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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 18:13 Uhr

Drei Städte – ein Ziel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Partnerschaft mit Carlisle und Słupsk soll neu belebt werden – mit Parkeinweihung und Besuch aus den Partnerstädten

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2014 | 12:37 Uhr

Carlisle, Słupsk, Neubrandenburg – in den letzten Jahren hat der Dreiklang der Flensburger Partnerstädte zumindest nach außen hin an Wirkung verloren. Jetzt soll der Städteverbindung neues Leben eingehaucht werden. Das nächste sichtbare Zeichen dafür soll heute Vormittag die feierliche Einweihung und offizielle Namensgebung für den Słupsk-Park sein. Wer bislang über die grüne Anlage in Fruerlund zwischen Mühlenholz und Ostlandstraße sprach, nannte sie Generationenpark. Nach Ansicht mancher Flensburger war die Namensfindung zwar kein Meisterstück der Bürgerbeteiligung (wir berichteten), doch stimmte die Ratsversammlung am 22. Mai schließlich mit stattlichen 35 Ja-Stimmen, vier Gegenstimmen und bei einer Enthaltung für die Bezeichnung als Słupsk-Park.

Ratsherr Arne Rüstemeier hegt den Wunsch, der Partnerschaft mit der polnischen Stadt zwischen Stettin und Danzig öffentlich zu gedenken. Er beobachtet den „gefährlichen Trend“, dass sich Menschen in Europa auf dem ausruhen, was sie erreicht haben. Jedoch sei der Austausch nach wie vor „wichtig, um das Handeln der Nachbarn verstehen zu können“. Was den Christdemokraten besonders freut, ist, dass junge Leute aus den Partnerstädten heute in Fruerlund mitfeiern. Mit der Namensgebung baue Flensburg „sinnbildlich eine Brücke“ in den für viele „noch immer fernen Osten Europas“, betont er.

Genau dies, das Brückenbauen, liegt auch dem Austausch mit der englischen Stadt zugrunde. Carlisle und Flensburg sind seit 1961 Partner. 1959, so geht aus Archivmaterial hervor, nahm der British Council in Hamburg Kontakt zu „Dr. Johannsen“ von der Flensburger Stadtbücherei auf. In dem Brief ist vom „Erziehungsdirektor der Stadt Carlisle“ die Rede, der „sehr an einem Patenschaftsverhältnis mit einer Stadt ähnlicher Grösse in Schleswig-Holstein interessiert ist“. Eine gewisse „Miss Davies“ vom British Council in Köln, die als ortskundig eingeführt wird, „schlug Flensburg vor“. Zunächst will „D. S. Clarke“, der Absender des Briefes, jedoch Flensburg und die Stadtväter besuchen und die Angelegenheit gründlich besprechen. Clarke bittet Johannsen daher, „dieses Projekt nicht an die große Glocke zu hängen“.

In seiner Rede zum Festakt am 29. Juni 1988 anlässlich der Begründung der Partnerschaft mit Słupsk erinnert der damalige Stadtpräsident Lothar Hay, dass die Ratsversammlung bereits 1972 beschlossen habe, „Kontakte zu einer polnischen Ostseestadt herzustellen mit dem Ziel, eine Städtepartnerschaft einzugehen“. Die Zurückhaltung der polnischen Behörden traf auf norddeutsche Hartnäckigkeit und die von Carlisle ausgehende Idee einer dreiseitigen Städtepartnerschaft. Die Briten legten im April 1987 vor; die Ratsversammlung ratifizierte den Vertrag zwischen Flensburg und Słupsk dann am 23. Juni 1988 – einstimmig. „Man kann die Behauptung aufstellen, dass aufgrund dieses Vertrages kein Bereich einer städtepartnerschaftlichen Zusammenarbeit ausgeschlossen wird; es ist alles möglich“, heißt es in der Rede von 1988.

Ähnlich lange, seit 1987, ist Flensburg schließlich mit Neubrandenburg verbunden. Das Besondere an dieser Städtepartnerschaft sei gewesen, dass sie bereits vor der Wende angebahnt worden sei, als es etwa um den Aufbau der Verwaltung dort gegangen sei, sagt Clemens Teschendorf. Der Austausch sei auch ein „Signal“ gewesen, bemerkt Flensburgs Pressesprecher, jedoch ruhe er politisch inzwischen. Nicht jedoch zwischenmenschlich; ein jüngeres Beispiel dafür ist das Gastspiel der Nordangler Speeldeel in Neubrandenburg.

Im Fokus der Partner steht daher die Zukunft des trilateralen Austauschs. Im Zuge des Haushaltskonsolidierungspakts wurden Mittel für die Städtepartnerschaft gekürzt, weiß Teschendorf. Vor diesem Hintergrund hat sich die Kommunalpolitik dennoch zur „Fortführung der politischen Begleitung“ der Beziehungen bekannt. Die Ratsversammlung einigte sich darauf, Delegationsreisen, die im Rotationsprinzip stets in eine andere der drei Städte führte, nun nur noch alle zwei Jahre zu veranstalten. Słupsk wurde zudem beauftragt, sagt Teschendorf, die Gründung einer Youth Association zu skizzieren. „Wir müssen auch ein bisschen darauf achten, welchen Zweck solche Partnerschaften haben“, gibt der Verwaltungssprecher zu bedenken. Sie sollten jedenfalls keinem „Selbstzweck“ dienen, sondern dem Erfahrungsaustausch. Aufgewertet worden sei der trilaterale Jugendaustausch, der seit 1989 besteht und jährlich fortgesetzt wird. Gestern Abend erst sind die Jugendgruppen aus Polen und Großbritannien in Flensburg eingetroffen. Bis zum 22. August steht ihnen ein volles Programm bevor.

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