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Win-AG-„Gewinnspiel“ : Dreiste Telefon-Abzocke in Flensburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Harrisleerin wird am Telefon von Betrügern aufgefordert, 3700 Euro Schulden zu begleichen. Beinahe wird sie schwach.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2014 | 07:00 Uhr

Flensburg | Der Anrufer wollte Geld. Er schlüpfte in verschiedene Rollen. Und er war hartnäckig. Bärbel Hansen* aus Harrislee wurde vor einigen Tagen um ein Haar Opfer seiner besonders perfiden Strategie. Ihr fiel fast der Hörer aus der Hand, als sie den Anruf erhielt, der sie bis heute beschäftigt – und ängstigt. Deshalb möchte sie ihren Namen an dieser Stelle nicht preisgeben.

Der Mann am anderen Ende der Leitung behauptete dreist, dass das Gewinnspiel-Unternehmen „Win“ eine Forderung von 3700 Euro gegen sie vorliegen hätte. „Ich habe das bestritten und ihm klar gemacht, dass ich so viel Geld gar nicht habe.“ Auch an ein Gewinnspiel, an dem sie angeblich teilgenommen haben soll, kann sie sich nicht erinnern. Doch damit gab sich der Anrufer nicht zufrieden.

Kurz danach rief ein „Herr Kaiser von der Verbraucherzentrale“ an. Merkwürdig nur, dass die Stimme von „Herrn Kaiser“ verdächtig ähnlich klang, wie die seines Vorgängers. Unheimlich: Tatsächlich erschien die Telefonnummer der Flensburger Verbraucherzentrale (0461-28604) im Display, obwohl es einen Mitarbeiter gleichen Namens dort nie gegeben hat oder gibt.

„Herr Kaiser“ also behauptete, die Verbraucherzentrale habe sich eingeschaltet; seine freudige Botschaft: Er habe die Forderung für sie auf 2500 Euro reduzieren können. Bärbel Hansen wusste nicht mehr, wo ihr der Kopf stand. Verunsichert legte sie auf – und rief ihre Tochter an. In ihr regte sich der Verdacht, es könne sich um eine üble Masche handeln.

So landete der Fall bei der Polizei. Doch er kann noch nicht ad acta gelegt werden. Die Harrisleerin bekam kurz danach wieder einen Anruf – diesmal von einem Kripobeamten, der sie ebenfalls zur Zahlung des Betrages aufforderte. Diesmal wurde die private Telefonnummer eines pensionierten, real existierenden Polizeibeamten angezeigt, der ihr persönlich bekannt war. „Er nannte seinen Namen und auch seine Privatadresse in einem Nachbardorf.“

Der Fall wurde immer undurchsichtiger – spätestens dann, als sie erneut von einem (ihr unbekannten) angeblichen Polizeibeamten angerufen wurde, der ihr drohte: Sie solle es sich gut überlegen, wenn sie nicht zahle, sei sie vorbestraft; die Vorladung beim Gericht in Frankfurt liege bereits vor. Bärbel Hansen entging nicht, dass die Stimmen aller vier Anrufer nahezu identisch waren.

Zu diesem Zeitpunkt schaltete sie Christine Hannemann, die (echte) Leiterin der Verbraucherzentrale Flensburg ein. Diese stellt klar: „Wir rufen grundsätzlich keine Verbraucher an.“ Bei ausgehenden Anrufen werde im Übrigen stets eine Kieler Nummer angezeigt. Es sei schlechterdings kein Problem, eine Telefonanlage so zu programmieren, dass am anderen Ende der Leitung eine falsche Nummer angezeigt werde. „Bei der Win AG handelt es sich ganz offensichtlich um Betrüger“, sagt die Verbraucherschützerin. Sie ermuntert potenzielle Opfer: „Nicht einschüchtern lassen! Kommen Sie zu uns, wenn Sie eine schriftliche Zahlungsaufforderung erhalten haben, wir helfen gern weiter.“

Ein Blick ins Internet verrät, dass der Trick mit dem Gewinnspiel sich großer Verbreitung erfreut. Angebliche Mitarbeiter aus der Buchhaltung der „Win AG“ oder „Staatsanwälte“ im Auftrag der Firma versuchen, sich Kontodaten zu erschleichen. Sie drohen unverhohlen mit einem Eintrag bei der Schufa, wenn ihnen Widerstand oder Misstrauen entgegen schlägt. Und die Unternehmen tauchen immer wieder unter verschiedenen Namen auf.

Die Polizei rät: Einfach auflegen! Man könne auch eine schriftliche Rechnung verlangen und dann in Ruhe überprüfen, ob die Forderung korrekt sei. Bärbel Hansen weiß, dass dies nicht der Fall ist. Dennoch hätte sie fast gezahlt, „wenn ich das Geld gehabt hätte“. Sie habe die Anrufer einfach nur loswerden wollen.
 

* Name geändert

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