Reaktionen auf Simone Langes Bewerbung : Ego-Trip oder Rettungsmission?

Ganz entspannt am Tag danach: Kandidatin Lange.
Ganz entspannt am Tag danach: Kandidatin Lange.

Die Flensburger Ratsfraktionen beurteilen Simone Langes Kandidatur mit Ausnahme der Sozialdemokraten äußerst kritisch.

shz.de von
14. Februar 2018, 06:09 Uhr

Eines ist sicher: Der Coup mit der Kandidatur um den Bundesvorsitz ist Simone Lange geglückt. Überraschung und Staunen überall: „Ich habe erstmal auf das Datum geguckt“, sagte Edgar Möller (SSW). Doch der 1. April ist erst in gut sechs Wochen. „Eigentlich dachten wir, dass die OB jetzt langsam angekommen ist und wir mit ihr die Zukunft planen.“

Auch der Flensburger CDU-Vorsitzende Arne Rüstemeier zeigte sich am Dienstag alles andere als begeistert von dem unangekündigten Vorstoß; immerhin hatte die Flensburger CDU Lange mit auf den Thron gehoben. „Ich erwarte, dass Frau Lange während der Episode ihrer Kandidatur für den SPD-Bundesvorsitz, so wie im OB-Wahlkampf zugesagt, ihre Aufgaben als Oberbürgermeisterin in vollem Umfang wahrnimmt. Allerdings hat sie sich nach gerade mal einem Jahr im Amt mit dieser Kandidatur ein gutes Stück weit als Oberbürgermeisterin in Flensburg verabschiedet.“ Rüstemeier vermutet hinter der Kandidatur jedoch etwas anderes: „Diese Bewerbung werte ich aber in erster Linie als Beanspruchung des SPD-Landesvorsitzes und damit als Kandidatur gegen Ralf Stegner hier in Schleswig-Holstein.“

So wird das auch am linken Ende des politischen Spektrums gesehen. „Sie will Stegner beerben. Mir war immer klar, dass Flensburg für sie nur eine Durchgangsstation ist“, sagt Gabi Ritter, Chefin der Linksfraktion. „Ich bin beeindruckt von ihrem Machtgespür, aber ich hätte mir eine Oberbürgermeisterin gewünscht, die ein aufgeräumtes Haus hinterlässt, wenn sie geht. Und davon ist Lange noch weit, weit entfernt.“

Erika Vollmer (WiF) sieht für den wahrscheinlicheren Fall, das Langes Karrieresprung nach Berlin zu kurz gerät, Probleme in der künftigen Zusammenarbeit. „Das Vertrauen ist gestört. Es war nicht gut, sich so in den Vordergrund zu schießen. Sie hätte sich als Oberbürgermeisterin besser auf Flensburg konzentriert als auf das SPD-Gewusel im Bund!“, so Vollmer. „Bedauerlich, dass sie ihrem Amt so wenig Wert beimisst.“

„Ich traue ihr zu, die verschiedenen Lager innerhalb der SPD wieder zu einen und dass sie Chancen auf dem Parteitag hat“, sagt der Flensburger SPD-Vorsitzende Florian Matz. Sollte sie für den Posten in Berlin jedoch den im Flensburger Rathaus aufgeben müssen, „fände ich das unendlich schade“.

Ähnlich sieht es auch der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Helmut Trost: „Das Signal nach mehr Basisbeteiligung ist extrem wichtig. Ihr Weggang wäre ein großer Verlust für Flensburg. Wir haben eine gute OB und sehr viele Herausforderungen. Dafür brauchen wir Simone Lange vor Ort, gerade weil sie über Parteigrenzen hinaus anerkannt ist.“

„Wenn man für Flensburg antritt, dann sollte man auch sein Herzblut hier lassen“, findet Susanne Rode-Kuhlig, Ratsfrau der FDP. „Ich finde, sie sollte ihr Amt hier zu Ende bringen.“

Kaum war der Vorstoß Simone Langes am späten Montagabend publik geworden, gab es nicht nur flugs eine Aktualisierung auf der Wikipedia-Seite der Flensburger Oberbürgermeisterin, sondern auch umfängliche Reaktionen online: Da wird nicht nur über die künftige Haarfarbe der 41-Jährigen spekuliert. Auf der eigenen Facebook-Seite Simone Langes gibt es Ermutigung und Lobeshymnen en masse.

Michael Eulert schreibt  in dem sozialen Netzwerk: „Jawoll! Frau Lange bringt frischen Wind in die eingestaubte SPD Zentrale.“ Man bewertet die Kandidatur auch als ein Zeichen an den parteiinternen Klüngel und als einen „begrüßenswerten Schachzug gegen Stegner“.

Doch es gibt auch Kritik. Otmar Seifert: „Simone Lange hat schon erreicht, was sie wollte. Bundesweite Medienpräsenz.“ Die Wahl könne sie gar nicht gewinnen. „Aber darum geht’s ja nicht.“ Raoul Duke: „Noch nichts erreicht, da zieht es die von SPD, CDU, Grünen und Linken aufgestellte OB pünktlich zur Kommunalwahl schon wieder in die Ferne.“ Hanno Solterbek wird auf shz.de gar richtig böse: „Mir scheint, diese Frau hat etwas zu viel Höhenluft geschnuppert und leidet an Größenwahn!“

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