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Flensburger Tageblatt

26. September 2017 | 13:15 Uhr

Wanderserie : Durch das idyllische Marienautal

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf dem Fußweg vom Bahnhof Weiche in die Innenstadt lohnt sich so mancher Abstecher.

Viele Wege führen in die Innenstadt. Welche finden Fußgänger und Radfahrer, wenn sie dorthin gelangen wollen? Die Tageblatt-Redaktion hat sich auf die Suche gemacht und einige Verbindungen ausprobiert. Heute: Vom Ochsenweg in Weiche zur Exe auf dem Friesischen Berg.

Leise plätschert das Wasser im Bach vor sich hin. Vögel zwitschern. Von Radfahrern oder Ausflüglern ist keine Spur im Marienautal. Dabei strahlt die Sonne bei frühlingshaften Temperaturen. Einar Rasmussen bleibt stehen. Sein Blick schweift durch das Tal.

Dies sucht der 68-jährige Rentner regelmäßig auf. Seit fast vier Jahrzehnten wohnt der gebürtige Jürgensbyer in Weiche. Dort am Bahnhof beginnt eine gute Stunde zuvor die Wanderung – kein Zufall, dem Eisenbahnverkehr verdankt der Stadtteil seinen Namen. Vor genau 150 Jahren kam zu der Bahn-Verbindung Flensburg – Tönning ein Abzweig nach Rendsburg hinzu. „So entstand hier die Flensburger Weiche“, sagt Rasmussen.

Auf dem Ochsenweg kommt er an der mittlerweile entweihten St.-Michael-Kirche vorbei. „Ein schönes Gebäude“, sagt Rasmussen. „Die katholische Kirche baute sie Mitte der 60er-Jahre für die Bundeswehrsoldaten, die in der Briesen-Kaserne stationiert waren.“ Die nach General von Briesen benannte Kaserne schloss 1997.

Wenige Hundert Meter hinter der Brücke über die Bahnschienen biegen wir von der Lilienthalstraße auf den Friedensweg ab. Fabriken und Schwerlastverkehr sind auf einen Schlag verschwunden. Pferde grasen auf saftigen Wiesen. Durch die Bäume ist schon der Citti-Park zu sehen.

Einzig lautes Brummen stört die Idylle. Einar Rasmussen blickt zum Himmel. Dort drehen drei kleine Flugzeuge zeitversetzt ihre Runden. „Die kommen vom Flugplatz Schäferhaus an der Lecker Chaussee.“ Früher seien dort noch Lufthansa-Piloten ausgebildet worden.

Von Lärmbelästigung ist im angrenzenden Marienautal keine Spur. Schmale Trampelpfade führen durch das Strauch- und Baumdickicht. Nur einige Meter weiter östlich bahnt sich die Marienau ihren Weg durch das naturnahe Flussbett. Überhaupt sieht die Landschaft weitgehend naturbelassen aus. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen, das passt ins Bild. „Hier ist es fast immer so ruhig und verlassen“, sagt Rasmussen. Er kommt gern hier her. „Wenn ich von Weiche nach Flensburg muss, nehme ich oft das Rad und fahre durch das Tal.“

Noch blühen die Bäume dort nicht, aber Bodendecker-Pflanzen verleihen dem Marienautal einen grünen Anstrich. Rasmussen hält kurz inne, atmet tief ein und aus. Er kennt sich hier aus, doch auch Ortsunkundige können sich kaum verlaufen. An Wegkreuzungen stehen moosbedeckte Holzschilder. Wir folgen dem Hinweis Richtung „Nikolaiallee“. Der Weg führt aus dem waldbedeckten Tal heraus und an Feldern vorbei. Die Äcker sind glatt, noch wächst dort nichts an der Oberfläche.

Mit der Einsamkeit ist es kurz darauf vorbei. Einige Autos fahren gemächlich die Nikolaiallee entlang. Einen Fußweg gibt es nicht. Einen halben Kilometer nach der Unterquerung der Westtangente biegt Rasmussen links auf einen unscheinbaren Pfad ein. Er führt schnurstracks zu den Flensau-Teichen. Die sind zwar künstlich angelegt, bieten aber ein lauschiges Kleinod direkt hinter der Eckener-Schule. Wieder ist kein Mensch zu sehen. Die einzigen Besucher: zwei Stockenten, die im Wasser nach Nahrung suchen. Neben den kleinen Teichen liegen mächtige Bäume entwurzelt in der Gegend herum – ein Andenken an Sturm Christian.

Das sieht keine hundert Meter weiter ganz anders aus. Ausgediente Teppiche, Bretter und Schaumstoffteile lehnen an einem mit Graffiti besprühten Stromkasten zwischen Büschen. Rasmussen schüttelt den Kopf. „In Flensburg gibt es genügend Möglichkeiten, den Kram ordnungsgemäß zu entsorgen.“ Sein Blick wandert zu den Flensau-Teichen. „Das ist ein wirklich schöner Fleck.“ Vom Verkehr der Westtangente ist nichts zu sehen, wohl aber in Form eines leichten Rauschens zu hören. Das nimmt deutlich zu, je mehr wir uns der Straße Zur Exe nähern. Dort endet die Wanderung. Statt plätscherndem Wasser gibt es hier knatternde Autos, statt zwitschernder Vögel plaudernde Passanten.

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