neukirchen absolviert hatten. Für die Hofkultur war es ein echter Klassiker: Intensive Atmosphäre und hautnaher Musikkontakt in einem Flensburger Hof.

Positiv angetan waren auch Lotta, Tini und Alena, 16 bis 17 Jahre alte Schülerinnen aus Flensburg, die gerne gemeinsam Konzerte besuchen. „Wir finden es schade, dass nicht mehr in unserem Alter hier sind. Stehen statt Sitzen und ein mitsingendes Publikum würden die Stimmung noch erhöhen“, sagten die Teenies, die die Musik auf jeden Fall als sehr angenehm aufnahmen. Spaceman Spiff/Hannes Wittmer war erstmals in Flensburg – es wäre schön, den „poeta per musica“ bald wieder an der Förde erleben zu dürfen.

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