Flüchtlinge in Flensburg : Ein Asylbewerber pro Woche

Fall fürs Gericht: An der Kanzleistraße steht die fertige Unterkunft schon zwei Jahre leer.
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Fall fürs Gericht: An der Kanzleistraße steht die fertige Unterkunft schon zwei Jahre leer.

Von der großen Migration kommt in Flensburg kaum mehr etwas an – zwei Gemeinschaftsunterkünfte sind geblieben.

Carlo Jolly. von
19. Januar 2018, 05:59 Uhr

Wiedervorlage – so heißt in der Verwaltung, der Politik oder bei der Justiz die Strategie, eine Akte vor dem Vergessen zu bewahren. Die Tageblatt-Redaktion holt sich auch 2018 wieder öffentliche Vorgänge „auf Wiedervorlage“, das heißt, sie fragt nach, was aus diesem oder jenem Thema geworden ist. Heute: die großen Asylunterkünfte der Stadt.

Sie ist schon so etwas wie ein Denkmal, die nie bezogene Flüchtlingsunterkunft mit 140 Plätzen an der Kanzleistraße – ein Mahnmal, das an die große Flüchtlingskarawane des Herbstes 2015 erinnert, als sie in Windeseile fertig gestellt wurde, dann aber gar nicht zum Einsatz kam. Es ging um EU-Normen, Brandschutzfragen und mehr. Waschmaschinen und Trockner sind mittlerweile abgezogen. Alles andere muss warten, bis der Rechtsstreit mit dem dänischen Investor vom Tisch ist. Dabei geht es um Vertragsfragen, Laufzeiten – und die Millionenkosten, die mittlerweile aufgelaufen sind. Eine Bewachung gibt es aber lange nicht mehr. Doch nach Einbruch der Dunkelheit leuchten immer noch mindestens zehn Lampen entlang der Kanzleistraße.

Von allen anderen früheren Gemeinschaftsunterkünften sind nur die am Friedensweg mit aktuell 171 Geflohenen (ursprünglich 550 Plätze)und Graf-Zeppelin-Straße (119/380 Plätze) geblieben. „Im Moment gibt es in Weiche die Möglichkeit, dass die Bewohner etwas mehr Platz haben“, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Ursprünglich für bis zu zwölf Menschen angelegte Zimmer könnten derzeit von deutlich weniger Geflohenen bewohnt werden.

Denn von den großen Migrationsbewegungen aus Afrika und den arabischen Ländern kommt derzeit in Flensburg nicht mehr viel an. Waren es vor gut zwei Jahren noch bis zu 90 jede Woche, zählt das Einwanderungsbüro nur noch einstellige Zahlen – im Monat: September 0, Oktober 1, November 8, Dezember 6, Januar bislang 5. Durchschnitt: ein Asylbewerber pro Woche.

Alle anderen früheren Unterkünfte sind dagegen verschwunden (Exe) oder von der Stadt veräußert: Nach der alten Paulus-Paulsen-Schule an der Schloßstraße und der Reitbahn-Villa ist diese Woche auch das frühere Jugendaufbauwerk am Dammhof mit der Schlüsselübergabe in den Besitz der Handwerkskammer übergegangen. Wo einst bis zu zehn Flüchtlinge auf dem Zimmer lebten, ziehen nun Büros und Schulungsräume des wachsenden Kammerbildungszentrums ein.

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