Demeter-Hof : Eier-Nachfrage hat sich verdreifacht

Christian Petersen bei der Fütterung im 'Hühnerpavillon', auch 'Schlechtwetter-Auslauf' genannt. Foto: kahlen
Christian Petersen bei der Fütterung im "Hühnerpavillon", auch "Schlechtwetter-Auslauf" genannt. Foto: kahlen

Bei Demeter-Bauer Christian Petersen klingelt die Kasse. Seit dem Dioxin-Skandal boomt der Eier-Verkauf auf seinem Hof in Rüde (Kreis Schleswig-Flensburg).

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28. Januar 2011, 09:46 Uhr

Rüde | Der Dioxin-Skandal bleibt weiter in aller Munde. Immer mehr Menschen misstrauen plötzlich dem, was zuvor wie selbstverständlich auf ihren Tellern gelandet ist. "Der Dioxin-Skandal ist alles andere als erfreulich." Das betont Christian Petersen gleich vorweg. Sorgen muss er sich aber nicht machen - im Gegenteil. Sein Demeter-Hof Ankersolt in Rüde bei Satrup - ein reiner Biohof - profitiert von dem Skandal. Die Nachfrage nach den Eiern seiner Hennen sei im Januar "explodiert", sagt der Hofeigentümer. Wurden im Januar 2010 noch 65.000 verkauft, werden es in diesem Monat fast doppelt so viele sein.
"Und das ist auch genau das, was unsere Hühner zurzeit legen", betont der 50-Jährige. Mehr sei nicht möglich: In den Ställen befänden sich so viele Hühner, wie nach Demeter-Richtlinien erlaubt seien, und beide Hühner-Herden erreichten eine gute Legeleistung. Um die aktuelle Nachfrage bedienen zu können - der Hof Ankersolt beliefert mit seinen Eiern den Lebensmitteleinzelhandel von Schafflund bis Kiel sowie über den Naturkostgroßhandel Läden von Hamburg bis Hannover - müssten die Hühner derzeit eigentlich 180.000 Eier legen. Die Nachfrage hat sich fast verdreifacht. Normalerweise habe man im Januar einen Eier-Überschuss von 20 Prozent - diese Zeiten seien nun erst einmal vorbei.
Mensch, Tier und Pflanze, Erde und Kosmos in dioxinfreier Harmonie
Der Hof zählt zu den größten Lieferanten von Bio-Eiern in der Region und wird gänzlich nach den Richtlinien von "Demeter"-Betrieben. 1989 übernahm Petersen den Angeliter Dreiseithof von seinen Eltern und betrieb ihn 17 Jahre lang als "Bioland"-Hof. 2007 entschlossen sich er und seine Frau Anne, Mitglied im Demeter-Verband zu werden. Das heißt: Alle Abläufe sind auf die Methodik des Philosophen Rudolf Steiner ausgerichtet. Hier steht das gesunde Zusammenspiel von Mensch, Tier und Pflanze sowie von Erde und Kosmos im Mittelpunkt. Die Erzeugung unbelasteter Nahrungsmittel ist oberstes Ziel.
"Bei uns ist es grundsätzlich so, dass wir das Futter für alle Tiere, die wir in unserem Betrieb haben, zu mindestens 50 Prozent selbst herstellen müssen", erklärt Petersen. "Der Rest, der zugekauft wird, muss von Demeter oder zumindest bio sein." Da Mischfette in der Bio-Landwirtschaft grundsätzlich verboten sind, ist es ausgeschlossen, dass Futter, in dem verseuchte Substanzen enthalten sind, die Hofeinfahrt der Petersens passiert. Für Demeter haben sie sich entschieden, "weil es uns noch mehr geben konnte. Es ist nicht auf die Landwirtschaft beschränkt, sondern bezieht auch die gesellschaftliche Komponente mit ein. Für viele Verbraucher ist Demeter die Premium-Marke schlechthin", sagt der Bio-Landwirt.
"Der richtige Weg" - Petersen fühlt sich bestätigt
Der Dioxin-Skandal kam für Petersen überraschend - dass es generell zu Skandalen dieser Art kommt, verwundert ihn aber nicht. "Wenn man versucht, seine Tiere möglichst billig zu ernähren, um das günstigste Produkt am Markt zu haben, dann kommt so etwas dabei heraus." In gewisser Weise sei der Dioxin-Skandal, so besorgniserregend er auch sei, für ihn selbst eine Bestätigung dafür, dass er den richtigen Weg gewählt habe. Petersen: "Ein Huhn, das unter anderem mit allen möglichen Abfällen gefüttert wird, kann einfach keine guten Eier legen." In den ersten Tagen, als der Skandal öffentlich wurde, habe er nicht damit gerechnet, dass die Nachfrage so stark ansteigt, sagt Petersen. "Aber dann wurde es plötzlich immer mehr" - und das betreffe nicht nur die Eier, sondern auch Fleisch und Gemüse. Neben der Hühnerhaltung wird auf Hof Ankersolt auf 90 Hektar Ackerbau betrieben. Ein Teil der Gesamtfläche von 125 Hektar wird für die 40 "Limousin"-Mutterkühe und ihre Nachzucht genutzt.
Bereits vor dem Dioxin-Skandal hat sich Petersen dazu entschlossen, einen neuen Stall mit Platz für 3000 Legehennen zu bauen und erst einmal von derzeit 4300 auf 6000 Hennen aufzustocken. Die Gewissheit, dass es dafür dauerhaft genügend Abnehmer gibt, sei durch den Skandal jedenfalls größer geworden.

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