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Katastrophenhilfe : DRK-Schwester im Taifun-Einsatz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Margot Dietz-Wittstock aus der Zentralen Notaufnahme der Diako war vier Wochen lang auf den Philippinen in einem Hygiene-Team aktiv

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2014 | 12:01 Uhr

Ihr Alltag ist die Zentrale Notaufnahme in der Diako. Hier herrscht jeden Tag ein Riesenandrang, es werden mehr Notfälle aufgenommen als in der Berliner Charité. Schwester Margot Dietz-Wittstock, pflegerische Leiterin der Notaufnahme, bewahrt hier den Überblick. Sie kennt aber auch ganz andere Einsatzorte. Als Mitglied der DRK-Schwesternschaft hilft Margot Dietz-Wittstock bei Auslandseinsätzen in Katastrophengebieten. Vor wenigen Tagen ist sie von den Philippinen zurückgekommen, wo der Taifun Haiyan im November große Teile des Landes verwüstete. Insgesamt wurden 6241 Tote in Südostasien gezählt.

Ihr Einsatzort war die Küstenstadt Dulag auf der Insel Leyte, relativ zentral im Inselstaat Philippinen. Auch hier hatte Haiyan, der vor Ort Yolanda genannt wird, ganze Arbeit geleistet. „Viele viele Häuser waren noch nicht wieder aufgebaut, das geht jetzt erst richtig los. Es sah aus wie nach einem Tsunami. In Küstennähe hat es starke Überflutungen gegeben. Die Palmen sahen aus wie gerupft; sie brauchen zehn Jahre, bis sie wieder Früchte tragen.“

Eine große Gefahr nach Naturkatastrophen ist die Ausbreitung von Epidemien durch verunreinigtes Trinkwasser, fehlende Sanitäreinrichtung und einer allgemein schlechten Hygiene. Hier setzte Schwester Margot mit ihrem kleinen Spezialteam an. Ihre Aufgabe war es, zusammen mit Rotkreuz-Kräften des Landes die Bevölkerung über die Bedeutung der täglichen Hygiene aufzuklären und zu informieren. „Hygiene Promotion“ nennt man das. Während andere Kräfte ihrer Einheit Latrinen bauten und gegen Malaria kämpften, setzte Schwester Margot an der Basis an, um der Ausbreitung gefährlicher Krankheiten vorzubeugen – zum Beispiel in Grundschulen. „Da haben wir den Kindern gezeigt, wie man sich richtig die Hände wäscht und wie wichtig das für ihre Gesundheit ist.“ Doch das ist nur ein kleines praktisches Beispiel für die ungemein vielfältige Arbeit einer DRK-Schwester im Katastropheneinsatz.

Und ob man es glaubt oder nicht: Nicht nur hier in Deutschland, sondern auch im Taifun-Gebiet wird haarklein dokumentiert, was man gemacht hat und vor allem wie viele Menschen und Haushalte man erreicht hat. Dokumentation und Qualitätsmanagement gehören dazu, auch im Katastropheneinsatz. Nur so kann das Rote Kreuz evaluieren, ob es auf dem richtigen Weg ist.

Besonders beeindruckt hat sie die Motivation, die Einsatzfreude und der Ernst, mit dem die philippinischen Rotkreuz-Kräfte ihre Arbeit verrichtet haben. „Die nehmen die ursprünglichen Werte der Rotkreuz-Idee noch richtig ernst“, sagt sie. Doch auch die Ehrlichkeit der Menschen hat sie begeistert: „Obwohl es keine Bewachung gab, ist die ganz Zeit nicht ein Knopf weggekommen.“ Ihr spektakulärster Einsatz war allerdings nicht geplant. Bei einem schweren Motorradunfall leistete sie Erste Hilfe. Das sprach sich im Viertel sehr schnell herum. Tags drauf kamen Kranke, Verletzte und Mütter mit ihren fiebernden Kindern ins DRK-Camp.

Immer wieder ist Schwester Margot im Ausland dabei, oft auch ganz kurzfristig – trotz personeller Engpässe ermöglicht die Diako ihr diese Einsätze. Sie war auf Sumatra und in Haiti, und erst kürzlich hat sie ihren Urlaub in Kenia ganz privat bei einem Hilfsprojekt verbracht. Immer wieder verblüfft es sie, „wie Menschen glücklich sein können, obwohl sie nicht mehr haben als das, was sie am Leibe tragen“. Nach der Rückkehr falle es ihr dann schwer, sich wieder an die Bedürfnisse und oft auch fehlende Geduld der Menschen zu gewöhnen.

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