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Salondampfer in der Werft : Drei morsche Stellen: Die „Alexandra“ wird geflickt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Kiel-Friedrichsort wird der Schiffskörper untersucht und repariert. Saisonbeginn soll zur Rum-Regatta sein.

shz.de von
erstellt am 31.Mär.2016 | 10:30 Uhr

Flensburg/Kiel | Sie hat zwar einen frischen TÜV, aber für die Teilnahme am Seestraßen-Verkehr ist die „Alexandra“ aktuell nicht geeignet. Flensburgs dampfendes Denkmal liegt hoch und trocken auf der Werft in Kiel-Friedrichsort und vorne im Schiffsbauch klaffen deutlich unter der Wasserlinie drei große Löcher. Sie sind Resultat der gründlichsten Inspektion, die die Alexandra seit ihrer Wiederinbetriebnahme 1988 erlebt hat. Drei mürbe Stellen vorne im Schiff – mehr Schwächen förderte die intensive Untersuchung des Schiffskörpers nicht zu Tage. Die Kieler Werftleute sind schon dabei, den schadhaften kaiserlichen Schiffsstahl zu tauschen.

Kapitän Günter Herrmann ist erleichtert. Angegriffene Rumpflächen mit weniger als fünf Millimeter Dicke gab es nur wenig. 107 Jahre nach dem Stapellauf hätte man sich auch über mehr Rostfraß kaum aufregen dürfen. „Okay. Zu 100 Prozent sicher sind wir erst nach dem Sandstrahlen“, räumt er ein. Aber Herrmann ist ziemlich sicher, dass ihn seine Alexandra nicht enttäuschen wird.

Wenn die Schweißarbeiten erst erledigt sind, wird das gesamte Unterwasserschiff sandgestrahlt, bekommt einen neuen Farbaufbau – und die ehrenamtliche Crew eine Menge ehrenamtlicher Arbeit. Denn aus Kostengründen wird die mühselige Arbeit im Inneren de Dampfers unentgeltlich von Mitgliedern des Fördervereins geleistet. Die hatten vor der Überführung zur Werft das Vorschiff der Alex in wochenlanger Kleinarbeit gründlich entkernt.

Und weil die Alexandra Niete für Niete und Paneel für Paneel ein Denkmal ist, wurde jedes ausgebaute Teil archiviert und nummeriert, damit es an der richtigen Stelle wieder eingebaut werden kann. „Ich weiß gar nicht wie viele Teile das sind – unser Bootsmann Horst Petersen hat ein dickes Buch angefertigt, da sind wir weit über 1000“ sagt der Kapitän. Das alles soll auf umgekehrtem Weg wieder eingebaut werden – im laufenden Betrieb ab dem 7. Mai. Denn dann, pünktlich zur Rum-Regatta soll die Alexandra wieder in Flensburg sein und noch eine Saison lang Geld einfahren.

Und Geld braucht sie reichlich. Im Oktober bekommt das Dampfschiff in Husum einen neuen Kessel eingepflanzt – eine ziemliche Operation, bei der das Schiff für den Ein- und Ausbau aufgeschnitten werden muss. 680.000 Euro wird das kosten. Für den Förderverein ist das trotz großer Unterstützung durch Einzelspender, das Land, die Stiftung Denkmalsschutz, das Alexandra-Kuratorium und die Sparkassenstiftung eine gewaltige Herausforderung. Noch heute, so Burkhard Lauritzen vom Kuratorium, fehlen 38.000 Euro, um am Ende alle Rechnungen bezahlen zu können. Spenden bleiben willkommen.

Günter Herrmann wagt die Vorhersage, dass Flensburgs seegehendes Technik-Denkmal dann nach menschlichem Ermessen fit sein müsste für die nächsten 20 Jahre. Mindestens. Lauritzen, findet: das ist den Einsatz wert. Am Ende eines Bildvortrags, mit dem er bei potenziellen Spendern tingeln geht, hat er Bilder von zwei beliebten Flensburger Fördedampfern im Jetzt-Zustand einander gegenübergestellt: Die Alexandra, vital unter Volldampf auf der Flensburger Förde und die Albatros, die seit 1971 vor Damp aufliegend in ihrem Betonfundament traurig vor sich hinrostet. Darunter der Appell des Kuratoriums: „Bitte helfen Sie, das zu verhindern!“

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