Glücksburg : Durchs All mit neuer Software

Spendenübergabe: Hochschul-Präsident Christoph Jansen (v.l.), Planetariums-Leiter Rainer Christiansen und Nospa-Vorstandsvorsitzender Thomas Menke.
Spendenübergabe: Hochschul-Präsident Christoph Jansen (v.l.), Planetariums-Leiter Rainer Christiansen und Nospa-Vorstandsvorsitzender Thomas Menke.

Spenden ermöglichen dem Menke-Planetarium die Anschaffung einer modernen Software, die den Sternenhimmel in Echtzeit darstellt.

shz.de von
23. August 2018, 16:50 Uhr

Glücksburg | Der Mond wird um 45 Grad angehoben, dann beginnt der Zoom. 380 000 Kilometer werden in ein paar Sekunden zurückgelegt, bis die Krater des Mondes plastisch vor Augen liegen. Alternativ kann der Mars mit seinen erloschenen Vulkanen angeflogen werden oder der Saturn mit seinem markanten Ringsystem. Das Menke Planetarium hat eine neue Software. Über 30 000 Euro wurden investiert, um Besuchern Astronomie noch anschaulicher präsentieren zu können.

„Geld hatten wir nicht“, erzählt Planetariumsleiter Rainer Christiansen. Eine Spende von 5000 Euro der Nospa sowie anderweitige Unterstützung und Hochschul-Mittel haben es dennoch möglich gemacht. Erst gestern früh musste Christiansen den Lizenschlüssel für die Software erneuern. Die Software heißt Digistar 6 und funktioniert mit Computern, die es laut Christiansen erst seit Jahreswende gibt. Der Rechner ruft im Moment der Abfrage in Echtzeit Bilder aus einer Datenbank ab, die von Raumsonden aufgenommen wurden. Per Controller kann der Blickwinkel verändert werden. Die Bilder gelten als das beste, was es derzeit gibt. „Das ist plastischer als alles bisherige“, so Christiansen. „In unserem kleineren Rahmen machen wir das nach, was das große Planetarium in Hamburg seinen 300 000 Gästen pro Jahr bietet“, sagt Christiansen, der an der Flensburger Fachhochschule das Physik-Labor leitet. Die Planetariums-Arbeit macht er nebenbei, aber mit Leidenschaft, wie zu merken ist.

Das Glücksburger Planetarium hat 50 Sitze und pro Jahr rund 8000 Besucher, davon die Hälfte Schüler, die mit ihren Klassen kommen. 1995 erhielt die Hochschule das Gebäude als Schenkung von der Eigentümerin. Deren Vater, Ingenieur Josef Menke, war kurz zuvor gestorben. Er hatte das Planetarium sowie zwei Türme errichten lassen, um Versuche mit Infrarottechnik, seinem Spezialgebiet, durchführen zu können. Bereits damals fanden astronomische Vorführung für die Bevölkerung statt.
Die zwei hinter dem Planetarium stehenden Türme werden von der Universität nicht genutzt. Das Gebäude-Ensemble stellte sich für die Beschenkten als problematisch im Unterhalt heraus. Anfang 2017 setzte der Denkmalschutz den ungewöhnlichen Sichtbeton, mit dem die Gebäude verkleidet sind, auf seine Liste. Derzeit diskutiere die Hochschule Neubauvorhaben auf dem Campus, in die auch ein Planetarium integriert sei, sagte Universitäts-Präsident Christoph Jansen. Konkret sei da aber noch nichts zu sagen. Im September steht die Rückübertragung der Glücksburger Gebäude an die frühere Eigentümerin an.

Der Vorstandsvorsitzende der Nospa, Thomas Menke, begründete die Wahl des Adressaten für die Spende aus der Sparkassenstiftung 1869 Flensburg scherzhaft mit dem Verweis auf seine Namensverwandtschaft zum Planetariums-Gründer. Der offizielle Wortlaut lobt das Planetarium für sein „schulisches, touristisches und kulturelles Angebot“, dass die Attraktivität rund um Glücksburg und Flensburg steigere. „Wie auch das Bankangebot, wird auch das Angebot des Planetariums digital“, so Thomas Menke.

Neu im Herbst-Programm des Planetariums ist der Kinderfilm „Ein Sternbild für Flappi“ (ab Oktober). Am 26. Oktober findet ein Konzert der dänischen Rockgruppe Fools Paradise statt mit Bildern auf der Fulldome-Kuppel. Bereits an diesem Wochenende erwartet Christiansen eine Hochzeitsgesellschaft. Die Braut, eine Mitarbeiterin seines Instituts, hat sich eine virtuelle Reise zum Mond gewünscht zu Musik von Coldplay.

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