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Drei Generationen Frauen lieben das alte Häuschen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Leben im alten Kutscherhaus in der Apenrader Altstadt wurde zur Familientradition

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2013 | 16:00 Uhr

Ein kleines Haus in der Apenrader Ladenstraße (Ramsharde 30) erzählt die Geschichte von drei Generationen beeindruckender Frauen, von denen sich zwei mit ihren Töchtern allein durchschlagen mussten – ohne Ehemann und Vater. Das Haus wird von den Frauen wird bereits in der dritten Generation bewohnt – weitergegeben von Tochter zu Tochter.

Die Geschichte dieses Hauses und die damit verbundene Familiengeschichte begann damit, dass eine Emma Marie Kirmeß, geboren im Jahre 1880, dem Steuermann und späteren Kapitän Peter Justi das Jawort gab und eine Tochter mit ihm zeugte. Als diese Tochter drei Jahre alt war, kehrte Kapitän Justi nicht von der See zurück, und Emma Marie Justi, die keinen Beruf gelernt hatte, musste ihre Tochter von nun an allein durchbringen.

Zur selben Zeit erlitt der Fuhrunternehmer Albert Tögesen einen Schlaganfall und wurde zu einem Pflegefall. Emma Marie zog mit ihrer dreijährigen Tochter bei dem Fuhrunternehmer ein, um ihn zu pflegen. „Meine Großmutter wusste sich zu helfen – so begann sie sich zusätzlich mit dem Handel von Hefe und kleinen Handarbeiten etwas Geld dazu zu verdienen“, so Irene.

Da der alte Fuhrunternehmer keine Angehörigen mehr hatte, vermachte er seiner treuen Pflegerin das Haus. Somit kam Emma Marie Justi, die erste der drei Frauen, in den Besitz dieses Gebäudes. Jetzt hatte sie ein eigenes Haus, in dem sie ihre Tochter großzog, die es dann später auch erben sollte.

Zum Haus gehört auch noch ein kleiner Schuppen im Hinterhof aus der Zeit des Fuhrunternehmer, in dem Pferde und Wagen untergebracht wurden.

Emma Marie gelang es, genug Geld zusammenzusparen, um ihrer Tochter ein Medizinstudium in Süddeutschland zu ermöglichen. Die ausgebildete Ärztin, die ebenfalls den Namen Emma Marie trug, bekam eine feste Stelle in Pforzheim bis der Zweite Weltkrieg ausbrach. Nach dem Krieg heiratete die Ärztin und bekam drei Töchter, die viel Zeit bei ihrer Oma in dem kleinen Häuschen in Apenrade verbrachten.

Die Großmutter hatte inzwischen den unteren Teil des Gebäudes an einen Ladenbesitzer vermietet und sich den Dachstuhl als Wohnraum ausgebaut. Mit der Miete werden bis heute das Haus und die anfallenden Reparaturen finanziert.

Eine der Töchter, Irene, führt die Familientradition fort und möchte das Haus ebenfalls ihrer Tochter Anna vererben. Irene hat in Kiel Biologie studiert und lebt in Karlsruhe, ihre Tochter Anna studiert ebenfalls Biologie an der Kieler Universität. Tragischerweise verlor auch Irene ihren Mann und so kommt es, dass Mutter und Tochter wieder auf sich allein gestellt sind. „Wir kommen sehr gern nach Apenrade, schließlich haben wir ja unsere Wurzeln hier. Ich bin so froh, dass Anna es hier auch genießt und sie die Tradition fortführen will. Wir haben uns ein paar handwerkliche Fähigkeiten angeeignet, sodass wir kleine Reparaturen selbst erledigen.“ Ganz im Sinne der Oma: Selbst ist die Frau!

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