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150 Jahre Flensburger Tageblatt : Ein Angelner Dorf als Museum

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

1993 wird das Landschaftsmuseum Unewatt eingeweiht. Der kleine Ort mit seinen alten Bauten wird integriert.

Unewatt | Die Erfolgsgeschichte des Landschaftsmuseums Angeln in Unewatt nahm ihren Anfang eigentlich in Süderbrarup. Dort im Ortskern sollte 1979 ein Südangler Fachhallenhaus, dessen Kerngerüst aus dem Jahr 1626 stammte, einem Neubau weichen. Das sogenannte Marxenhaus, das älteste erhaltene Fachhallenhaus der Landschaft Angeln und damals schon fast eine Ruine, wurde fachmännisch abgetragen und eingelagert. Es sollte später den Grundstock bilden für ein Regionalmuseum. Wann und wo ein solches Museum errichtet werden würde, stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Erst 14 Jahre später erlebte das historische Reetdachhaus eine glanzvolle „Wiederauferstehung“ – in Unewatt, einem idyllisch gelegenen Dorf, in dem sich die Langballigau mit zwei Seitenbächen vereinigt. Das Landschaftsmuseum öffnete am 20. Juni 1993 seine Türen und Tore für das Publikum.

Die Eröffnungsfeier war zugleich ein Höhepunkt des schleswig-holsteinischen Museumssommers 1993. Die Kommunalpolitik durfte sich zu Recht feiern lassen für ihr langjähriges Engagement für diese ungewöhnliche Idee. Lob kam zum Beispiel von dem Volkskundler Arnold Lühning, der als damaliger Leiter der volkskundlichen Sammlungen auf Schloss Gottorf vor dem drohenden, unkontrollierten Abriss des Marxenhauses gewarnt und das Interesse der Politik auf dieses einmalige Baudenkmal gelenkt hatte.

Er als ausgewiesener und hochanerkannter Fachmann war auch aktiv an einer Planungsgruppe beteiligt, die sich unter der Federführung des späteren Direktors der Kulturstiftung des Kreises Schleswig-Flensburg, Henning Bachmann, 1985 konstituiert hatte. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, für den Wiederaufbau des Fachhallenhauses, dessen wesentliche Bestandteile immer noch in einer Süderbraruper Spedition lagerten, einen geeigneten Platz zu finden. Als mögliche Standorte wurden Brunsbüll, Gremmerup, Markerup, Steinberg, Stolk, Süderbrarup, Taarstedt, Lindau an der Schlei, Westerholm, Ahneby, Schwensby, Munkbrarup und Unewatt geprüft.

Die Entscheidung fiel für das kleine Dorf Unewatt, das aus der Sicht der Kommission wesentliche Kriterien erfüllte. Dazu gehörten nach Angaben von Jochen Clausen, dem Gründungsdirektor des Landschaftsmuseums Angeln, eine ziemlich geschlossene Ortsbebauung, wenige Neubauten, eine typische, von der Au durchquerte Angelner Landschaft, repräsentative Bauernhöfe und Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert, ländliche, vorindustrielle Anlagen wie Wind- und Wassermühle und eine gute Verkehrsanbindung durch die Nordstraße (B 199).

Die politischen Weichen wurden am 13. Februar 1986 gestellt, als der Kreisausschuss Schleswig-Flensburg einstimmig beschloss: „Der Errichtung eines Landschaftsmuseums wird im Grundsatz zugestimmt. Als Standort wird der Ortsteil Unewatt in der Gemeinde Langballig ausgewählt. Die frühzeitige Einbindung der Gemeinde und insbesondere die Zustimmung der betroffenen Bevölkerung wird für erforderlich gehalten.“

Dann ging es Zug um Zug: Im Mai 1990 wurde das Fachwerk des Marxenhauses nach Unewatt transportiert, um es vor Ort für einen Wiederaufbau vorzubereiten. Der Grundstein dafür wurde am 14. Dezember 1990 auf dem Eingangsgrundstück in Nordstraßennähe verlegt. Bis zum Dezember 1991 war das Gebäude mit Reet eingedeckt, so dass man sich auf den Innenausbau konzentrieren konnte. Parallel zum Auf- und Ausbau des Marxenhauses wurden – im Rahmen des ersten Bauabschnittes – als weitere Museumsinseln die historische Buttermühle rekonstruiert und die durch einen Brand zerstörte Christesenscheune wiederaufgebaut. Ferner wurde das historische Gasthaus inmitten des Dorfes von der Kulturstiftung übernommen und saniert. Das Gasthaus ist verpachtet.

Die Verknüpfung zwischen musealen Einrichtungen und einem lebendigen Dorf macht die Besonderheit des Unewatt-Konzeptes aus. Ein Dorf mit Museum und ein Museum mit Dorf – so lässt sich das ungewöhnliche Projekt auf eine kurze, griffige Formel bringen. Ein Museumsbesucher brachte es nach Abschluss seines Rundgangs auf den Punkt, indem er Folgendes in das Gästebuch schrieb: „Unewatt – eine mutige Idee, ein interessantes Museum, ein schönes Dorf. Es hat uns sehr gefallen, und wir kommen gerne einmal wieder.“

Seit der Eröffnung des Landschaftsmuseums 1993 wuchs die Zahl der Museumsinseln auf inzwischen fünf an: Hinzu kamen die Windmühle Fortuna und die Räucherei mit benachbartem, altem Transformatorenhäuschen. „Heute ist das Museum zu einer festen kulturellen Größe im Kreis Schleswig-Flensburg geworden“, resümiert Landrat Wolfgang Buchmann die bisherige Entwicklung in Unewatt.

Ein wesentlicher Entwicklungsschritt steht dem Museum für das kommende Jahr bevor. Die Kulturstiftung des Kreises hat Mitte April 2015 nach langwierigen Verhandlungen den gesamten, unter Denkmalschutz stehenden Christesen-Hof erworben, dessen Winkelscheune vom Museum bereits von Beginn an genutzt wird, um zusätzlich Herrenhaus und Nebengebäude für die Museumsarbeit zur Verfügung zu stellen. Davon verspricht sich Inga Latendorf, die im März 2015 als Nachfolgerin von Jochen Clausen die Museumsleitung übernommen hat, neue, in die Zukunft weisende Impulse.

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erstellt am 18.Nov.2015 | 18:10 Uhr

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