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Küster in Sörup : Dreimal Weihnachten an einem Tag

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

An Heiligabend ist Richard Krenz als Küster der Söruper Kirche im Einsatz. Die Bescherung mit der Familie muss zwischen den Gottesdiensten stattfinden.

„Moment, ich komme gleich. Ich muss nur noch kurz den Baum sichern“, sagt eine Stimme, die aus der Mitte eines riesigen Weihnachtsbaums kommt. An diesem Tag kurz vor Weihnachten hat Richard Krenz alle Hände voll zu tun. Er ist Küster der Söruper St. Marienkirche und bereitet im Gotteshaus alles für Heiligabend vor.

Dazu gehört auch das Aufstellen eines sechs Meter hohen Baums. Sechs Helfer wuseln durch die Kirche, bis die gespendete Tanne richtig steht. Dann, nach einigen Minuten, gibt es auch ein Gesicht zur Stimme: Richard Krenz kommt hinter dem Baum hervor. Er ist seit über 18 Jahren Küster in Sörup. Der gelernte Baumschulgärtner ist gleichzeitig Friedhofsverwalter und mag seinen Job, obwohl der gerade in der Weihnachtszeit zusätzliche Arbeit bedeutet. „An den Feiertagen herrscht in der Kirche eine ganz besondere Stimmung. Es ist schön, das mitzuerleben“, findet der 61-Jährige.

Dass er arbeiten muss, wenn andere mit ihrer Familie feiern, daran hat er sich inzwischen gewöhnt. „Unser Weihnachtsessen gibt es schon am Mittag“, erzählt er. Bei Familie Krenz kommt dann traditionell Kaninchen auf den Tisch. „Wir haben ungefähr zwei Stunden für uns, bevor ich wieder in die Kirche muss.“

Am Vormittag des Heiligen Abends hat er zu diesem Zeitpunkt bereits alles vorbereitet. Ab 8.30 Uhr wirbelt er durch das Gotteshaus, damit später alles rund läuft. „Auf dem Weg zur Arbeit hole ich als Erstes weiße Lilien für die Krippe und neue Altarsträuße.“ Zudem programmiert er die Glockenanlage, verteilt Liederhefte, bestückt die Liedtafeln und überprüft, ob der Tannenbaum richtig gesichert ist.

Vor dem ersten Gottesdienst um 15 Uhr wirft sich Richard Krenz in Schale: „Ich habe einen speziellen Anzug für die fröhlichen Anlässe in der Kirche. Außerdem habe ich einen roten Weihnachtsschlips, den ich immer an Heiligabend trage“, erzählt er und schmunzelt. Dieser gehöre für ihn und viele Besucher einfach dazu.

Neben dem Gottesdienst um 15 Uhr gibt es noch weitere um 17 und 23 Uhr – jeweils mit anderen Pastoren. Der Küster ist jedoch bei allen anwesend. „Von 13.30 bis 18.45 Uhr bin ich non-stop im Einsatz“, erzählt er. Dabei habe jeder der drei Gottesdienste seine ganz eigene Atmosphäre. „Nachmittags beim Krippenspiel liegt so viel Spannung und Glück in der Luft. Die Kinder kommen mit großen leuchtenden Augen hierher.“ Mit bis zu 450 Besuchern ist die Kirche dann bis auf den letzten Platz gefüllt. „Ab zwanzig vor drei wird es richtig voll.“ Der Küster steht als Ansprechpartner bereit und hilft bei der Platzsuche. „Ich versuche, etwas Ruhe in die ganze Aufregung zu bekommen.“ Natürlich sei er zu dieser Zeit angespannt, weil es in seiner Verantwortung liegt, dass das Krippenspiel reibungslos vonstatten geht. „Bisher ist zum Glück noch nichts Schlimmes passiert.“

Nach Ende des ersten Gottesdienstes wird es in der Söruper Kirche richtig hektisch. „Wir müssen komplett umbauen, die Glühbirnen werden durch echte Kerzen ersetzt und die Podeste des Krippenspiels aus der Kirche gebracht.“ Weil es schnell gehen muss, hat sich für diese Aufgaben in den vergangenen Jahren ein eingespieltes Team gebildet, das den Küster unterstützt. „Ich delegiere dann nur noch“, erzählt er und lacht. Und eine Sache gönnt er sich noch: „Um 16.20 Uhr ziehe ich mich einige Minuten in mein Büro zurück und feiere für mich etwas Weihnachten.“ Richard Krenz macht dann Musik an und holt ein Päcken mit selbstgebackenen Keksen seiner Frau hervor und genießt einen Moment der Besinnung.

Doch lange hält er es nicht aus. „Spätestens nach zehn Minuten werde ich unruhig. Dann gehe ich zurück und schaue, ob alles in Ordnung ist.“ Zu diesem Zeitpunkt hat sich die Kirche ein weiteres Mal gefüllt. „Dieser Gottesdienst ist ganz anders. Man könnte eine Stecknadel fallen hören, so ruhig ist es“, erzählt Krenz aus seiner Erfahrung. Auch seine Familie ist dann unter den Besuchern, denn nach dem Gottesdienst um 17 Uhr heißt es auch im Hause Krenz: Bescherung. Diese Zeit lässt sich der Küster nicht nehmen. „Bevor ich nach Hause fahre, bereite ich noch schnell alles für 23 Uhr vor.“

Und wie wird Weihnachten gefeiert? „Ganz besinnlich unterm Tannenbaum. Wir musizieren zusammen, verteilen die Geschenke und genießen die Gemeinschaft.“ Dass er später nochmal in die Kirche muss, verdrängt Richard Krenz zu diesem Zeitpunkt. „Aber das funktioniert leider nicht lange. Spätestens um 21.30 Uhr werde ich wieder unruhig.“ Gegen 22 Uhr muss er die Familie verlassen. „Natürlich fahre ich dann mit gemischten Gefühlen. Ich würde einerseits gerne zu Hause bleiben, andererseits ruft aber die Pflicht.“

Trotz allem sei der späte Gottesdienst für ihn ein stimmungsvoller Ausklang des Tages. „Hier bin ich am entspanntesten und kann auch die Atmosphäre etwas genießen.“ Erst gegen 0.30 Uhr endet für Richard Krenz der Arbeitstag. Wenn er dann nach Hause kommt, sind meist schon alle im Bett. „Ich trinke dann noch ein Glas Rotwein und höre etwas Weihnachtsmusik.“ Am 1. Weihnachtstag hat Richard Krenz in diesem Jahr frei, dann ist „Zeit für die Familie“.

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erstellt am 23.Dez.2016 | 07:00 Uhr

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