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Diakonissen-Krankenhaus : Ein Buchhandel mit Seelsorge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Laden der Diako verkaufen 22 ehrenamtliche Helferinnen christliche Literatur und Geschenkartikel – und haben Zeit für Gespräche.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2014 | 16:00 Uhr

Die Oblatenbäckerei und die Weberei für Altardecken sind schon lange verschwunden. Doch die Buchhandlung im Diakonissen-Krankenhaus in Flensburg besteht wacker weiter. Seit 119 Jahren wird von dort aus christliches Gedankengut verteilt. War es zu Beginn noch der Christliche Schriftenvertrieb der Diakonissenanstalt Flensburg, der Schwestern, Patienten und Pastoren mit der nötigen Literatur versorgte, entwickelte sich die Einrichtung im Laufe der Jahrzehnte zu dem heutigen Geschäft.

„Wir sind eine professionelle Buchhandlung“, betont Elke Rüppel, die vor neun Jahren die Leitung übernommen hat, aber eben mit christlicher Ausrichtung und dem Krankenhaus-Bedarf entsprechend ausgelegt. Geschenkartikel füllen einige der Regale. In anderen werben farbenfrohe Kinderbibeln für sich. Über das Kartensortiment sind alle ein wenig stolz. „Wir haben schon besondere Grußkarten, die es in der Stadt nicht so ohne weiteres gibt“, erklärt Sibylle Seebach-Gutsche.

Die beiden Frauen sind der Motor des Ladens. 22 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen gehören derzeit dem Team an. Im Durchschnitt übernimmt jede einen halben Tag. Damit ist die grundsätzlich doppelte Besetzung zwar gewährleistet, doch freuen sich die Frauen nach wie vor über neue Team-Mitglieder. Rüppel oder Seebach-Gutsche selbst sehen an jedem Geschäftstag nach dem Rechten.

Vom Fach sind die Frauen nicht. Doch der Diako zugehörig fühlen sich beide. Als Krankenschwester leitete Seebach-Gutsche seit 1995 die neurochirurgische Station. Mit Rentenbeginn vor zwei Jahren entschied sie sich, ehrenamtlich in die Buchhandlung zu wechseln. Rüppel bringt als Betriebswirtin und frühere Unternehmensberaterin beste Voraussetzungen für Ein- und Verkauf und die Jahresabrechnung mit. „Wir arbeiten immer noch kostendeckend“, sagt sie und spricht von 60 000 Euro Jahresumsatz. 60 Prozent davon machten sie durch den Verkauf von Büchern, Hörbüchern, CDs und Fachbüchern. 40 Prozent fielen auf Geschenkartikel und Karten.

Wenn am Ende Geld übrig bleibt – 2012 waren es 51 Euro, es können aber schon mal tausend Euro sein, bestätigt der kaufmännische Direktor Karl-Heinz Vorwig – fließt das in Projekte der Diako-Gemeinschaft. Solche Vorhaben sind etwa sogenannte stille Räume im Eingangsbereich des Hauses und der Frauenklinik. In der Kinderklinik ist ein Raum entstanden, in dem Eltern von ihrem sterbenden Kind Abschied nehmen können. Der Verkauf von Wohlfahrtsmarken hilft anderen Projekten, wie dem bereits geschehenen Kauf eines Inkubators.

Noch kann sich das Geschäft halten. „Weil die Personalkosten wegfallen, gibt es uns überhaupt noch“, sagt Rüppel nüchtern. „Würden wir Minus machen, wäre das wohl bestandsgefährdend.“ Bereits vor zehn Jahren stand das Geschäft auf der Kippe. Die damalige Oberin Sigrid Petersen setzte sich für den Erhalt ein. Und seitdem arbeiten nur noch ehrenamtliche Mitarbeiter dort. Denen liegt dennoch nicht nur der Verkauf am Herzen. „Für den Kunden hat man hier Zeit“, sagt Seebach-Gutsche. Es sei ebenso ein seelsorgerischer Aspekt dabei, denn viele empfänden die Buchhandlung als einen geschützten Raum. „Das ist mir wichtig, das im Haus zu erhalten.“

Geöffnet von 9-17 Uhr, Mittwoch und Freitag bis 13.30 Uhr, Sonnabend u. Sonntag geschlossen.

 

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