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City-Wanderung : Ein Bach weist den Weg zum Hafen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue Serie „Auf verschlungenen Pfaden in die Innenstadt“: Wie man von Tarup abseits des großen Verkehrs zum Fördeufer wandern kann.

Viele Straßen führen in die Flensburger Innenstadt. Doch welche Wege wählen Spaziergänger und Radfahrer, wenn sie dorthin gelangen wollen? Mitglieder unserer Redaktion haben sich auf die Suche gemacht und einige Verbindungen ausprobiert. Auf die Idee brachte sie unser Leser Boje Maaßen. Ihn begleiten wir heute auf seinem Weg von Tarup bis zum Nordermarkt in der Innenstadt.

Das Regenrückhaltebecken ist das Reich einer weiß gefiederten Ente. Der Taruper Wasservogel schnattert am Tümpelrand frei heraus und trocknet sein Gefieder. Boje Maßen sieht das Tier regelmäßig, beginnt dort am Weidenbogen doch sein Fußmarsch in die Innenstadt. Der frühere Universitätsdozent biegt rechts auf einen Sandweg ein. Zwischen Sportplatz Adelby und Wohnsiedlung hindurchgehend erreicht der überzeugte Fußgänger und Radfahrer die Taruper Hauptstraße. Sein Blick fällt auf die gegenüberliegende Baumschule mit dem linkerhand angrenzenden Adelbyer Friedhof – das Ziel der nächsten Schritte.

Der Wandersmann muss ein Stück links den Radweg entlang gehen, bevor er die Taruper Hauptstraße überqueren und in den Sandweg rechts neben dem Friedhof einbiegen kann. Es ist die Zufahrt zum Pastorat, die auch den Zutritt zum Friedhof ermöglicht. Zwischen weiß gekalktem Mauerwerk hindurch geschritten fällt ein mächtiger Schatten auf den Besucher. Eine betagte Eibe streckt ihr Blätterkleid aus. „Ein beeindruckender Baum“, entschlüpft es Maaßen. Wie alt der sei, will er von einem Gärtner wissen. „Bestimmt 250 Jahre“, schätzt Simon Andresen, der nahe einer Hecke harkt.

Die gemütliche, weiß getünchte Kirche St. Johannis zu Adelby lässt Maaßen an diesem Tag links liegen. Durch ein weiteres Tor verlässt der Stadtläufer die geistliche Städte, quert den Parkplatz und die vorbeiführende Richard-Wagner-Straße. Flotten Schrittes betritt er ein Grüngelände, das Fußgängern und Radfahrern vorbehalten bleibt. Der gut angelegte Weg teilt sich. Geradeaus führt er nach Adelbylund, rechts herum unterbrechen junge Bäume das grüne Bodeneinerlei. Maaßen wählt den rechten Weg.

Verhaltenes Glucksen ist zu hören. Aus dunklem Rohr strömt ein Wasserlauf ins Freie und schlängelt sich als Lautrupsbach nun hinab bis zur Flensburger Förde. Bis der Wandersmann sie erreichen wird, muss er etliche Schritte tun. Noch herrscht die grüne Freifläche vor, die in einen Wall übergeht, der nicht zu überblicken ist. Ist es ein Deich, könnte ein Ortsfremder naiv fragen. Zumal die horizontale Linie von einem hölzernen Ensemble aus Tisch und zwei Bänken unterbrochen wird. Ah, ein Picknick-Plätzchen, wie nett, wird der Rad-Urlauber denken und hinauf dem Pausenort zustreben. Doch selten trügt ein Picknick-Platz in einem solchen Maß. Weder ein schmeichelnder Stadtblick, noch ein betörendes Panorama, geschweige denn ein strahlendes Gewässer versetzen den Neugierigen in Erstaunen. Es ist die vierspurige Osttangente, die den Autofahrern ein zügiges Fortkommen ermöglicht. Der Wall soll den Lärm der Motoren für die Nachbarschaft drosseln. Was den Rastsuchenden enttäuschen mag, ist ein Ausdruck städteplanerischen Könnens. Denn das Grüngelände ließe die Tangente fast vergessen machen, wenn nicht die Motoren röhrten.

Lautrupsbach und Ausgleichsbecken fesseln den Blick des Vorbeigehenden, während er unter der Osttangente hindurch an trist-grauen Betonpfeilern vorbei weiter der Ballastbrücke am Hafen zustrebt. Den Enten gefällt es anscheinend.

Boje Maaßen hat die Glücksburger Straße und das Hotel Fruerlund erreicht. Direkt vor dem dort beheimateten griechischen Restaurant überquert er sie und folgt erneut dem Lautrupsbach. Matt glänzend überspannt eine metallene Fußgängerüberquerung das kleine Tal in Richtung Fruerlundmühle. Darunter thront ein steinernes Ungetüm, Rest vergangener Tage. Was war das früher, überlegt Maaßen und ruft es einem Radfahrer auch gleich entgegen. Der hält an. Das sei noch ein Pfeilerfuß der vorigen Brücke, sagt Uwe Bretsch. Die neue entstand 2008. Von der dänischen Grenze aus startend, radelt Bretsch immer mal wieder zu Verwandten nach Husby. „Inzwischen tut sich etwas in der Stadt“, lobt er.

Maaßen, der im ersten Beruf Schlachter war, bevor er Pädagoge wurde, kreuzt die Nordstraße über sich und auch den Lautrupsbach unter sich. Das Tal ist mit Bäumen und Strauchwerk begrünt. Das Wasser gluckst die Windungen des Bachbetts entlang und füllt kurzzeitig mehrere Arme. Imposant baut sich der Durchstich Bismarckstraße vor Maaßen auf. Ranken hüllen das Bauwerk ein, durch das von 1881 bis 1953 die Eisenbahnen Richtung Angeln schnauften. Je nach Lichteinfall und Sonnenstand könnte es ein Ort für Märchen oder Räubergeschichten sein. Die Natur betört mit von Röhricht bedeckten Feuchtflächen, Sumpfdotterblumen und anderem Grün. Heringe drängen auf dem Weg zu ihren Laichplätzen gegen den Strom. Über ihnen singen und schimpfen nicht nur Wasseramseln. Eisvögel sind hier sogar schon gesichtet worden.

Das plötzliche Ende des grünen Bandes bereitet auf die nahe Innenstadt vor. Das Privatgelände des Seniorenheimes liegt vor dem Fußgänger. Der Passant steigt rechterhand einige Stufen zur Straße Am Lautrupsbach hinauf und legt einige Meter auf Asphalt zurück. Bevor die Schritte an die Förde führen, ist der Abstecher zum wohnlich zurecht gemachten Industriebau einer früheren Wassermühle am Unteren Lautrupweg lohnend. Dann geht es hinüber zur Förde und links bis an die Hafenspitze. Die umrundet Maaßen rechts herum. Die Straße Norderhofenden überquert er am Willy-Brandt-Platz und strebt dem Nordermarkt entgegen. Dort genießt Maaßen einen Milchkaffee mit Blick auf den Neptunbrunnen. Ob die Taruper Ente dort schon schwamm, ist nicht bekannt.

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