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Immobilien-Deal der Flensburger Sparkasse : Eilts' Untreue-Affäre steht kurz vor der Einstellung

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Frerich Eilts und Herman Densch: Der frühere Direktor der Flensburger Sparkasse und der Immobilienmakler müssen sich nicht vor Gericht für ein umstrittenes Grundstücksgeschäft verantworten – wenn beide eine Frist beachten. Statt eines Verfahrens fließen 250.000 Euro in die Landeskasse.

Flensburg/Kiel | Der Untergang der Flensburger Sparkasse (1819-2008) wird die Justiz noch auf Jahre beschäftigen. Die 6. Große Wirtschaftskammer am Kieler Landgericht hat das Hauptverfahren um die dubiosen Kreditvergaben an zwei lokale Großinvestoren in den Jahren 2001 bis 2003 noch nicht einmal begonnen.

Auf einem der zahlreichen Nebenschauplätze scheint dafür erstmals ein Licht am Ende des Tunnels. Der unter dem Vorwurf Untreue und Bestechung/Bestechlichkeit angeklagte „Grundstücks-Deal“ zwischen der Flensburger Sparkasse und dem Flensburger Immobilienhändler Herrman Densch steht kurz vor seiner Einstellung.

Auf Anfrage teilte Landgerichtssprecherin Rebekka Kleine mit, dass dieses gegen Herrman Densch, den ehemaligen Sparkassendirektor Frerich Eilts und dessen ehemaligen Sparkassenmitarbeiter Ralf B. geführte Verfahren nach § 153 StGB vorläufig eingestellt worden sei. Vorläufig, weil im Fall Eilts und Densch die mit dem Beschluss vom 15. Juli vergangenen Jahres verbundenen Auflagen noch nicht erfüllt worden seien. Sie müssen noch je 125.000 Euro an die Landeskasse zahlen. Die Frist, so Kleine, laufe am 15. Januar ab. Gegen B. sei das Verfahren ohne Auflagen eingestellt worden.

Die Kieler Strafermittler hatten Eilts vorgeworfen, seit den 90er-Jahren alle Immobilien, die die Sparkasse zwangsversteigern ließ, dem Flensburger Makler Herrman Densch zur exklusiven Vermarktung überlassen zu haben. In einem Fall habe die Sparkasse nur Scheinverhandlungen geführt und Densch schließlich den Zuschlag weit unter Wert erhalten. In einem anderen Fall soll der mitangeklagte Sparkassen-Mitarbeiter B. für den Ausstieg von Mitbietern gesorgt haben. Densch habe im sechsstelligen Bereich profitiert und im Gegenzug absprachegemäß den Breitensportverein TSB Flensburg und den Stammverein des Handball-Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt (in denen Eilts Vorsitzender ist bzw. Vizepräsident war) mit Spenden unterstützt. Beide hatten den Zusammenhang stets kategorisch bestritten.

Nach Angaben Kleines ist ein Verfahren nach einer Einstellung nach § 153 a „vollständig vom Tisch.“ Die Kammer habe nach einer Vorprüfung des Sachverhalts im Gespräch mit den Anwälten der Beklagten diesen Weg beschritten. „Eine Eintragung ins Strafregister erfolgt damit nicht“, sagte Kleine. Die Höhe der Zahlung an die Landeskasse orientiere sich an den Einkommensverhältnissen der Angeklagten. Dass sie bis jetzt noch nicht geleistet wurde, sei angesichts der Höhe der Summe aber auch nicht unüblich.

Eilts' Rechtsanwalt Christoph Lepper betont in einer Stellungnahme: „Durch die Zahlung der Geldauflage wird keine Schuldfeststellung getroffen. Es handelt sich auch nicht um eine Bestrafung. Eine solche hätte mein Mandant auch nicht akzeptiert. Nach wie vor weist Herr Eilts die erhobenen Vorwürfe zurück. Ein Prozess zum Beweis seiner Unschuld wäre jedoch langwierig und kostspielig geworden. Die Verfahrenseinstellung war und ist für Herrn Eilts daher wirtschaftlich sinnvoll.“

Fast wortgleich reagiert Herrman Densch. „Die Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung der Geldauflage ist keinesfalls Schuldanerkenntnis, oder gar Strafe. Diese wäre auch niemals akzeptiert worden. Ein Prozess zu führen zum Beweis der Unschuld wäre aus unserer Sicht jedoch langwierig, sehr zeitaufwendig und kostspielig geworden.“

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erstellt am 06.Jan.2014 | 08:00 Uhr

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