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150 Jahre Flensburger Tageblatt : Durchstich vom Holm zum Bahnhof

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

1904 und 1905 entstand die Nikolaistraße mit dem Tageblatt-Haus und dem reich verzierten Haus Nr. 10 gegenüber.

Flensburg | Am 15. Juni 1865 erschien die erste Ausgabe der Flensburger Nachrichten. Als Nachfolgezeitung begeht das Tageblatt den runden Geburtstag mit einer 150-teiligen historischen Serie – immer Dienstag, Donnerstag und Sonnabend im Tageblatt. Heute: das Jahr 1904.

Nach der 27 kommt die 33. Die Hausnummern 29 und 31 gibt es am Holm nicht. Es gab sie einst – bis zum Jahr 1904. Dann mussten die Häuser abgerissen werden, weil die Stadtväter gern neben der Rathausstraße eine weitere Stichverbindung von Flensburgs zentraler Achse Holm/Große Straße hinunter zum Bahnhof bauen wollten, der damals am Standort des heutigen Zob lag.

Obwohl die Straße kurz ist, ist die Quellenlage ihrer Entstehung schwierig. So ist nicht wirklich belegt, warum die Straße an dieser Stelle gebaut wurde. Neu errichtet wurden in den kurzen Jahren des architektonischen Jugendstils in Flensburg von 1904 bis 1906 die Häuser Nikolaistraße 3 bis 7. Die 1 gibt es nicht wirklich; sie ist quasi ein Seiteneingang des Hauses Holm 27. Gegenüber zieht sich das Haus von Mau & Andresen mit seiner typischen Kaufhaus-Fassade weit die Nikolaistraße hinunter. Die 1903 von Gustav Willradt gezeichnete und 1904/05 gebaute, aufwendige und großstädtisch wirkende Fassade aus riesigen Glasflächen und schmalen Metallrahmen überdauerte allerdings nur bis 1922. Sie hielt offenbar dem Flensburger Wetter nicht stand. Besonders auffällig und bis heute ein Schmuckstück ist das Haus Nr. 10 mit seiner ausgesprochen reich verzierten Jugendstil-Fassade.

Das gilt auch für das Stammhaus des Flensburger Tageblatts, die „Niko 7“, 1905 erbaut von Heinrich Petersen. Bauherr war Friedrich Maaß, Druckereibesitzer und Herausgeber der Flensburger Nachrichten, wie das Tageblatt damals noch hieß. Die Fassadenreliefs zeigen im zweiten Obergeschoss Gutenberg als Erfinder der Druckkunst, außerdem mehrere Kleintiere.

Ein bauhistorisches Kuriosum ist das Eckhaus Holm 27. Es vereinigt zwei Stilepochen: zum Holm den Historismus, auch Neurenaissance genannt, aus dem Baujahr 1880, und Elemente des Jugendstils wie das Frauenbildnis (kl. Foto) zur Nikolaistraße; hier stand nach dem Abbruch der beiden Holm-Häuser zunächst die nackte Brandwand.

Auf dem Grundstück der heutigen Holm-Passage wurde irgendwann im frühen 20. Jahrhundert die Handwerkskammer gebaut, die in den 60er Jahren ins Johannisviertel verlegt wurde. An der Ecke zu den Süderhofenden stand einst eine Tankstelle, später wohl ein „Auto-Markt“. Gegenüber ratterte bis in die 80er Jahre hinein die Rotationsmaschine des Tageblatts; deren Behausung und die Parkplätze dahinter verschwanden zu Gunsten des Kino-Hotel-Komplexes (Eröffnung: April 2000).

Die Holmpassage folgt in ihrer Längsstruktur mit dem Versatz in der Mitte dem früheren Kaufmannshof von Herm. G. Dethleffsen. Der Turm des Speichergebäudes wurde erhalten und in die Passage integriert, ebenso wie ein weiteres, bis heute sichtbares Stück. Der etwas schräg stehende Querspeicher wurde später für die legendäre Diskothek „Speicher“ genutzt und enthält heute ein italienisches Restaurant.

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erstellt am 26.Apr.2015 | 18:55 Uhr

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