"Dor wurr op de Putz haut" - Plattdeutsch-Runde erinnert an Feste von gestern

 Hatten 'veel to vertellen': Wolfgang Jensen, Gisela Carstens und Hans Lorenzen (von links). Foto:  U. KÖHLER
Hatten "veel to vertellen": Wolfgang Jensen, Gisela Carstens und Hans Lorenzen (von links). Foto: U. KÖHLER

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11. Oktober 2012, 03:59 Uhr

GELTING | Aus eigenen Erinnerungen und vom Erzählen her kennen sie sich mit dem Feste feiern aus, die Geltinger Plattdeutsch-Freunde, die sich mit ihrem "Baas" Wolfgang Jensen aus Hellert seit 2002 jeden zweiten Montag im Monat im Gemeindehaus neben dem Pastorat treffen. Ihre Schnack-Treffen in launiger Runde dienen der Pflege und dem Erhalt der plattdeutschen Sprache - eine Sprache, die sie mit der Muttermilch aufgesogen haben. Bei den Treffen ist Hochdeutsch verpönt - das wird nur dann zu Hilfe genommen, um Besuchern, die die plattdeutsche Sprache nicht so gut beherrschen, auf die Sprünge zu helfen. Platt macht allen Spaß, zumal sich da vieles sehr anschaulich verdeutlichen lässt, besonders dann, wenn es drastisch wird.

"Wat geef dat för Feste, de in Vergessenheit geraten sind?", fragte Wolfgang Jensen beim jüngsten Treffen in die Runde und berichtete seinerseits von der Knechtgilde und deren Ringreit-Veranstaltungen. Zur Deutung des Namens Knechtgilde wusste der "Baas" zu berichten, dass der Begriff "Knecht" in diesem Zusammenhang nicht für einen landwirtschaftlichen Arbeiter steht, sondern gleichbedeutend mit "junger Mann" ist.

Es wurde an das Ruruper und Grünholzer Holtfeld ebenso erinnert wie an legendäre Feste in Neukirchen und Steinberghaff, etwa dem "Karneval am Haff". "Hüüttodaags gifft dat Discos: Do gohn de junge Lüüd hin, wenn wi Oolen längst to Bed sünd." Die Zeiten haben sich geändert und damit auch das Feiern von Festen. Kindergilden hatten einst den Charakter von Dorffesten - da musste jeder hin. Wenn "de Kinner to Huus un in Bed werrn, vergnögten sich de Erwachsenen bi Tanz."

Groß gefeiert wurden auch Erntefeste: "Dor wurr op de Putz haut." Gesagt wurde: "De Ernte wär inbröcht, wi harrn wat to fiern." Ob Gildefeste oder Fasselavend - gefeiert wurde nach festgelegten Ritualen - oft mit Hedewecken, Muck und "handgemachter Musik". Nachbarinnen kochten für Wöchnerinnen und brachten das Essen im "Etagenpott" zur jungen Mutter.

Gisela Carstens aus Schwackendorf berichtete, dass es einst Ehrensache "för alle Dörpslüüd war", mit Nachbarn, die 50 Jahre verheiratet waren, deren goldene Hochzeit zu feiern. Da wurden die Jubilare mit der Kutsche von daheim abgeholt und zur Kirche gefahren. Ein solches Ehejubiläum sei früher etwas Besonderes gewesen, weil die Menschen nicht so alt wurden. Heute, so Gisela Carstens, würden die Menschen zwar älter, aber hielten sich nicht so lange an die Treue: "De lööpen schnell uteenanner."

Dass das ganze Dorf bei einer goldenen Hochzeit mitfeierte, bestätigte auch Hans Lorenzen aus Kronsgaard. Als dort in den 1950-er Jahren Dachdecker Petersen - wegen seiner drei Berufe "Wilhelm Dreier" genannt - sein 50-jähriges Ehejubiläum feierte, sei es mit sechs Reitern hoch zu Pferde und vier Wagen durch das Dorf gegangen.

Ja, das waren noch Zeiten, als das ganze Dorf Anteil am Geschehen nahm und die Bewohner sich keine Gelegenheit entgehen ließen, um miteinander zu feiern.

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