Projektraum Norderstraße Flensburg : Ein Atelier, das Grenzen sprengt

Am Sonnabend wurde feste gefeiert: Jetzt will Dany Heck ein Haus für kulturelle Vielfalt und Kooperation schaffen.
Am Sonnabend wurde feste gefeiert: Jetzt will Dany Heck ein Haus für kulturelle Vielfalt und Kooperation schaffen.

Dany Heck hat mit 200 Gästen ihren Projektraum für Kunst- und Kulturschaffende eröffnet

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15. Januar 2018, 06:06 Uhr

Staffeleien, Skizzen, Pinsel und Farben. Ein prall gefülltes Bücherregal neben einem Biedermeier-Sofa. Korbstühle, Kisten, Leitern – und im Hintergrund eine Bühne. An den mächtigen Fensterfronten bleiben Menschen stehen, ihre Gesichter kleben an den Scheiben: „Was ist hier los?“

Ganz einfach. Die freischaffende Künstlerin Dany Heck richtet sich mit ungezählten Bildern in ihrem neuen Atelier ein. Nach 15 Jahren hat sie ihr Domizil an der Waitzstraße verlassen und bricht auf zu neuen Ufern.

Sie hatte Glück. Die großzügig geschnittenen Räume in einem 1766 erbauten Haus hat ihr ein Mann mit Sinn für Kunst und Kultur vermietet. Und für die nötige „Hardware“ gesorgt. Dany Heck bleibt es nun vorbehalten, die Norderstraße 147 mit Leben zu erfüllen. Und wer sie kennt, weiß: Das wird ihr gelingen.

„Hier wurde mit viel Wertschätzung Jahrhunderte alte Substanz aus dem Dornröschenschlaf geweckt“, sagt die 52-Jährige. Ihre Software ist ein frisch zurechtgezimmertes, zeitgemäßes Konzept, das unterschiedlichste künstlerische Strömungen und die dahinter stehenden Menschen zusammenführen soll. „Es war ein wunderbarer Moment, in dem mir aufging, was sich an diesem Ort alles realisieren lässt“, erzählt Dany Heck euphorisiert. Ihr schweben Atelierkurse, exklusive Workshops und Seminare vor.

Eingebunden darin sind etwa ein Bierbrauer, der Verkostungen vor Ort machen will, Designerinnen, die ihre Kollektionen präsentierten, eine Tänzerin, die sich auf eine Aufführung vorbereitet. Darüber hinaus möchte eine Jongleurin in den ideal hohen Räumen mit ihrer Gruppe trainieren, ein Fotostudio konzeptionell arbeiten.

Auf der Bühne können Musiker sich ausleben, Lesungen und Poetry Slams zelebriert werden. Warum nicht auch einen Salon oder eine Matinee als spontanes Angebot oder regelmäßige Veranstaltung einführen? „Man sieht“, sagt die Initiatorin, „es ergibt sich an diesem Ort ein Netzwerk, das immer weiter ausgebaut werden kann.“

Ihrer Erfahrung nach würden viele Flensburger Kunstschaffende „in einer unheimlich lebendigen Kulturszene“ oft allein vor sich hin werkeln; ihnen will sie eine Plattform für Austausch und Kooperation bieten. „Viele gemeinsame Aktionen sind schon in die Wege gleitet worden.“

Die Norderstraße: Das ist viel mehr als Katzenbilder an den Hausfassaden und baumelnde Galoschen. Zum Frühjahr wird ein Flyer erscheinen, um Touristen, aber auch Einheimischen zu zeigen, dass Flensburg ein Künstlerviertel mit über 20 Anbietern kultureller Couleur aus vielen Genres zu bieten hat.

„Unsere Straße ist die bunteste und vielfältigste Szene der Stadt“, betont Dany Heck. „Von den türkischen Nachbarn über die vielen kreativen Geister bis hin zu Menschen, die vor 50 oder 60 Jahren hier gelebt haben und Geschichten von früher erzählen können.“ Sie alle und noch viel mehr waren gekommen, um die Ateliereröffnung zu feiern. Stilsichere DJs legten auf und ließen die 200 Gäste, die am Sonnabend ein und aus gingen, unermüdlich tanzen. Die Party endete erst, als bereits der Morgen graute.

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