Grenzenlose Ausbildung : Ein dänischer Erzieher wird in Flensburg Einzelhandelskaufmann

Ganz neue Perspektive: Azubi Palle Elkrog (v.l.), Geschäftsführer Frank Imlau, Ministerin Sabine Sütterlin-Waack, Regionsvorsitzende Stephanie Lose, IHK-Präsident Uwe Möser.
Ganz neue Perspektive: Azubi Palle Elkrog (v.l.), Geschäftsführer Frank Imlau, Ministerin Sabine Sütterlin-Waack, Regionsvorsitzende Stephanie Lose, IHK-Präsident Uwe Möser.

Nördlich der Grenze fehlen die Lehrstellen, und südlich davon suchen die Ausbildungsbetriebe vielfach verzweifelt Azubis.

shz.de von
05. Januar 2018, 06:44 Uhr

Palle Elkrogs Ausbildung als Einzelhandelskaufmann begann mit leichter Verspätung. Damit passt der 40-jährige Däne eigentlich perfekt in das Projekt einer grenzüberschreitenden Berufsausbildung, das die Industrie- und Handelskammer mit ihren Partnerorganisationen nördlich der Grenze seit mehr als einem Jahrzehnt vorbereitet hat.

Palle Elkrogs Ausbildung in Frank Imlaus Spielzeugladen im Citti-Park startete im vergangenen Mai. Folglich begab sich der 40-jährige ausgebildete Erzieher am 1. Mai zum Ausbildungsantritt in den Citti-Park – und wunderte sich, dass an diesem Tag in Deutschland nicht gearbeitet wird. Nach einem Jahr Vorbereitung in Dänemark ist Elkrog nun seit acht Monaten Azubi in Flensburg, wo er auch wohnt.

Damit ist er einer von 30 dänischen Auszubildenden im Projekt mit den Branchen Einzelhandel, Gastronomie, IT–Anwendung, Logistik und Elektrotechnik. Das Projekt gilt mittlerweile als echtes deutsch-dänisches Win-Win-Vorhaben: Nördlich der Grenze fehlen die Lehrstellen, und südlich davon suchen die Ausbildungsbetriebe vielfach verzweifelt Azubis.

Schleswig-Holsteins Europaministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU), die das Projekt gestern zusammen mit der süddänischen Regionsvorsitzenden Stephanie Lose (Venstre) vorstellte, wies auf eine reizvolle Besonderheit hin, die den Auszubildenden Wege in beide Arbeitsmärkte ermöglicht: „Man bekommt den deutschen und den dänischen Abschluss und kann damit sowohl in Deutschland als auch in Dänemark arbeiten.“ Das sei viel besser, als Abschlüsse aufwendig gegenseitig anzuerkennen.

„Starforce“ heißt das grenzenlose Ausbildungsprojekt, das mit EU-Mitteln gefördert wird: „Es war gar nicht so einfach hinzubekommen, dass sie nicht immer zu deutschen Berufsschulen müssen“, verrät die Ministerin. Gerade im Einzelhandel seien viele Arbeitgeber wie Frank Imlau froh, einen Mitarbeiter zu haben, der perfekt Dänisch spricht: „Die Chefs sind ganz begeistert.“ Die Nachfrage nach den Auszubildenden aus dem Nachbarland sei groß.

Im Flensburger Citti-Park gilt das allemal: Bis zu 40 Prozent der Kunden der Shopping-Mall am Langberger Weg kommen heute schon aus Dänemark.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen