Flensburg : Ein alter Friedhof lässt sich feiern

Am Montag jährt sich der Jahrestag der Eröffnung des Alten Friedhofs  zum 200. Mal. Foto: Dommasch
Am Montag jährt sich der Jahrestag der Eröffnung des Alten Friedhofs zum 200. Mal. Foto: Dommasch

200. Jahrestag der Einweihung: Morgen Buchvorstellung und Führungen / Große Bedeutung für die Schinkel-Forschung

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22. Juni 2013, 06:36 Uhr

Flensburg | Thomas Messerschmidt weiß noch genau, wann er sich in den Alten Friedhof verguckt hat. "Ich war Schüler am Alten Gym und hatte schon damals ein Faible für Museen. Und so bin ich oft von der Schule über den Friedhof ins Museum gegangen." Heute gibt es wohl niemanden in Flensburg, der sich so gut auskennt mit dem 2,6 Hektar großen Areal zwischen Christiansenpark und Museumsberg wie der Kunsthistoriker Messerschmidt. Montag jährt sich die Eröffnung des Alten Friedhofs zum 200. Mal; Messerschmidt gibt aus diesem Anlass zusammen mit Stadtarchivar Broder Schwensen einen prächtig illustrierten Band heraus.

Er war 1813 der erste kommunale Friedhof im gesamten dänischen Staat und lag damals noch außerhalb der Stadt. Genau 100 Jahre später wurde der Friedenshügel eröffnet. Die Stadt schloss den Alten Friedhof 1954, doch Messerschmidt geht davon aus, dass es in den 60er-Jahren die letzten Beisetzungen gegeben hat. Doch einmal Friedhof, immer Friedhof: Bis heute wird das Areal von den Flensburger Friedhöfen betreut, und zwar "ganz hervorragend", wie Messerschmidt lobt.

Heute ist er ein Idyll auf dem Museumsberg und bildet wie schon zu seiner Entstehung eine Einheit mit dem benachbarten Christiansenpark und den Grünanlagen des Museums. Viele Flensburger lieben den Friedhof mit seinen alten Bäumen, den Rhododendren, den kunstvoll verzierten Gräbern und seiner ganzen, bisweilen leicht verwunschenen Stimmung. Die Theaterwerkstatt Pilkentafel inszenierte hier ihr Stück "Das Glück der Sterblichkeit".

Die elf Autoren des 140-seitigen Bandes beleuchten ganz unterschiedliche Aspekte des parkartigen Friedhofs. So wird die große Bedeutung des preußischen Künstlers und Architekten Karl Friedrich Schinkel ausführlich gewürdigt und erstmals in dieser Breite vorgestellt. Ein Dutzend Grabmale sind mit Skulpturen nach Schinkel-Entwürfen ausgestattet.

Es gab auch Skandale in Zusammenhang mit dem Friedhof - und damit ist nicht die Rückkehr des Idstedt-Löwen gemeint, die nach Messerschmidts Meinung die Anlage eher aufgewertet hat. 1872 wurde hier der jüdische Flensburger Burchard Meyer beigesetzt - aus jüdischer Sicht ein Skandal, weil Juden grundsätzlich nicht auf christlichen Friedhöfen beigesetzt werden dürfen. "Das gab eine riesige Kontroverse damals", weiß Messerschmidt.

Weitere Kapitel beschäftigen sich mit der Pflanzenwelt, den Kriegsgräbern, der Kapelle, der Geschichte und der Planung des Friedhofs. Messerschmidt selbst stellt unter anderem den ersten und langjährigen Friedhofsaufseher Vollert Heinrich Munderloh vor.

Morgen um 10.30 Uhr wird das Buch in der Bundsen-Kapelle offiziell vorgestellt und ist dann zum Sonderpreis von 17,80 Euro erhältlich. Um elf Uhr leiten Messerschmidt, der frühere Stadt- und Landschaftsplaner Felix Kroll und - auf Dänisch - Henrik Gram Führungen über den Alten Friedhof.

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