Ein adliger Gutshof mit eigener Arrestzelle

Maren und Peter Matzen scheuen weder Zeit noch Kosten, um Brunsholmhof als Kulturdenkmal aus geschichtlicher Zeit zu bewahren. Fotos: U.Köhler
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Maren und Peter Matzen scheuen weder Zeit noch Kosten, um Brunsholmhof als Kulturdenkmal aus geschichtlicher Zeit zu bewahren. Fotos: U.Köhler

Sie zieren die Landschaft, die vielfältigen Baudenkmäler, die Angeln von Gütern über Mühlen bis hin zu Fachwerk-Katen zu bieten hat - kosten aber auch viel Geld, wenn sie erhalten werden sollen. Umso wichtiger ist, dass unter den historischen Dächern das Leben pulsiert. Positive Beispiele für neues Leben hinter alten Mauern gibt es genug - in einer Serie stellen wir sie vor. Heute: die erstmals im Jahr 1446 erwähnte Gutsanlage Brunsholmhof.

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09. Februar 2009, 06:34 Uhr

Esgrus | Wenn Peter Matzen, Besitzer der Gutsanlage Brunsholmhof, von seinem Ururgroßvater Diedrich Brix spricht, geschieht dies voller Respekt. Sein Vorfahr - ein Landwirt aus Sörupschauby - kaufte das Anwesen 1820 mit damals weit über hundert Hektar Land aus dem "Zwang" heraus - zuvor hatte es verschiedenen Besitzern gehört. "Seit 1820 befindet sich dieser Hof, der am 20. August 1993 als Kulturdenkmal eingetragen wurde, in unserem Familienbesitz", sagt Matzen.

Ganz abgesehen davon, dass Diedrich Brix Vater von zehn Kindern - mit einer Frau - war, er war auch sonst sehr rührig, riss alte Wirtschaftsgebäude ab, baute sie unter zur Hilfenahme von Materialien seiner ehemaligen Scheune in Sörupschauby neu auf - die Jahreszahlen 1820 und 1835 belegen dies. Wenngleich Brix mit dem Kauf von Brunsholmhof Gutsbesitzer geworden war, blieb er doch sein Leben lang ein Landwirt "de mit de Schüffel geiht".

Er baute eine Ziegelei, in der Tonrohre und Ziegelsteine produziert wurden. Die Ziegelei gibt es schon lange nicht mehr - als Relikt aus der Vergangenheit ist der Begriff "Ziegelkoppel" geblieben. Diedrich Brix errichtete auch eine Mühle, die bis ins 20. Jahrhundert hinein in Betrieb war, kaufte in Dänemark einen Bauernhof - schließlich mussten auch die Söhne, die nicht Brunsholmhof erbten, später einmal versorgt werden.

Peter Matzen und Ehefrau Maren sind mit der Familiengeschichte derer von Brunsholmhof bestens vertraut: Die Nachfolge von Diedrich Brix trat Sohn Peter und danach dessen Sohn Franz an. Seine Tochter Friederike ehelichte Hans-Otto Matzen, einen aus Esgrusschauby stammenden sogenannten "weichenden Erben". "Ich bin die fünfte Generation unserer Familie auf Brunsholmhof", sagt der 56-jährige Peter Matzen - und in seiner Stimme schwingt Respekt mit.

Er und seine sechs Jahre jüngere Frau Maren sind sich ihrer Verantwortung für "unser Kulturdenkmal bewusst".

Brunsholmhof ist ein ehemaliges adliges Gut - so ist es seit 1446 nachweisbar. Der Denkmalschutz erstreckt sich auf die gesamte Hofanlage mit seinem spätbarocken Gutshaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Ebenfalls unter Denkmalschutz stehen das Verwalterhaus, die Ställe und Scheunen aus dem 19. Jahrhundert. Zusammen bildet alles eine trapezförmig geweitete Dreiseithofanlage in der Prägung des 19. Jahrhunderts.

Das Ehepaar Matzen - zur Familie gehören drei Kinder im Alter von 21, 19 und 15 Jahren - ist, wie die Hausherrin sagt, dankbar dafür, dass "es dieses Haus gibt, wir in ihm leben dürfen". Sie spricht von einer Bereicherung und Herausforderung zugleich, die ihnen von den Vorfahren übertragen worden ist. Nein, als Last empfindet die Familie die Gutsanlage nicht, wenngleich der Erhalt recht arbeitsaufwändig und vor allem auch kostenträchtig sei.

In fünfter Brunsholmhof-Generation pachtete Peter Matzen das Anwesen 1977 von seinen Eltern, übernahm es Ende der 1980-er Jahre als Eigentümer. Für ihn war und ist es selbstverständlich, alle Renovierungen der Gesamtanlage mit der Denkmalpflege abzustimmen - das hält er ebenso wie seine Eltern. In deren Ägide wurden bereits in den 1960-er Jahren der Gartensaal und seine italienischen Stuckarbeiten restauriert - zehn Jahre später folgte die Erneuerung aller Fenster an der Ostseite des Gutshauses. Renoviert wurde auch das Verwalterhaus, in dem bis 1997 Maren und Peter Matzen wohnten, um dann mit Mutter Friederike zu tauschten. Seitdem wohnen sie im Gutshaus.

Zwei Jahre lang renovierten sie ihr neues Domizil - vom Dach bis runter zum Keller. Schnell merkten sie, dass das Bewahren des Alten seinen Preis hat. Trotz finanzieller Unterstützung durch das Landesamt für Denkmalpflege und der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft - zusammen rund 15 Prozent - mussten die Matzens tief ins Portemonnaie greifen: Die Kosten für besagte Renovierung beliefen sich auf rund 250 000 Euro. Dafür, so die Eheleute, hätten sie locker ein Einfamilienhaus bauen können. Aber: "Uns liegt Brunsholmhof am Herzen, ist ein Vermächtnis, das wir bewahren wollen."

Ein denkwürdiger Tag für Familie Matzen war der 10. August 1994. Aufgrund eines technischen Defektes vernichtete ein Feuer das ehemalige zu einem Schweinestall umfunktionierte Kuhhaus. Es brannte bis auf die Grundmauern nieder, 300 Schweine kamen um. "Ein beängstigendes Geschehen", erinnern sich die Eheleute, drohte doch ein weiteres Übergreifen der Flammen. Beim Wiederaufbau achteten die Matzens sehr genau darauf, dass dies nach altem Vorbild geschah.

Einen solchen für die Schweinemast hat der Landwirt als Anteilseigner im Außenbereich in 300 Meter Entfernung zu seinem Anwesen errichtet. Denn der Erhalt der Gutsanlage koste Geld, das erst erwirtschaftet werden müsse, sagt Peter Matzen.

Das, fügt er hinzu, sei nur möglich, "indem wir eine moderne Wirtschaftsweise dem Denkmalschutz anpassen". So hat er das Innere der Wirtschaftsgebäude entkernt und den wirtschaftlichen Erfordernissen angepasst. Das Äußere aller Gebäude von Brunsholmhof blieb und bleibt erhalten.

Die ehemals weit über hundert Hektar haben sich im Laufe der zurückliegenden Jahre durch Erbgänge reduziert und belaufen sich durch zwischenzeitlichen Zukauf auf heute etwa 90 Hektar. Neben Ackerbau gehört die Schweinemast zu Matzens landwirtschaftlichem Metier.

Eine Besonderheit: Im Keller des Gutshauses gab es vor langer Zeit eine Zelle - Brunsholmhof hatte ehedem eine eigene Gerichtsbarkeit, die auch genutzt wurde: In besagter Zelle saß einst ein Mann wegen Brandstiftung ein.

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