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Flensburger Tageblatt

18. August 2017 | 09:27 Uhr

Alarm : Ein Beruf funkt SOS: Pflege in Not

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mehr Geld, mehr Souveränität, mehr Personal – DRK geht zum weltweiten Tag der Pflege mit einem Wunschzettel an die Öffentlichkeit

Der amtliche Tag der Pflege gestern dürfte für die meisten Pflegekräfte ein Tag wie alle anderen gewesen sein. Einer mit den üblichen Begleiterscheinungen. Überstunden, Extraschichten, Arbeitsverdichtung, ausufernder Bürokratie, Burnout-Symptomen, schlechter Bezahlung – alles, was einen Beruf unattraktiv macht, hatte auch gestern keine Pause. Im DRK-Pflegeheim an der Schleswiger Straße sind sich alle einig. Man muss Optimist sein, um nach 50 Jahren Pflegenotstand etwas verändern zu wollen – aber damit traten Belegschaft, Geschäftsführung und der Kreisverband des DRK in einem Pressegespräch gestern an.

25 Prozent mehr Personal, Übertragung von mehr Kompetenzen an die Fachkräfte, leistungsgerechtere Bezahlung, Reha-Maßnahmen für die Pfleger und endlich eine zeitgemäße Berufsbezeichnung – das sind die fünf Punkte eines Wunschzettels, den Flensburgs DRK-Kreisvorstandsvorsitzender Rudolf März, DRK-Geschäftsführer Jürgen Rix, Ines Preiß, Birgit Schmiddem-Eiche und Margret Wiemann aus dem Pflegeteam gestern in einem Pressegespräch präsentierten. Nur so lasse sich verhindern, dass ein verantwortungs- und anspruchsvoller Beruf zu Unrecht immer weiter abgewertet werde. Dass die Berufe in der Gerontologie als unattraktiv empfunden werden, sei größtenteils den Arbeitsbedingungen geschuldet, die – wie auch im klinischen Bereich – zu enorm hohen Krankheitsständen führten.

„Der Betrieb muss nach einem 15 Jahre alten Personalschlüssel unter hohen Qualitätsstandards 24 Stunden, sieben Tage die Woche rund weiterlaufen. Wenn drei, vier Kollegen zu Hause bleiben, können wir unseren Bewohnern kaum sagen: Ihr bleibt heute alle mal im Bett“, sagt Birgit Schmiddem-Eiche. Das 50-köpfige Team um die Pflegedienstleiterin muss im Durchschnitt den krankheitsbedingten Ausfall von 25 Prozent des Pflegepersonals verkraften. „Das ist doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller anderen Berufe“, sagt März.

Die Folgen: Verdichtung, permanente Überforderung, Verlust planbarer Freizeit, nicht abgefeierte Überstunden ohne Ende. Das erzeugt nicht nur (krank machenden) Stress, sondern vielfach auch Frustration. „Als Helferin für 1500, als Fachkraft für 2000 brutto. Das erfordert Idealismus. Im Schnitt beträgt die Verweildauer in Pflegeberufen nicht ohne Grund gerade mal 7,5 Jahre. Die Karrieren der drei Frauen am Tisch vermitteln andere Botschaften. Schmiddem-Eiche und und Wiemann sind je 20 Jahre in diesem Job, Preiß hat sich mit 37 Jahren bewusst für die Altenpflege entschieden. „Der Beruf ist nicht für jeden geeignet“, räumt sie ein. „Ich habe ihn aber aus Leidenschaft fürs Helfen gewählt. Man muss es aber schaffen, Beruf und Privates zu trennen. Sonst wird es schwierig.“ März und Rix wollen nicht aufhören, Lobbyisten für die Aufwertung eines gesellschaftlich wichtigen, anspruchsvollen Berufes zu werben. Ein Protestschild mit drei Worten auf einer Demonstration hat ihm zu denken gegeben – und sollte es jedem anderen auch, findet März. „Wir sehen uns“, stand da geschrieben.

 

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erstellt am 13.Mai.2014 | 07:30 Uhr

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