Katharinen-Hospiz : Ehepaar schenkt Flensburger Hospiz die Gaststätte Marienhölzung

„Wir möchten mehr für Kinder in unserer Region tun“, sagen Helene und Bonnik Hansen vor dem Katharinen Hospiz.
„Wir möchten mehr für Kinder in unserer Region tun“, sagen Helene und Bonnik Hansen vor dem Katharinen Hospiz.

Helene und Bonnik Hansen aus Tarp übertragen das Gasthaus im Wald an das Katharinen-Hospiz für den Kinder- und Jugendhospizdienst.

shz.de von
09. Mai 2018, 06:33 Uhr

Flensburg | Ein derartiges Geschenk hat es in der Geschichte des Katharinen-Hospiz am Park noch nie gegeben. „Wir engagieren uns mit unserer Stiftung schon seit langem für Kinderprojekte in fernen Ländern. Nun möchten wir etwas für Kinder in unserer Region, vor unserer Haustür tun.“ Bonnik Hansen spricht über dieses Engagement so bescheiden und selbstverständlich, als wenn es sich um eine 1000-Euro-Spende handeln würde. Tatsächlich übertragen Helene und Bonnik Hansen dem Katharinen-Hospiz am Park die Gaststätte Marienhölzung – mit dem Wunsch, dass dort künftig unter anderem das stark gewachsene Team des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst einzieht.

„Wir haben das Haus vor fast drei Jahren gekauft, um jemandem zu helfen, eine Existenz in der Gastronomie aufzubauen – das hat nicht geklappt“, sagt Bonnik Hansen, Gründer des Unternehmens Trixie in Tarp. Seit einigen Monaten steht das weiße Haus auf der Lichtung des gleichnamigen Stadtwaldes leer.

„Wir haben in der Zeitung gelesen, dass das Tom-Christiansen-Haus abgerissen werden soll, um dort eine erweiterte Palliativstation zu bauen“, sagt der Vorsitzende des Stiftungs-Beirats. Durch diesen Abriss gehen die ohnehin viel zu eng gewordenen Räume für die Mitarbeiter des Kinder- und Jugendhospizdienstes und anderer Bereiche verloren. „Deshalb kommt diese unglaubliche Zuwendung, die uns sprachlos macht, genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Thomas Schwedhelm, Geschäftsführer des Katharinen-Hospiz am Park. Die Stadtverwaltung wird in die weiteren Schritte eingebunden, um zu klären, in welcher Form eine Nutzung möglich ist.

„Besonderer Ort mitten im Wald“

Vor wenigen Tagen – an einem sonnigen Maitag – wurde der Schenkungsvertrag unterzeichnet und beurkundet. Einen Tag später wurden die Mitarbeiter des Katharinen-Hospiz am Park informiert. Der künftige Arbeitsplatz von einigen wird von der Mühlenstraße zwar ein gutes Stück entfernt liegen. Doch der Baustil und die Lage – geborgen und umgeben von großen Bäumen – kommen der Atmosphäre des derzeitigen Hospizes schon sehr nahe. „In dieser Ruhe und Friedlichkeit möchten wir auch in der Marienhölzung ein offenes Haus sein und Schwellenängste abbauen“, sagt Hospizleiterin Claudia Toporski. „Der besondere Ort mitten im Wald wird dies leichter machen“, ist sich auch Hermann Ewald, ärztlicher Leiter des Hospizes, sicher.

Im Inneren wird dem Zweck angemessen umgebaut werden müssen. „Doch das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes bleibt so erhalten, wie es die Flensburger seit Generationen kennen“, sagt Hans Dethleffsen, Vorsitzender des Hospiz-Fördervereins.

Das Ehepaar Hansen hat schon in einigen Ländern – darunter in Vietnam und Nepal – Schulen und Kindergärten mit seiner Stiftung gebaut. Auch viele soziale Projekte in der Region unterstützt das Paar aus Tarp seit vielen Jahren. Die Entscheidung für die einmalig hohe Zuwendung für den Kinder- und Jugendhospizdienst, dessen Ehren- und Hauptamtler Familien mit lebensbedrohlich erkrankten Kindern von der Diagnose bis über den Tod hinaus begleiten, hat auch ihr persönliches Schicksal beeinflusst.

Das sympathische Ehepaar mit dänischen Wurzeln musste selbst einen schweren Verlust verkraften und kann nachfühlen, was Eltern durchleben, die ein Kind verlieren. Sprechen möchten die beiden darüber allerdings nicht. Bonnik Hansen sagt aber: „Es ist sehr schwer, wenn die Reihenfolge nicht stimmt. Die Eltern sollten vor den Kindern sterben.“

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