Neubaupläne an der Schleswiger Straße : Ein 27-Meter-Turm als neues Entree für die Flensburger Südstadt

Hier wird schon seit zwei Jahren nicht mehr getankt: Blick auf das Grundstück von der Straße Backensmühle.
Hier wird schon seit zwei Jahren nicht mehr getankt: Blick auf das Grundstück von der Straße Backensmühle.

Acht Geschosse an der Schleswiger Straße: Nachbarschaft aus der Backensmühle skeptisch

shz.de von
04. November 2017, 06:05 Uhr

Schon wieder ein ambitioniertes Wohnungsbauprojekt der Beinahe-Großstadt Flensburg, bei dem der Willen der Mehrheit aus den politischen Gremien und der Investoren auf ernst zu nehmende Bedenken der direkten Nachbarschaft trifft: Es geht um die Bebauung der ehemaligen Aral-Tankstelle an der Schleswiger Straße. Hier sollen in zwei Gebäuden 29 Wohnungen für den Flensburger Süden entstehen, außerdem insgesamt 40 Pkw-Stellplätze, davon 26 Tiefgaragenparkplätze. Im Erdgeschodd soll verträgliches Gewerbe Platz finden, wobei die Investoren zum Beispiel an Apotheken oder Versicherungen denken.

Dabei macht den Anwohnern, die am Donnerstagabend überwiegend aus der Straße Backensmühle zur Bürgerversammlung ins Technische Rathaus gekommen waren, vor allem das turmförmig geplante achtstöckige Gebäude direkt an der Einmündung Schleswiger Straße/Backensmühle Sorgen. „Hier gibt es nirgendwo im direkten Umfeld ein Gebäude in vergleichbarer Höhe“, brachte eine Anwohnerin vor. In der Tat sind die höchsten Gebäude hier das südlich angrenzende Behördengebäude sowie im Osten der Mietwohnungskomplex Backensmühle 2, beide vierstöckig. Hier würde das südlichere lang gezogene Gebäude mit drei Vollgeschossen plus Staffelgeschoss bei maximal zwölf Metern Höhe knapp unter den höchsten Nachbargebäuden bleiben, mit deutlichem Abstand zur Straße. Das Eckhaus dagegen erlaubt den Plänen zufolge sieben bis neun Geschosse – und maximal 27 Meter Höhe. Wobei Architekt Knut Bendixen für den Investor, der noch nicht namentlich in Erscheinung treten möchte, während der Versammlung versprach: „Mit acht Geschossen bleiben wir unter den Hochhausrichtlinien.“

Planungsausschussvorsitzender Axel Kohrt (SPD), der die Versammlung leitete, wies daraufhin, dass die Stadt bis zum Jahr 2025 einen erwarteten Bedarf von zusätzlichen 6000 Wohnungen befriedigen müsse, und bis zum Jahr 2030 sogar 8000. Mit dem Hochhaus möchte die Stadt architektonisch den Endpunkt der Südstadt und ein Eingangstor in die innere Stadt markieren – sowie vor wenigen Jahren der südlichste Neubau des FAB „Auf der Canceley“ auf ebenfalls acht Etagen das Tor zum Campus bilden soll.

Ob ein stadtbildprägendes Gebäude unmittelbar südlich des Bahnhofs eine gute Idee ist, war bereits im Frühjahr von der Politik kontrovers diskutiert worden. SSW-Mann Edgar Möller hatte seinerzeit vor einem „zweiten Manhattan“ gewarnt. Die Backensmühle-Nachbarn ärgern sich vor allem darüber, dass die neungeschossigen Hochhäuser am Lundweg und der Straße Rude als Vergleichshöhen herangezogen wurden, obwohl sie 500 Meter von der Tankstelle entfernt liegen. Und: Während die Rude-Hochhäuser mit reichlich Freiraum im Umfeld geplant worden sei, werde es hier auf der alten Tankstelle ziemlich eng. Ein Bürger ahnte: „Sie wollen so viele Wohnungen dahinknallen wie möglich.“ Die überwiegend gewerblich genutzten Gebäude in diesem Bereich der Schleswiger Straße seien dagegen ganz überwiegend Flachbauten, von Reifen Thomsen über den Pferdebedarf bis zum Futterhaus.

Bauchschmerzen bereitet der Nachbarschaft von der Backensmühle auch die künftige Parksituation im Quartier, keine 100 Meter Luftlinie von den Bahnsteigen entfernt. Kohrt wies darauf hin, dass es Strategie auf dem Weg zur Klimaneutralität 2050 sei, Parkraum teilweise zu verknappen. „Unsere Parkplätze werden werden schon jetzt von Dauerparkern belegt“, monierten die Anwohner. Schon heute kämen hier Bahnpendler, die montags den Wagen abstellten und erst freitags wieder führen.

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