Düppel steht für das Miteinander

Perspektiven des Jubiläums: Renate Schnack (links) und Anke Spoorendonk diskutierten.
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Perspektiven des Jubiläums: Renate Schnack (links) und Anke Spoorendonk diskutierten.

ADS-Dialog: Minderheitenbeauftragte Schnack und Ministerin Spoorendonk diskutierten Perspektiven der Jubiläumsfeiern

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02. November 2013, 15:00 Uhr

Das 150. Jubiläum der Schlacht von Düppel im April nächsten Jahres wolle nicht an das Trennende erinnern, nicht nur der Toten gedenken, sondern das Verbindende in den Mittelpunkt rücken, Beispiele eines guten Miteinanders aufzeigen und Visionen für die Zukunft skizzieren. So beschrieb Kulturministerin Anke Spoorendonk beim ADS-Dialog die Perspektiven, die den Feiern gegeben werden sollen – als Symbol des friedlichen, deutsch-dänischen Miteinanders.

Zum zehnjährigen Jubiläum wartete der ADS-Grenzfriedensbund mit einer bemerkenswert symbolträchtigen Premiere auf. Die schon zur Tradition gewordene Reihe der Dialogveranstaltungen fand am Donnerstagabend erstmals in einer Einrichtung der dänischen Minderheit statt: im Flensborghus, dem dänischen Kulturzentrum in Flensburg. Teilnehmer werteten die Öffnung des Hauses für einen deutschen Grenzverein als positives Zeichen für das Klima im deutsch-dänischen Verhältnis. Die Weichen dafür hatte mit viel Geschick ADS-Vorstandsmitglied Renate Schnack gestellt, im Hauptamt Minderheitenbeauftragte der Landesregierung. Als Hauptrednerin warb Anke Spoorendonk (SSW), Ministerin für Justiz, Kultur und Europa, dafür, die Gespräche über die Grenze hinweg weiter zu vertiefen, „so dass aus den Dialogen Kooperationen werden“.Die Kieler Ministerin war eingeladen worden, um mit Blick auf den bevorstehenden 150. Jahrestag der Schlacht auf den Düppeler Schanzen im April 1864 Chancen auszuloten, wie die deutsch-dänische Zusammenarbeit weiter intensiviert werden kann. Sie freue sich über das bisher Erreichte, sagte Anke Spoorendonk und erinnerte an Zeiten, in denen Deutsche und Dänen „getrennt voneinander, bestenfalls nebeneinander, aber nie miteinander lebten“.

Das Düppel-Gedenken erinnere daran, was gestern war. „Wir leben das Heute“, unterstrich Spoorendonk. Und das sei aus ihrer Sicht ein vorbildliches Miteinander, das zusätzlich gestärkt werde durch europäische Förderprogramme. All diese Aspekte seien eingebettet im europäischen Kontext, vor allem in der grenzüberschreitenden Kooperation im Rahmen des Interreg-Programms der Europäischen Union.

Die neue Interreg-Förderperiode wird, so berichtete die Europaministerin weiter, zwei Förderräume vereinen: die im nördlichen Grenzgebiet mit den Minderheiten beiderseits der Grenze und - neu - die Fehmarn-Belt-Region, in der sich nach der Realisierung der Tunnelpläne „völlig neue Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen Norddeutschland und Dänemark eröffnen“.Die Ministerin hob die Bedeutung der eigenen regionalen Identität hervor. Denn: „Kultureller Austausch und kulturelle Kooperation verbinden Regionen und Völker.“ Kultur mit all’ ihren Facetten sei damit die Brückenbauerin über alle Grenzen hinweg. Das Förderprogramm der Region Syddanmak und der Landesregierung Schleswig-Holstein trage dieser Erkenntnis Rechnung und unterstütze gemeinsame, verbindende kulturelle Aktivitäten, auch solche, die auf Düppel Bezug nehmen. Als Beispiele nannte sie ein Literaturseminar mit Texten von Theodor Fontane, Hermann Bang und Tom Buk-Swienty („Schlachtbank Düppel“), ein Theaterprojekt („Tagebuch einer Katastrophe“) und eine Tagung deutscher und dänischer Historiker, die auch die Frage ausleuchten sollen, wie die Geschichte die Gegenwart geprägt hat.

Die Minderheiten beiderseits der Grenze seien bereit, gemeinsam die Entwicklung ihrer Region zu gestalten, resümierte die Ministerin und plädierte dafür, in offenen und ehrlichen Dialogen stets Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Daraus könne eine Basis für eine gemeinsame Zukunft erwachsen. In einer lebendigen, anregenden Diskussion wurden Befürchtungen laut, das Düppel-Gedenken könne zu einem Spektakel für das Publikum werden. Die Erinnerung an eine blutige Schlacht dürfe nicht zu einem Rummel oder Volksfest verkommen. Angemahnt wurde stattdessen ein „würdiges Gedenken“. Auch dürfe man den Blick nicht nur auf die militärischen Ereignisse im Jahr 1864 verengen, sondern müsse auch die Situation der Zivilbevölkerung würdigen. Als erfreulich und hoffnungsvoll stimmend wurde die Entwicklung im deutsch-dänischen Verhältnis vom Gegeneinander zum Miteinander bezeichnet; nun müsse das Füreinander folgen.

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