Stadt Flensburg : Doppik-Umstellung: Defizit wächst um vier Millionen

 Herr der Zahlen: Kämmerer Henning Brüggemann meldete gestern den erfolgreichen Vollzug der Doppik-Umstellung.
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Herr der Zahlen: Kämmerer Henning Brüggemann meldete gestern den erfolgreichen Vollzug der Doppik-Umstellung.

Die Stadt Flensburg meldet einen weitgehend reibungslosen Vollzug der Umstellung auf kaufmännische Rechnungslegung.

Carlo Jolly. von
22. Januar 2015, 14:30 Uhr

Flensburg | Ein bisschen nervös dürften sie um den Jahreswechsel im Rathaus schon gewesen sein. Am Freitag, 2. Januar, zum Bespiel, als die Stadtkasse bis nachts um 23 Uhr fieberhaft daran arbeitete, dass die Umstellung aller Haushaltsposten auf die doppelte Buchführung Doppik reibungslos klappen möge. Es soll Kommunen gegeben haben, die nach diesem Eingriff sechs Wochen zahlungsunfähig gewesen sind. Flensburg habe mit Absicht bis zum letztmöglichen Termin gewartet, um von den Kinderkrankheiten anderer Städte zu lernen, berichteten gestern Kämmerer Henning Brüggemann und sein Abteilungsleiter Bernd Ulrichsen.

Die Strategie scheint aufgegangen zu sein: „Am 5. Januar sind alle Zahlungen rausgegangen“, berichtete Caren Große-Freese, Leiterin der Stadtkasse, die jetzt Finanzbuchhaltung heißt. 77 Millionen Euro an Auszahlungen seien an diesem Tag rausgegangen. Bloß die Tagesmütter hätten die Stadt in dieser kurzen Übergangszeit der Zahlungssysteme mit ihrem lautstarken Protest nach dem Ausbleiben der Zahlungen kalt erwischt.

Mehrere Jahre hatte die Doppik-Umstellung wie ein Damoklesschwert über Kämmerei und Informationstechnik des Rathauses geschwebt. Die anderen kreisfreien Städte Kiel, Neumünster und Lübeck hatten nämlich schon nacheinander zwischen 2008 und 2010 umgestellt.

Es war nicht der einzige Grund, warum nun der letzte Zeitpunkt für die Umstellung gekommen war: „Irgendwann wäre sonst unsere kamerale Software nicht mehr gepflegt worden“, befürchtet Ulrichsen – von der Vergleichbarkeit der vier kreisfreien Städte ganz zu schweigen. Und: Die Absolventen der Verwaltungsfachhochschule in Altenholz, die als Nachwuchsfinanzwirte ins Rathaus drängen, würden ebenfalls längst nicht mehr in Kameralistik ausgebildet.

In der Bilanz stünden künftig Schulden und Vermögen in einer Bilanz nebeneinander. Künftig müssten Rückstellungen für Risiken gebildet werden, wie zum Beispiel für die Pensionen der städtischen Beamten – und der sogenannte „Werteverzehr“ über Abschreibungen werde erkennbar.

Seinen Preis hat die Doppik-Umstellung im Rathaus übrigens auch – jedenfalls auf dem Papier: Brüggemann und Ulrichsen rechnen damit, dass das strukturelle Defizit der Stadt 2015 durch die Doppik-Umstellung statt rund zehn glatt 14 Millionen Euro betragen werde. Dafür seien eben Pensionsrückstellungen, Abschreibungen und Verfahrensrückstellungen für Prozesse verantwortlich.

Mit anderthalb zusätzlichen Stellen und zahlreichen Überstunden sei die Umstellung schlank gemanagt worden. Und bis 2020 soll es eine Eröffnungs- und Konzernbilanz geben: Dann soll Flensbur erstmals wissen, wie groß das Vermögen der Stadt wirklich ist.

Infos zu Doppik:

Während die Stadt ihren Haushalt gerade zum 1. Januar erst  von der Kameralistik auf die kaufmännische Rechnungslegung (doppelte Buchführung Doppik) umgestellt hat, wird diese in den beiden Sondervermögen   Infrastruktur (TBZ/Tiefbau) und Kommunale Immobilien (Hochbau) bereits seit  2007/2008 praktiziert. Ende 2013 betrug etwa das Anlagevermögen des TBZ rund 220 Millionen Euro. Knapp 118 Millionen Euro davon entfielen auf die Entwässerung, weitere 50 Millionen Euro auf Straßen, Ampelanlagen und Beleuchtung sowie gut 31 Millionen Euro auf Grundstücke.  Das Anlagevermögen der Kommunalen Immobilien, wozu neben dem Rathaus u.a. alle städtischen Schulen und Kitas gehören, betrug zum gleichen Zeitpunkt rund 224,4 Millionen Euro.

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