zur Navigation springen

Circus Krone : Echtes Zirkus-Gefühl auf der Exe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zur Premiere im Circus Krone kamen zweimal 1600 Zuschauer. Die weltweit größte Raubtier-Nummer war das Highlight einer aufregenden Vorstellung.

Flensburg | Womit kann ein traditioneller Zirkus im digitalen Medienalltag eigentlich sein Publikum überzeugen? Hat die Manege gegen die von zu Hause aus extrem leicht erreichbaren elektronischen Verlockungen überhaupt eine Chance? Wie das inhaltlich und wirtschaftlich machbar ist, demonstriert derzeit der in Flensburg gastierende Circus Krone aus München.

Etwa zwei Mal 1600 Zuschauer kamen zu den beiden Vorstellungen am Premieren-Donnerstag ins große Zelt auf der Exe, darunter viele (Groß)Eltern mit ihrem Nachwuchs, auch aus Dänemark. Sie wurden mit einer dramaturgisch gut strukturierten Show unterhalten, die mit den klassischen Elementen Entertainment, Artistik und Tierdressur gefiel. Der entscheidende Aspekt: das praktisch hautnahe Erleben von exotischen Tieren und Akrobaten – denn wer hat schon einen gewichtigen Nashorn-Bullen in greifbarer Nähe im Wohnzimmer, eine Gruppe Dickhäuter oder brüllende Großkatzen? „Das ist wie Fußball-Bundesliga per TV im Vergleich zu einem Live-Besuch im Stadion“, kommentierte ein Besucher treffend.

Das Programm namens „Evolution“ demonstrierte in flottem Tempo, was Zirkus ausmacht: Eine Seelöwen-Comedy, in der eine junge Besucherin plötzlich als Co-Dompteurin mitwirkte. Anmut und Körpermasse faszinierten in der Elefantenrunde, die bei einem schwerelosen Ballett ihre Rüssel fast bis ins Publikum schwang.

Dann waren plötzlich die Mongolen da – mit leicht überholt wirkender Kraftakrobatik, aufgewertet durch asiatische Schönheiten. Und der Umzug der Exoten? Scheinbar harmlos, aber ein echter Zirkusklassiker mit Zebras, Lamas, Kamelen und Nashornbulle Tsavo, die ja nicht unbedingt zur heimischen Fauna gehören. Bunt schillernd schwebten mehrere Papageien im Tiefflug über das Publikum, die das Zelt als Riesenvoliere vereinnahmten. Echte Camargue-Gefühle evozierte eine kleine Herde schöner Schimmel, die „wild“ bis an und auf den Manegen-Rand stürmte und einen der vielen atemberaubenden Momente des Abends schuf. Das galt auch für die folgende „Hohe Schule“, in der ein Dutzend Pferde – übrigens völlig artgerecht – ihr vielhufiges Können unter Beweis stellten. Menschliche Fertigkeiten der besonderen Art demonstrierten Picaso Jr. mit Tempo-Jonglagen, Crazy Wilson auf einem monströsen „Todesrad“ mit waghalsigen, echt verrückten Sprüngen und natürlich die von Trapez zu Trapez fliegenden und dabei Salti und Schrauben drehenden Artisten am Zelthimmel.

Die Elemente wurden durch niveauvolle Clownereien verknüpft. Das unbestrittene Highlight bot Martin Lacey jr. mit seiner Großkatzen-Darbietung: Mit 26 weißen Löwen und Tigern gestaltete er die wohl weltgrößte Raubtiernummer. Da er sie fast alle großgezogen hat, kann er mit ihnen Kunststücke umsetzen, spielerisch rangeln (Rooaaar!) oder sich mit vier Katzen zudecken. Trotz allem gefährlich, daher echt spannend und wahre Schwerstarbeit, für die Lacey zu Recht einen Zirkus-Oskar erhalten hat.

„Ein starkes Programm mit aufregender Atmosphäre, die durch ihre Authentizität mitreißt“, resümierten Renate und Volker Daumann, die extra aus Schleswig angereist waren, wo kein Platz mehr für Zirkusgastspiele ist. Wie sie haben wohl die meisten Zuschauer echtes Zirkusgefühl erlebt, das einen Besuch auf jeden Fall lohnend macht.

 

>Circus Krone gastiert noch bis zum 19. August auf Flensburgs Exe

zur Startseite

von
erstellt am 15.Aug.2015 | 08:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen