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Transatlatischer Schüleraustausch : Doppelpass mit Sao Paulo

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburgs Fördegymnasium pflegt seit zehn Jahren eine enge Partnerschaft zum Colégio Visconde de Porto Seguro in Valinhos bei Sao Paulo. Im Sommer gibt es in Brasilien ein WM-Wiedersehen

shz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 10:00 Uhr

Das Ergebnis sieht nach einem Kinderspiel für Brasilien aus: Sein Team gewinnt in der Soccer-Arena in Flensburg mit 15 zu 3 gegen die deutsche Auswahl, behauptet Fausto. Der 15-jährige Brasilianer zählt zu den 29 Schülern, die seit Mitte Dezember an ihrer deutschen Partnerschule, dem Fördegymnasium in Flensburg, zu Gast sind. Das Freundschaftsspiel mit dem deutlichen Resultat zuungunsten der Gastgeber tut der Verbundenheit keinen Abbruch. Der Schul-Austausch feiere in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum, sagt seine Koordinatorin Marita Plexnies, die am Fördegymnasium als Lehrerin tätig ist. Koordinator auf brasilianischer Seite ist der Lehrer Andreas Goldstein, der seit 23 Jahren in Südamerika lebt. Die deutschen Gymnasiasten des elften Jahrgangs werden Anfang Juli ihre neuen Freunde des Colégio Visconde de Porto Seguro in Valinhos besuchen und bis zum 8. August in den Familien der Brasilianer leben, die gerade ihre Gäste sind.

Damit werden die Norddeutschen die Chance haben, die spannende Phase ab den Viertelfinal-Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft in dem südamerikanischen Land mitzuerleben und die Atmosphäre einzuatmen. Allerdings sehen die brasilianischen Jugendlichen das Ereignis durchaus kritisch. Die 16 Jahre alte Brasilianerin Isabela erwartet zwar emotionale Momente, aber auch, dass ihr Land während der vier Wochen im Sommer still stehen werde, weil alles auf die WM ausgerichtet sei. Der Schul-Austausch gefalle ihr gut, sagt sie und freut sich darüber, den Norden Deutschlands kennen zu lernen, nachdem ihre Familie früher aus beruflichen Gründen vier Jahre lang in München gelebt habe. Zum Thema Fußball-WM ergänzt ihr Mitschüler Lucas (16), dass sein Land viel dringender Schulen bräuchte, nicht Stadien. Viele der brasilianischen Schüler nicken zustimmend. Die Jugendlichen aus einem Ort 80 Kilometer nördlich von São Paulo zeigen offenkundig Interesse an politischen Themen.

Als Höhepunkt ihres schließlich sechswöchigen Aufenthalts in Flensburg und Deutschland gilt der Ausflug in die Hauptstadt in wenigen Tagen. Mehrere wollen unbedingt sehen, was von der Berliner Mauer übrig ist, andere nennen das Brandenburger Tor oder den Fernsehturm als Sehenswürdigkeiten, deren Besichtigung sie sich nicht entgehen lassen wollen. Den heutigen Tag verbringen die Schüler in Hamburg und krönen ihn mit dem Besuch des Musicals „König der Löwen“. Als Besonderheit der Erfahrungen in Deutschland nennen die brasilianischen Jugendlichen jedoch etwas anderes – neben Weihnachtsmarkt, Pünktlichkeit oder touristischen Zielen: „Die Freiheit, allein oder mit Freunden in die Stadt zu fahren“, hebt Giovanna hervor, die gebe es in Brasilien nicht. Allein Bus zu fahren beispielsweise, sei „viel zu gefährlich“, sagt die 15-Jährige in lupenreinem Deutsch. Auch ihre Eltern hatte es beruflich nach Deutschland verschlagen – für vier Jahre nach Mainz.

Guilherme, 15 Jahre alt, berichtet davon, wie er vor vier Tagen allein mit dem Zug nach Aachen gefahren sei. Das wäre in seiner Heimat nicht möglich. Sein Banknachbar hat ihn frech mit einem Fingerzeig identifiziert als Austauschschüler, der sich vorstellen könnte, für längere Zeit in Deutschland zu bleiben. Guilherme hat in Nordrhein-Westfalen einen Freund besucht, der dort studiere. „Aachen ist eine sehr schöne Stadt“, findet der 15-Jährige und denkt darüber nach, dort in zwei, drei Jahren nach dem Abitur Ingenieurwissenschaften zu studieren.

 

 

 

 

 

 

 

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