Glücksburg : Ein Däne hält durch

Ausgebremst: Mogens Riis will die frühere Landfrauenschule trotz amtlich verordneter Nachbesserung weiterhin modernisieren und vermieten.
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Ausgebremst: Mogens Riis will die frühere Landfrauenschule trotz amtlich verordneter Nachbesserung weiterhin modernisieren und vermieten.

Mogens Riis arbeitet unverdrossen an den Brand- und Lärmschutzauflagen des Landhauses Glücksburg.

shz.de von
24. Januar 2015, 16:01 Uhr

Flensburg | Es wäre nicht das erste Hotel in Glücksburg, das an Brandschutzauflagen scheitert. Das „Landhaus Glücksburg“ an der Holnisstraße 20 musste in diesem Herbst nach nur eineinhalb Jahren Betrieb wieder schließen. Der Grund: Die Brand- und Lärmschutzvorkehrungen sind nicht ausreichend. Zur Erinnerung: Teure Brandschutzauflagen hatten neben Altschulden 2010 auch dem Intermar-Hotel mit 110 Zimmern den Todesstoß versetzt.

Der Eigentümer des Landhauses, der früheren Landfrauenschule und des ehemaligen Jugendaufbauwerk-Heims, Mogens Riis, ist nicht schlechter Dinge. Dafür ist er nicht der Typ. Freundlich lächelnd sitzt er in seiner geschmackvoll eingerichteten Wohnung in einem Nebengebäude des Landhauses und erklärt, warum auf dem Schild vorne an der Straße seit September ein Zettel in Klarsichtfolie klebt, auf dem „geschlossen“ steht.

Zwei Sommer lief alles gut. Es gab eine Ferienwohnung für acht bis 13 Personen sowie neun Zimmer im Haupthaus. Hochzeits- und Familienfeiern haben schon stattgefunden. Doch offensichtlich waren die Baumaßnahmen, die Mogens Riis ergriffen hat, nicht immer mit dem Bauamt abgesprochen. Wer sich ein wenig umhört, erfährt, dass Riis selbst viel Hand anlegt an seiner Immobilie. Riis ist gelernter Handwerker. Nun braucht der Inhaber einer Firma für Maschinen von Druckvorlagen Genehmigungen von offizieller Stelle für seine baulichen Veränderungen – und auch für noch zu errichtende Schutzvorkehrungen gegen Feuer und Lärm. Den Stein ins Rollen hat laut Riis eine Beschwerde aus der Nachbarschaft wegen Ruhestörung gebracht. Nach einem Ortstermin habe dann der zuständige Mitarbeiter vom Bauamt die vorläufige Schließung angeordnet. Verständlich aus Riis’ Sicht: „Wenn etwas passiert, haftet das Bauamt mit.“

Nun plant der Däne schon seit einigen Wochen, wie es weitergehen kann. Zumindest von der großen Anfangsidee, einem Hotel mit 30 Zimmern, hat er sich verabschiedet – vier Millionen Euro bräuchte man dafür, zu teuer für ihn und seine Lebensgefährtin Jette Petersen. Ein Partner war im letzten Moment vor dem Kauf im Jahr 2009 abgesprungen.

Eine Lärmschutzwand in voller Länge des etwa 60 Meter langen Grundstückes würde 100  000 Euro kosten, rechnet Riis vor, eine Brandschutzanlage mit direkter Verbindung zur Feuerwehr, wie sie üblich sei, noch einmal 50  000 Euro. Riis hat zwei Architekten um Kostenvoranschläge gebeten und steht nach eigenen Angaben kurz vor der Auftragsvergabe. Die Alternative zum großen Luxus-Hotel sieht er in einem kleineren Betrieb. Erst ab 13 Personen hätte er einen sogenannten Beherbergungsbetrieb. „Ab dieser Größe werden die Auflagen strenger“, erklärt Erko Müller, Nachbar und Freund von Riis.

Die Frage, ob er den Kauf der Immobilie schon bereut habe, verneint Riis. „Wir haben einen fairen Preis gezahlt.“ Es sei zwar viel Arbeit mit dem Haus verbunden – Partnerin Jette Petersen hat sogar ihren Job in Dänemark als Krankenschwester aufgegeben, aber – „es ist doch das beste, was du machen kannst: viel vorzuhaben“, sagt der Däne Mogens Riis und lächelt wieder freundlich. „Guck mal“, sagt er beim Hinausgehen: „Ich habe schon 58 neue Fenster eingebaut.“ Dann fügt er lachend hinzu: „Und 100 müssen noch erneuert werden.“

Und wann wird er sein Hotel wieder öffnen können? „Ich möchte gerne zum Sommer 2015 wieder vermieten.“ Vorausgesetzt eine Einigung mit dem Bauamt ist dann erfolgt. Ein Lösungsvorschlag soll der Behörde demnächst vorgelegt werden.

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