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Stadtsanierung in Flensburg : Eckener-Haus: Rettung vor dem Verfall

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Architekten-Wettbewerb zur Sanierung und künftigen Nutzung des historischen Gebäudes beginnt.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2017 | 05:50 Uhr

Es ist ein Bild des Jammers. Braune Spuren und Flecken überall an der hölzernen Decke, einer der Balken wird durch eine Holzkonstruktion getragen, der alte Ofen muss abgestützt werden. Die Ursache des Wasserschadens direkt über dem Saal des Eckener-Hauses liegt sechs Jahre zurück, doch noch immer ist er nicht behoben. Im Foyer platzt der Putz von den Wänden: „Hier ist tagelang heißer Dampf durchs Haus gezogen“, berichtet Eiko Wenzel, Denkmalpfleger der Stadt, bei der Höfe-Tour „atrium incognitum“ im Rahmen der Flensburger Hofkultur. Sie war Wochen vorher ausverkauft.

Das alte Bürgerhaus an der Norderstraße liegt vielen Flensburgern am Herzen – nicht nur der Frau, der beim Anblick des Saales fast die Tränen kommen: „Hier haben wir 2000 Hochzeit gefeiert - es gab Wildschweinbraten!“ Wenzel erzählt die Geschichte des Kaufmannshauses, dessen älteste Teile aus dem 15. Jahrhundert stammen. Und er übt kommunale Selbstkritik: Die „Problemgeschichte“ des Hauses sei das Ergebnis „verfehlter städtischer Immobilienpolitik“. Schon 1913, nachdem die Familie Eckener hier ausgezogen war und der Verfall drohte, habe Museumsdirektor Sauermann bei Oberbürgermeister Dr. Todsen dringenden Handlungsbedarf angemahnt. Doch der OB habe mit Verweis auf die Finanzlage der Stadt abgelehnt. Es wurde dann ein Bürgerverein gegründet, der das Haus übernahm – und 1973 in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Die Schulden betrugen 230  000 Mark, für diese Summe kaufte die Stadt das Haus.

Doch gut 30 Jahre später war die Stadt immer noch in Finanznöten, und der damalige OB verkaufte es erneut, immerhin für 280  000 Euro. Der Makler, der es erwarb, war clever und geduldig und habe es zwei Jahre später an dänische Investoren für das Doppelte veräußert. Eine dauerhafte Nutzung gelang jedoch nicht; zum Zeitpunkt des Wasserschadens durch ein Fernwärme-Leck stand das Haus leer. Erst 2016 kaufte die Stadt das Haus zurück, jetzt für „nur“ 200  000 Euro. Doch der Sanierungsbedarf dürfte im siebenstelligen Bereich liegen.

„Man muss das Haus grundsätzlich neu anfassen“, sagt Eiko Wenzel. Die Architekten-Ausschreibung beginne jetzt. Das Land habe die Not erkannt, so dass man hoffen könne, dass die Stadt Sanierungsmittel einsetzen darf – obwohl dieses Gebiet vor Jahrzehnten schon einmal Sanierungsgebiet war.

Wegen der Feuchte riecht es muffig im Haus. Die Schwingtür zur Küche schwingt noch wie in besten Restaurant-Zeiten. Durch das Auge der Wendeltreppe kann man bis hinauf zum Dachstuhl schauen, wo noch die alte Holzwinde steht. Wenzel berichtet über Kuriositäten der Einrichtung; hier seien einzelne Bestandteile – so genannte Spolien – aus mehreren alten Häusern der Stadt zusammengetragen und eingebaut worden. So habe man ein Biedermeierzimmer mit alten Stofftapeten eingerichtet – doch jetzt habe man festgestellt, dass die schon vor Jahrzehnten entfernt und durch bemalte Spanplatten ersetzt worden seien! Genussvoll präsentiert der Denkmalpfleger im Kapitänszimmer die dilettantischen Schiffsbilder eines unbekannten Malers der 1970er Jahre. Die Originalgemälde seien im Schifffahrtsmuseum. Kleines Highlight im ersten Obergeschoss: Auf einer der Glasscheiben ist bei genauem Hinsehen ein eingeritzter Namenszug zu erkennen – Nolde. Toni Eckener war mit Ada Nolde befreundet, offenbar war der Künstler deshalb hier hin und wieder zu Gast.

Wie das Eckener-Haus künftig genutzt werden soll, steht noch nicht fest. Man denke darüber nach, dass der städtische Sanierungsträger hier einziehe, doch in Teilen soll es auch ein offenes Bürgerhaus werden, in dem unter anderem Versammlungen zu baulichen Themen stattfinden könnten.

Außer dem Eckener-Haus zeigte Eiko Wenzel den Teilnehmern der Führung einen völlig unbekannten Hof an der Ecke Norderstraße / Toosbüystraße sowie Höfe in der Großen Straße, deren Sanierung jetzt ansteht.

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