Stadtplanung : Ein Bahnhofsviertel für Flensburg

Zentrum des neuen Viertels: Der marode Mühlendamm und das betagte Hallenbad werden mit Sicherheit im Visier der Stadtplaner stehen. Foto: Dewanger
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Zentrum des neuen Viertels: Der marode Mühlendamm und das betagte Hallenbad werden mit Sicherheit im Visier der Stadtplaner stehen. Foto: Dewanger

Flensburg hat große Pläne für den Bereich zwischen Bahnhof und Innenstadt - und liefert dabei keine Standortgarantien für Kulturzentrum und Sportplatz.

shz.de von
18. August 2012, 11:42 Uhr

Flensburg | Bahnhofsviertel haben in Großstädten nicht immer den besten Ruf: Spelunken, Prostitution, Drogen, Müll und Lärm prägen sie häufig. In Flensburg hingegen dominiert in der südlichen Innenstadt zwischen altem Arbeitsamt und Sandberg eine diffuse Langeweile, ein ungeordnetes Gemisch aus Grünflächen, Wohnen, Schlaglochpisten, Gewerbe und ehemaligen Bahnanlagen. Das haben die Stadtplaner längst erkannt und wollen diesen Teil der Stadt gründlich umbauen und erneuern. In Kürze wird er voraussichtlich zum Sanierungsgebiet ernannt; dann gelten hier besondere Regeln und es können Fördermittel in Anspruch genommen werden.
Noch ist nichts in Planung geschweige denn beschlossen. Die Flensburger Gesellschaft für Stadterneuerung (FGS) hat auftragsgemäß vorbereitende Untersuchungen durchgeführt, die am kommenden Dienstag im Planungsausschuss öffentlich vorgestellt werden. Die Federführung liegt beim Fachbereich Entwicklung und Innovation. Die Stadt, die in den kommenden Jahren mit einem deutlichen Zulauf an Einwohnern rechnen muss, sieht in dem Projektgebiet "Entwicklungspotenzial für Wohnungsbau".
Hotel statt Hallenbad?
Aber wo? Der Carlisle-Park ist sicherlich tabu, das Unternehmen Pumpen Horn auch. Das Hallenbad scheint dem Abbruch geweiht; hier könnte ein Hotel entstehen, aber auch eine Wohnnutzung ist nicht ausgeschlossen.
Sicherlich wird sich die Stadt Gedanken machen über die Gemengelage an der Bahnhofstraße zwischen Helenenallee und Munketoft. "Diesen Bereich möchten wir städtebaulich aufwerten", sagt Chefplaner Peter Schroeders auf Anfrage. Ein großer Einkaufsmarkt hatte ein Auge auf dieses Areal geworfen, doch das Einzelhandelskonzept schließt großflächigen Einzelhandel hier aus. Aber vielleicht wäre das Grundstück etwas für Geschosswohnungsbau; nicht weit entfernt plant der Arbeiter-Bauverein am Sandberg und an der Kanzleistraße neue Wohnkomplexe. Der SBV hat hier einen Komplex erworben und möchte studentisches Wohnen realisieren. Die Nähe zum Campus und zur Innenstadt macht diesen Teil der Stadt interessant für Neubürger, aber auch für Investoren.
"Nichts mit der Brechstange"
Am Ostrand des Projektgebiets plant eine Gruppe von Bürgern das Wohnprojekt "Freiland", das nicht richtig in Fahrt kommt: "Wir fördern das, wir wollen dieser Gruppe helfen", bekräftigt Schroeders. Nicht weit entfernt, rund um die Kulturwerkstatt Kühlhaus, sieht Schroeders ebenfalls Potenzial für Wohnungsbau. "Das Kühlhaus ist eine wichtige kulturelle Einrichtung", stellt er klar. Sie müsse erhalten bleiben. Er stellt jedoch in Frage, ob das Gebäude auf Dauer zu halten ist. Auch über den Sportplatz des VfB Nordmark müsse man reden, so Schroeders. "Ich könnte mir da auch eine andere Nutzung vorstellen." Man werde aber "nichts mit der Brechstange" machen. "Darüber reden wir auch mit dem Verein."
Das so genannte Güterbahnhofstal, der schmale, lang gestreckte Grünbereich zwischen Bahngleisen und Sandberg, soll grün bleiben. Der eigentliche Güterbahnhof ist seit wenigen Jahren in Privatbesitz und mit großem Aufwand saniert und umgenutzt worden. "Das sehen wir sehr positiv", so Schroeders. Ein zentrales Ziel des Stadtteilumbaus ist die städtebauliche Heranführung des Bahnhofs an die Innenstadt. Der Bahnhof liegt nicht nur gefühlt, sondern auch tatsächlich weit weg von der City. Während man an den Tatsachen nichts ändern kann, könnte die gefühlte Distanz durch bauliche Maßnahmen wie bessere Wegeführung, Beleuchtung, Straßen und Sichtverbindungen reduziert werden. Eine wichtige Funktion kommt dabei einem aufgewerteten, umgestalteten Carlisle-Park zu.
Das Ganze geht nicht ohne Hilfe des Landes. "Wir führen derzeit sehr vielversprechende Gespräche", sagt Schroeders voller Zuversicht.

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