zur Navigation springen

Tag des offenen Denkmals : Ein Blick auf Flensburgs alte Schätze

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Denkmale, Historische Gebäude, Gärten und Parks lockten Tausende von Besuchern an. Logenhaus öffnete Besuchern seinen Tempel.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2013 | 07:00 Uhr

Flensburg | „Selig sind die Toten, die in dem Herrn starben. Sie ruhen von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen nach.“ Die Inschrift unter der Kuppel der Bundsen-Kapelle gilt auch und insbesondere für deren Erbauer. Axel Bundsen (1768-1832) vollendete den Alten Friedhof, an dessen nördlichen Ende das klassizistische Bauwerk steht, vor genau 200 Jahren. Eine von 16 historischen Stätten, die zum „Tag des offenen Denkmals“ ihre Pforten öffneten.

Für die Bundsen-Kapelle trifft dies buchstäblich und im doppelten Sinne zu. Die Öffnung der beiden Flügeltüren gab den Blick frei auf den ersten städtischen Friedhof in Schleswig-Holstein, ein symbolisches Durchgangstor vom Diesseits ins Jenseits. In den ersten beiden Stunden konnte Florentine Spill vom Förderkreis Christiansenpark gleich 120 Besucher begrüßen. „Sie kommen und lassen es auf sich wirken.“ Doch nicht jeder wurde dabei von der religiösen oder emotionalen Komponente gefangen genommen. Wie etwa Nils, ein Flensburger Schüler, der die Bilder der Restaurationsphase genau inspizierte. „Mich interessiert eher die technische Seite.“ Und Werner Traulsen aus Harrislee wusste von der besonderen Akustik des Raumes, die bei einem Konzert am nächsten Sonntag wieder zur Geltung kommen wird.

Tausende pilgerten gestern gen Museumsberg und Marineschule (dorthin pendelte fleißig und lautstark Salondampfer „Alexandra“), nach St. Nikolai und zur Bergmühle. Einen wahren Ansturm erlebte das 1868-69 errichtete Wohn- und Geschäftshaus Große Straße 77, dessen Obergeschoss derzeit aufwändig saniert wird. Es mussten zusätzliche Führungen in deutscher (Eiko Wenzel) und dänischer (Henrik Gram) Sprache anberaumt werden, um dem Informationsbedürfnis der Besucherscharen gerecht zu werden. Wer zu spät kam – und das waren einige – stand schon am frühen Nachmittag vor verschlossener Tür.

Ein Klassiker unter den Denkmälern ist die Spiegelgrotte in der Gartenanlage südlich des Sauermann-Hauses – seitdem sie 2008-09 restauriert wurde. Für 110 000 Euro, wie Hans-Friedrich Kroll den Gästen in dem unterirdischen, achteckige Kabinett erläuterte. Der ehemalige Stadtplaner führte eloquent in die Historie und war um keine Antwort verlegen. Für Besucher Peter Thomas besonders wichtig. „Da unten gibt es nicht so viel zu sehen, erst der Hintergrund macht es spannend“, fand er. Und Johannes Falk konstatierte, dass das Geld für die Sanierung gut angelegt sei. Dagegen sei ihm der Investionsbedarf im Logenhaus, aus dem er soeben gekommen war, sehr deutlich geworden.

„Erleuchtung kommt von oben“, sagte Kroll mit Blick auf das Oberlicht in der Kuppel und schilderte, wie einst der Flensburger Kaufmann Andreas Christiansen jun., der die Grotte eingerichtet hatte, dortselbst in unendlicher Spiegelung über den Sinn des Lebens, über Raum und Zeit meditierte. „Er fand Inspiration und Anregung.“ Ehemals gab es sieben Spiegel in spitzbogigen Nischen, heute nur noch fünf. Kroll wies auf die besondere Bedeutung von Spiegeln bei den Freimaurern hin, zu denen auch Christiansen zählte. So verwies er auf einen ovalen Teich hinter dem Eiszeit-Haus. „Durch die Spiegelung sieht man in den Himmel. Es ist das Auge Gottes.“

 

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen