"Ecopolicyade": Bundessieger kommen aus Kappeln

Konzentriert, souverän und entspannt: Jonas Hamann, Broder Ernst und Fabian Petersen (v.l.) als virtuelle Staatschefs. Foto: Steffen Siegmund/BSR
Konzentriert, souverän und entspannt: Jonas Hamann, Broder Ernst und Fabian Petersen (v.l.) als virtuelle Staatschefs. Foto: Steffen Siegmund/BSR

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16. Mai 2012, 03:59 Uhr

Kappeln/Berlin | Eigentlich war es doch nur eine Frage der Zeit. 2009: zweiter. 2010: zweiter. 2011: dritter. Was also sollte in diesem Jahr schon schiefgehen ? Gar nichts. Es ist sogar eine Menge gut gegangen. Im vierten bundesweiten Wettbewerbsjahr des Simulationsspiels "Ecopolicy" hat die Klaus-Harms-Schule den Sprung auf den obersten Podestplatz geschafft. Vor den Teams aus Berlin und Sachsen sicherten sich die Gymnasiasten Broder Ernst, Jonas Hamann und Fabian Petersen knapp, aber zielstrebig den ersten Platz und holten zum ersten Mal den Bundessieg nach Schleswig-Holstein.

Worum geht es ? Um nicht viel weniger als komplexe Zusammenhänge von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Nicht unbedingt klassischer Unterrichtsstoff an Schulen. Dennoch setzen sich seit mittlerweile vier Jahren im ganzen Bundesgebiet Schüler vom siebten bis zehnten Jahrgang gerne den Anforderungen aus und stellen sich dem Vergleich. Ziel des Wettbewerbs "Ecopolicyade" ist es, die drei fiktiven und mit unterschiedlichen Voraussetzungen bedachten Länder Kybernetien, Kybinnien und Kyborien als Staatsoberhaupt in den Paradieszustand zu führen. Immer im Blick: die acht Wirkungsbereiche, vier davon können die Schüler direkt beeinflussen. Es geht unter anderem um Produktion, Lebensqualität, Umwelt, Politik, Bevölkerung. Und um die Wechselwirkungen dieser Faktoren untereinander. "Wenn man einen Bereich verändert, ist es wichtig, die Folgen für die anderen vorauszuberechnen", sagt Jonas Hamann. Und der 15-Jährige muss es wissen, immerhin hat er schon als Fünftklässler zum ersten Mal "Ecopolicy"-Luft geschnuppert.

Verantwortlich dafür ist Lehrer Jochen Wilms. Von Beginn an begleitet er sein erfolgreiches Trio, das es in der gleichen Zusammensetzung bereits 2010 zum Bundesentscheid geschafft hat. "Damals wurden sie Vizemeister", erinnert sich Wilms. "Da war der Druck in diesem Jahr schon ein bisschen größer." Aber die Jungs haben auch hart trainiert. Wilms spricht von einer "Nacht des vernetzten Denkens", die die Schule im Vorfeld ausgerichtet hat. 14 Stunden Simulation am Stück, nur unterbrochen von Diskussionen darüber, was hätte besser laufen, welche Entscheidung anders hätte ausfallen sollen.

Und dass die drei Schüler schon so lange gemeinsam arbeiten, macht sich bezahlt. Broder Ernst glaubt: "Jeder hat seine Aufgaben und weiß, was zu tun ist." Fabian Petersen sieht das ähnlich. "Wir können uns aufeinander verlassen", sagt der 15-Jährige. Müssen sie auch, denn sonst könnte ihr Spiel ganz schnell in einem Staatsstreich enden. Das passiert nämlich, wenn sie ihre Themenschwerpunkte aus den Augen verlieren, ein Ungleichgewicht entsteht (also etwa die Bevölkerung zu schnell wächst und so die Lebensqualität vermindert) und das Paradies auf der Strecke bleibt.

Logik, Strategie, schnelles Umdenken, Teamarbeit - das sind die Pfeiler, auf denen die Klaus-Harms-Schüler ihren Erfolg aufgebaut haben. Und in diesem Jahr war keiner besser als die drei Kappelner. Keine große Überraschung also, dass das Trio vor Freude und gesundem Selbstbewusstsein strahlt. Zwar habe man hinterher noch einmal sämtliche Spielzüge durchgesprochen - "aber", sagt Broder Ernst und lächelt, "wir haben keinen Fehler gefunden". Kein Wunder. Wer es ins Paradies schafft, kann nicht allzu viele davon begangen haben.

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