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Krankenhaus-Hygieniker : „Ebola-Virus kann man kontrollieren“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Krankenhaus-Hygieniker Martin Oldenburg bereitet Flensburgs Krankenhäuser auf den Umgang mit einem Ebola-Patienten vor.

Flensburg | Das Ebola-Virus macht nicht vor Kontinenten, Ländern und Regionen halt. Wird es nicht behandelt, ist es tödlich. Wie sind die Krankenhäuser in Flensburg auf einen möglichen Ebola-Patienten vorbereitet? Wir sprachen mit Dr. Martin Oldenburg, Krankenhaus-Hygieniker und Leiter eines Teams aus zwei Teilzeit-Ärzten und fünf Hygienefachkräften. Der frühere Amtsarzt ist seit Januar für die Hygiene beider Häuser zuständig. Das Interview führte Juliane Kahlke.

 

Wie gut sind die Krankenhäuser Diako und St.-Franziskus auf einen möglichen Ebola-Patienten vorbereitet?

Anfang September habe ich die Hygiene- und Quarantänevorschriften überarbeitet. In beiden Häusern sind bestimmte Räume im Eingangsbereich – in der Diako bei der Zentralen Notaufnahme, im St. Franziskus im Aufnahmebereich – bestimmt worden, die in einem solchen Fall zu Quarantänestationen werden. Es geht darum, den Menschen auf möglichst kurzem Weg zu isolieren.

 

Sind die Räume mit allem ausgestattet, was für die Betreuung notwendig ist?

Ja. Doch sie sind nur als Zwischenstation gedacht. Denn an Ebola erkrankte Menschen werden in Hamburg behandelt werden. Der Aufenthalt hier wäre zeitlich begrenzt, bis die Hamburger Feuerwehr den Patienten abholt.

 

Haben die Krankenhäuser genug Schutzkleidung?

Die Stadt hat die letzten 50 Anzüge kürzlich gekauft. Es ist extrem dicht gearbeitete Schutzkleidung, die man üblicherweise nicht braucht. Insgesamt haben wir 300 Anzüge. Das ist nicht allzu viel. Wir würden im Ernstfall die Zahl der Pflegewechsel begrenzen. Eine Pflegekraft müsste dann vier Stunden beim Patienten bleiben, bevor sie abgelöst werden könnte.

 

Wie lange könnten Sie einen Patienten betreuen, der nicht in den nächsten Stunden abgeholt werden würde?

300 Anzüge würden für vielleicht 20 Tage reichen. Üblicherweise währt die Ansteckungszeit zehn bis 14 Tage. Männer können den Virus noch sieben Wochen über ihr Sperma verbreiten.

 

Sind die Krankenhausmitarbeiter für den Umgang mit einem Ebola-Patienten geschult?

Wir haben das nötige Wissen auf einem Din A 4-Zettel jedem zugänglich gemacht. In der täglichen Übergabe informieren Vorgesetzte die relevanten Mitarbeiter. Wegen Urlaub oder Krankheit wird das Wissen wohl noch nicht bei allen angekommen sein. Das Problem ist aber noch ein anderes.

 

Welches? Das Personal arbeitet ohnehin am Limit. Für solche Ausnahmesituationen haben wir keine Reserven. Die Betreuer der Ehec-Patienten, die vor einigen Jahren bei uns lagen, haben heute noch Überstunden.

 

Das heißt, im Falle eines Ebola-Patienten würden von den Stationen Pflegekräfte abgezogen?

Zum Beispiel. Die für die Pflege des Ebola-Patienten abgestellten Kollegen der Aufnahme würden dort durch Stationskollegen ersetzt.

 

Stehen Sie beim Thema Ebola mit den Rettungsdiensten in Kontakt?

Anfang September hatten wir mit Feuerwehr, Rettungsdiensten und Gesundheitsamt das erste Abstimmungstreffen zur Vorbereitung möglicher Szenarien. In dieser Woche folgt ein weiteres Treffen und im November eine Übung im öffentlichen Raum.

 

Sind Sie nicht etwas spät dran?

Theoretisch könnte ein Ebola-Patient schon da gewesen sein, aber wir haben durch den Umgang mit Pocken-, Sars- und Schweinegrippe-Patienten die nötige Erfahrung und brauchen den Ablauf diesen speziellen Bedingungen nur anzupassen.

 

Ist es nicht wahrscheinlich, dass ein Ebola-Patient zu seinem Hausarzt geht, weil er von einer Grippeerkrankung ausgeht? Was dann?

Für die Information der Hausärzte ist die Kassenärztliche Vereinigung zuständig. Dennoch haben wir die einweisenden Ärzte informiert. Wir hoffen, dass das nötige Wissen über den Notdienst in die Hausarztpraxen sickert.

 

Gesetzt den Fall, ein Afrikarückkehrer stellt bei sich Fieber und grippeähnliche Symptome fest, wie soll er sich verhalten?

Am besten bleibt er zu Hause und ruft den Kassenärztlichen Notdienst (Telefon 116117) oder den von Rettungsdienst und Feuerwehr Telefon 112 an. Doch bei allem ist mir wichtig zu sagen, dass wir nicht Menschen mit schwarzer Hautfarbe als Ansteckungsgefahr sehen und jetzt meiden. Das Risiko einer Ansteckung tragen Helfer und Reisende aus den Ländern Westafrikas, völlig unabhängig von der Hautfarbe. Wir brauchen bei unseren täglichen Einkäufen nicht auf Abstand zu gehen.

 

Wie überträgt sich das Virus?

Durch Sekrete wie Speichel, Blut oder auch Durchfall. Erst wenn ein infizierter Mensch Fieber bekommt und Schweiß auf der Stirn zeigt, ist er ansteckend. Kontaktpersonen vermehren es nicht, wenn sie gesund sind. Sie sollten vorsichtshalber aber zu Hause bleiben.

 

Wo kann man sich informieren?

Im Internet beim Robert-Koch-Institut und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.rki.de und www.infektionsschutz.de.

 

Würden Sie selbst Ebola-Patienten in einem der betroffenen afrikanischen Länder behandeln?

Ja, das schon. Das Risiko kann man durch geeignete Schutzmaßnahmen kontrollieren. Aus den tragischen Fällen haben wir gelernt. Respekt sollte man aber vor jeder Krankheit haben.

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erstellt am 27.Okt.2014 | 10:00 Uhr

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